​Das war’s

Nun sind wir seit ein paar Tagen wieder in Deutschland und es ist an der Zeit, die Reise Revue passieren zu lassen. Unsere Haut vermisst das gute Tropenklima und ist ganz spröde geworden durch die trockene deutsche Heizungsluft. Wir niesen beide um die Wette, fast so als würden unsere Körper rebellieren und zurück wollen in andere Gefilde. Gerade im Gegensatz zu Sri Lanka ist Deutschland leb- und farblos, irgendwie zu perfekt. Und natürlich fragt uns hier kein Tuk Tuk Fahrer interessiert „Where are you from, Sir? Are you married? You have a good wife!“ Doch ja, es ist vorbei und so ganz können wir es immer noch nicht fassen. Die Zeit fühlt sich irgendwie lang an, gleichzeitig hatten wir aber bereits im Zug zurück nach Aachen das Gefühl, als ob wir letzte Woche doch erst los wären… 

Am Aachener Hauptbahnhof wurden wir mit bunten Weltreise- und Willkommensballons begrüßt

Die Frage, die uns fast jeder zuerst stellt: welches Land war das Schönste? Leider können wir das so einfach nicht beantworten, da unsere bereisten Länder doch zu verschieden waren. Wir könnten uns sehr gut vorstellen in Australien oder Sri Lanka zu leben. Landschaftlich war Neuseeland sicherlich das absolute Highlight. In Mittelamerika fanden wir Mexiko am besten, während wir die meisten anderen Länder dort eher nicht mehr unbedingt besuchen müssten.

Auch zuhause ging es bunt weiter: mit einer Collage aus all unseren versendeten Postkarten

Würden wir so eine Reise nochmal machen? Auf jeden Fall! Allerdings vielleicht beim nächsten Mal nicht mehr ganz so lange. Einerseits war die Wohnungsauflösung eine Heidenarbeit und außerdem haben wir gerade gegen Ende gemerkt, dass wir von den unglaublich vielen neuen Eindrücken fast überfordert waren. Gerade die Zeit in Mittelamerika erscheint sehr weit weg. Teilweise müssen wir selber unseren Blog lesen, um uns daran zu erinnern, was wir da eigentlich erlebt haben. Nächstes Mal würden daher auch drei bis sechs Monate reichen.

Sieht irgendwie fast genauso aus wie vor neun Monaten beim Aufbruch

Und ganz zum Schluss noch ein kurzer Blick auf die Reisestatistik:

  • Gesamtdauer der Reise: 255 Tage. Wir hatten versprochen zum 60. Geburtstag von Nikos Mama Mitte April wieder in Deutschland zu sein. Die Zeit haben wir fast komplett ausgeschöpft.
  • Zurückgelegte Kilometer: 59.340 km. Eine sehr grobe Schätzung. Offensichtlich waren wir bei unserer Weltumrundung nicht besonders effizient, da wir fast anderthalb mal rund gekommen wären.
  • Gesamtzahl der besuchten Länder: 12. Eigentlich hatten wir 16 geplant, aber die Entscheidung Südostasien wegzulassen hat sich im Nachhinein auf jeden Fall als richtig erwiesen.
  • Land mit dem längsten Aufenthalt: Sri Lanka mit 55 Tagen.
  • Land mit dem kürzesten Aufenthalt: Malaysia mit gerade mal drei Tagen.
  • Gesamtkosten der Reise: ca. 13.300 EUR pro Person, davon 2.900 EUR für Flüge. Wir hatten eigentlich mit 15.900 EUR pro Person kalkuliert, insofern war die Reise ein richtiges Schnäppchen. Mehr als die Hälfte der Kosten sind in Neuseeland und Australien angefallen, obwohl wir dort gerade mal nur ein Drittel der Zeit verbracht haben.
  • Gesamtzahl der Flüge: 17, mit einer Gesamtflugzeit von etwas über 68 Stunden. In nächster Zeit wollen wir kein Flugzeug mehr von innen sehen. Da wir unseren Beitrag zum Klimawandel nun geleistet haben, hat Niko uns in nächster Zeit Fernreiseverbot erteilt. Zum Glück gibt´s ja auch in der näheren Umgebung noch viele schöne Orte zu entdecken.
  • Gemachte Fotos: 11.328. Wer sich die jemals alle ansehen soll ist auch uns ein Rätsel.
  • Länge des Blogs: 158 DIN A4-Seiten ohne Fotos. In unserem allerersten Blogeintrag hatten wir behauptet schreibfaul zu sein. Das war gelogen.
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​Kochen in Kandy und Panadura

Gerne hätte Rebecca ihren Klosteraufenthalt um ein paar Tage verlängert, aber sie hatte sich bereits in Kandy mit Priya, unserer Vermieterin vom letzten Mal, zum Intensivkochenlernen verabredet. Intensiv war die Zeit alle Mal, denn nicht nur zum Kochen trafen sich Rebecca und Priya. Meistens ging es zwischen sieben und acht Uhr morgens mit dem Frühstückmachen los. Wie wir in den vergangenen Blogs geschrieben haben, ist ein sri lankisches Frühstück oft sehr aufwändig und so hat Priya als ihre Tochter noch zur Uni ging, schon um halb vier Uhr morgens den Kochlöffel geschwungen. Bei sri lankischen Hausfrauen ist Restaurantessen als ungesund verschrien. Es soll neben einer Menge Konservierungsstoffe auch Natriumglutamat enthalten. Und es ist wahr, in den Take Aways sieht man selten Leute über 40, die sich dort ihre schnellen Mahlzeiten besorgen. Natürlich ist sri lankisch Kochen aber vor allem sehr zeitintensiv. Selten haben wir für die Zubereitung des Abendessens unter zwei Stunden gebraucht. Viele jungverheiratete Frauen arbeiten heutzutage und sind verständlicherweise zu müde, sich nach der Arbeit noch stundenlangen Kochorgien hinzugeben.

Priya und Rebecca beim Süßigkeitenmachen
Priya öffnet Jackfruitsamen
Seit der Tuk Tuk Safari nie vergessen und jetzt gibt’s endlich das Curry aus Bananenblüte

Priyas Töchter wohnen mittlerweile beide in Colombo. Die ältere ist verheiratet und wohnt bei der Familie ihres Mannes. Es scheint, als hätte sie in Rebecca einen Tochterersatz gesehen, denn Niko kam Rebecca meist nur bei den Mahlzeiten zu Gesicht. Dazwischen hatte sie Priya vollends in Beschlag genommen. Priya verbringt ihre Freizeit am liebsten mit nähen und so hat sie Rebecca am zweiten Tag zum Stoffekaufen mit nach Kandy genommen. Dabei sprang für Rebecca Stoff für eine Hose und einen Rock heraus. Als sei dies nicht schon genug Arbeit, hat sie aus dem Reststoff noch eine Bluse für sie nähen wollen. Während Priya also nähte, hat Rebecca ihr Gesellschaft geleistet.

An einem der vielen Nähnachmittage
Wer schön sein will, muss leiden… Wahrscheinlich war es notwendig, denn Priya hat Rebecca kurzerhand eine Kosmetikerin vermittelt.

Am letzten Tag sind die beiden zum Tempel aufgebrochen. Dort wollte Priya ihren Reiskocher und Behälter abholen, in denen sie den Mönchen einmal im Monat Mittagessen vorbeibringt. Außerdem hatte sie ein Paket Waschpulver als Opfergabe dabei, vor einigen Wochen haben sie und ihr Mann dem Tempel nämlich eine Waschmaschine spendiert. Auf dem Weg zum Tempel und zurück nach Hause hat sie Rebecca allerlei Erklärungen zu verschiedensten wild wachsenden Obst- und Gemüsepflanzen gegeben, die bei dem guten Klima in kürzester Zeit zu meterhohen Obst- und Gemüsebäumen reifen. Auch traf Priya in dem kleinen Dorf Ampitiya ständig auf Bekannte, mit denen sie ein kurzes Schwätzchen hielt, die, wie sie Rebecca mit einem Zwinkern verriet, alle so nett und freundlich seien, da sie die Vorsitzende des Frauenvereins sei.

Auf dem Rückweg kamen wir an einer Weberei vorbei

Gerne wäre Rebecca auch bei Priya noch ein Weilchen geblieben, aber an unserem letzten richtigen Wochenende hatte uns Saranga wieder zu sich nach Hause in Panadura eingeladen. Dieses Mal gab es kein großes Programm. Rebecca hat mal wieder seiner Mama in aller Herrgottsfrühe beim Kochen über die Schulter geschaut und Saranga zu einer Sitzung der ¨Panadura Toastmaster¨ begleitet. Hier kann von jung bis alt jeder mitmachen, der seine Redekünste verbessern möchte. Neben vorbereiteten Reden, die zum Schluss kritisch bewertet werden, wurden Sprichwörter verteilt, über dessen Inhalt ein Freiwilliger eine spontane Kurzrede hielt. Rebecca war sehr froh, dass ihr lieber Freund Saranga sie nie aufrief, wenn kein Freiwilliger bereit war, vors Rednerpodium zu treten. Beeindruckt war sie aber vom Mut und Selbstbewusstsein aller Teilnehmer, die sich ein solch ausgefallenes Hobby ausgesucht haben.

So werden Stringhopper gemacht
Hier wird der Reismehlteig kurz gedämpft
Gruppenfoto mit den netten Panadura Toastmasters

Da wir seit längerer Zeit schon nicht mehr geschwommen sind, wollten wir uns für die nächsten Tage eine Unterkunft mit Pool suchen. Tatsächlich wurden wir keine zwei Kilometer von Sarangas Zuhause entfernt fündig: ein riesiges Appartment mit wunderschöner Dachterrasse und eigenem Pool. Dort angekommen stellte sich allerdings Ernüchterung ein: der auf den Fotos so riesig wirkende Pool war in Wahrheit kaum mehr als ein kleines Planschbecken. An Schwimmen war also nicht zu denken. Die Enttäuschung hielt aber nur kurz an, da die Unterkunft ansonsten wirklich fabelhaft war. Und auch an den Minipool haben wir uns gewöhnt, da er zum Abkühlen allemal ausgereicht hat.

Yoga am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Besonders wenn man es auf einer solch tollen Dachterrasse ausführen kann.
Die wahre Größe des Pools offenbarte sich aus der Quietscheentchenperspektive

Das Haus, in dem unser neues Appartment liegt, wurde von unserem Vermieter Irantha selbst konstruiert. Er ist ausgebildeter Ingenieur und bekennender Deutschland-Fan (¨Deutsche sind die freundlichsten Menschen der Welt!¨). Er hat mehrere Monate in Deutschland verbracht und kannte sogar Winterberg, Rebeccas Heimatort, bei dem die meisten Deutschen normalerweise nur ahnungslos mit den Achseln zucken. Nach mehreren Arbeitsjahren in Italien, wo er die Kinder einer reichen Adelsfamilie betreut hatte, ist er in der Hotelbranche in Dubai gelandet. Dort hat er die Erfahrungen gesammelt, die es ihm nun erlauben, ein wirklich vorzüglicher Gastgeber zu sein. Insbesondere kennt er die Ansprüche westlicher Touristen, was man dem Appartment deutlich ansieht. Ohne Übertreibung war es die wohl beste Privatunterkunft unserer gesamten Reise. Was würden wir nur darum geben, zuhause auch eine solche Dachterrasse zu besitzen…
Damit wir uns nicht zu sehr langweilen, hat Irantha uns an einem Tag zu einem Feuchtgebiet in der Nähe gefahren. Dort kann man Büffel und jede Menge Vögel in freier Wildbahn beobachten. Die Büffel haben sich leider nur von sehr weitem sehen lassen, aber es war doch erstaunlich, wieviel Natur so nahe an der Stadt noch existiert. An einem anderen Abend hat er uns zum Essen eingeladen. Da er gehört hat, dass Rebecca sich sehr für sri lankische Küche interessiert, hat er extra seinen Schwager, einen ehemaligen Koch, anreisen lassen. Dem durfte Rebecca bei der Zubereitung über die Schulter schauen und hat jede Menge Tipps bekommen, wie sie selber solche Gerichte zaubern kann.

Unser Gastgeber Irantha mit Niko im Feuchtgebiet
Topfgucken hat Rebecca im Laufe der Reise perfektioniert

Unsere letzten drei Tage in Sri Lanka haben wir in Mount Lavinia bei Christine und Lal verbracht, bei denen wir vor einigen Wochen schon einmal gewohnt haben. Neben Entspannen haben wir die Zeit hauptsächlich dafür genutzt, um einige letzte Besorgungen in Colombo zu machen. Zum ersten Mal konnten wir ja nun endlich Souvenirs kaufen, ohne sie danach noch monatelang durch andere Länder schleppen zu müssen. Im Nachhinein viel zu schnell gingen so unsere 55 Tage in Sri Lanka zu Ende. Wir haben hier gerade mal für etwas über 37 Euro am Tag gelebt und somit viel billiger als die eigentlich veranschlagten 56 Euro. Mitten in der Nacht werden wir heute (2. April) den Heimflug mit Umstieg in Dubai antreten. 

​Rebecca geht ins Kloster

Ich schreibe, ich schreibe, ich schreibe, ich schreibe… Dies ist eine Achtsamkeitsübung, die Rebecca und ihren Zimmernachbarinnen empfohlen wurde, einfach um nicht verrückt zu werden, wie der Hauptmönch es ihnen belustigt erklärte. Um ihre Erfahrungen im buddhistischen Meditationszentrum besser darstellen zu können, wechselt Rebecca jetzt in die Ich-Perspektive.

Pass, Bücher, Handy, Laptop, alles abgeben, so wurde ich vom Büromitarbeiter des Kanduboda Syane International Insight Meditation Centre begrüßt. Ganz schön streng, meinte Niko, nachdem ich mich noch schnell von ihm per SMS verabschiedet hatte. Danach wurde ich über das weitläufige Dschungelgelände durch den Männer- bis zum Frauentrakt geführt. Dort musste ich ganz leise sein, denn der Hauptmönch hatte gerade Meditationssprechstunde. Nach einer Weile wurde ich von einer jungen Nonne, deren strahlendes Lächeln mich über die nächsten Tage begleiten sollte, in das Gebäude für die internationalen Yogis begleitet. Dort bekam ich ein spartanisches Einzelzimmer, in dem gerade einmal ein Bett und eine kleine Kommode Platz hatten. Auch gab es kein Fenster nach draußen, nur ein Milchglasfenster zum Gang und ein paar Wandschlitze. Die Nonne sprach nicht besonders gut Englisch, doch sie überließ mich den anderen beiden Frauen in meiner neuen Unterkunft. Ich war ziemlich erstaunt, als sie mich gleich ansprachen und unter ihre Fittiche nahmen, denn ich war davon ausgegangen, dass in dem Center nur geschwiegen werden dürfte. Sogleich statteten sie mich mit Bettwäsche, einem kleinen weißen Tuch, das man sich über sein Meditationskissen legte und einer Art weißen Schal aus, der den Oberkörper weitgehend verdeckte. Auch sollte ich mich in den nächsten Tagen nur komplett in weiß kleiden. Da es mein erster Tag war, sollte ich mich danach entspannen, sagten mir meine malaysische und sri lankische Zimmernachbarin. Und so war ich plötzlich zum absoluten Nichtstun verdammt und konnte mich mit nichts beschäftigen, denn ich musste ja jegliches Ablenkungsgerät vor meinem Einzug abgeben. So bin ich draußen vor meiner kleinen Unterkunft etwas umherspaziert und habe mich doch schnell an meine neu errungene technische Freiheit gewöhnt. Die Ruhe war im sonst so lauten Sri Lanka herrlich und es war auch in den nächsten Tagen eine Freude, den ganzen Krabbeltieren um mich herum zuzusehen. Nachts wurde ich ab und zu von kämpfenden Katzen geweckt und in den Morgenstunden rannte eine ganze Affenfamilie übers Dach hinauf in den nächsten Mangobaum. 

Später am Abend wurde ich zur Abendandacht mitgenommen, in der wir in der Reihe stehend zunächst alle Opfergaben für Buddha, wie Blumen und Getränke, berührten, die von einigen einheimischen Frauen hereingebracht wurden. Danach wurde ein Singsang zur Ehrung Buddhas und einem glücklichen und friedvollen Leben in seinem Sinne von den Nonnen angestimmt. Ihre zarten Stimmchen passten so gut zu ihrer zarten, jungenhaften Figur. Der kahl rasierte Kopf und das braune, weite Gewand unterstrichen dies nur. Auch wenn die Hauptnonne dem Gesicht nach zu urteilen wahrscheinlich schon über 40 war. 
Meine erste Abendmeditation fand eine Stunde später statt und wurde von einem sehr heftigen Gewitter begleitet. Ich war bestimmt trotzdem die einzige, der der Donnerschlag bei geschlossenen Augen durch Mark und Bein fuhr. Ziemlich früh wollte ich mich an diesem Abend bettfertig machen. Sollte doch die Morgenglocke schon um vier Uhr klingeln. Als ich aus meinem Zimmer kam, waren die anderen beiden noch fleißig und boten mir als Neuankömmling einen ziemlich skurrilen Eindruck. Die einheimische Dame saß in ihrem weißen Gewand unter einem Moskitonetz im Halbdunkeln während die andere ihre Gehmeditation in Zeitlupe ausführte. Nach und nach gewöhnte ich mich an diesen Anblick…
Die Nacht war kurz und unruhig und der nächste Tag begann wieder mit der Morgenandacht. Danach gab es eine Reissuppe mit Knoblauch, die ich nur am ersten Morgen probierte. Zu viel des Guten am frühen Morgen. Und eine Stunde später sollte das ebenso deftige Frühstück folgen. 
In den nächsten Tagen habe ich mir angewöhnt, gleich um kurz nach vier meine ersten Yogaübungen zu machen und die Stunde zwischen Morgenandacht und Frühstück zu weiteren Übungen zu nutzen. Vor Rückenschmerzen bei der Sitzmeditation haben sie mich trotzdem nicht bewahrt, aber wer weiß wie schlimm sie ganz ohne ausgefallen wären. 

Zum Frühstück kamen wir alle ein paar Minuten früher mit einem Bündel, in dem sich zwei Teller, eine Schüssel, eine Tasse und ein Löffel befanden. Die Nonnen gingen vor, danach kam die älteste Frau und wir zwei Ausländer. Beim Essen durfte nicht geredet werden und so packte man langsam sein Geschirr aus und stellte es vor sich auf den Tisch. Nun gingen Nonnen und Freiwillige reihum und befüllten das Geschirr. Zunächst wurde das Schälchen mit Wasser gefüllt, dann kam das heiße Wasser für die Tasse, danach der Reis. Und dann kamen scheinbar nicht enden wollende Schüsseln mit Curries und ich fragte mich, wie ich diese Portion jemals schaffen sollte. Nach und nach hatte ich raus, wie man zeigte, dass man nur ein bisschen oder gar nichts haben wollte, denn der Teller wurde auf Wunsch wieder befüllt. Aber bei diesem ersten Frühstück musste ich leider einiges zurück gehen lassen. Glücklicherweise war ich nicht die einzige. Selbst die Nonnen aßen ihren Teller oft nicht leer, doch gewundert habe ich mich immer wieder über die Riesenportionen, die sie im Gegensatz zu mir verdrückt haben. Ich dagegen habe immer weniger als die alten Frauen auf meinem Teller gehabt und musste trotzdem kämpfen, denn auch die Zeit zum Essen war sehr kurz bemessen. Für mich Langsamesser also eine zusätzliche Hürde. Während des Essens wurde ich immer wieder von den alten Frauen neben mir angestupst, was ich als nächstes zu tun hätte, welcher Teller nach vorne geschoben werden musste und wie ich meinen benutzten Teller später mit den Fingern und dem Wasser aus der Schale grob reinigte.

Nach dem Tellerwaschen ging es wieder zur Gruppenmeditation, in der ich mich kaum wach halten konnte. Später habe ich festgestellt, dass es nicht nur mir so erging und die Köpfe immer wieder zur Seite wegknickten. Zum Glück wurden danach Hof und Unterkunft saubergemacht und so wurden müde Geister wieder geweckt. Nach einer kurzen Duschpause gab es um 11:15 Uhr Mittagessen, welche die letzte feste Mahlzeit des Tages war. Im Vergleich zum Frühstück kamen noch Obst und Nachtisch dazu, also sehr vielfältige, leckere und abwechslungsreiche Mahlzeiten. Danach wurde nur noch Tee serviert. Insgesamt gab es vier Gruppenmeditationen, an denen man teilnehmen sollte, dazwischen konnte man für sich selbst meditieren, abwechselnd Sitz- und Gehmeditation. Es gab keine Anleitung, doch wenn man wollte, konnte man mit dem Mönch sprechen und er gab kurze Hinweise. Im Gegensatz zu anderen Centern, wie ich von meiner neuen Zimmernachbarin aus Österreich hörte, war dieses ein nicht sehr strenges Meditationszentrum, denn man konnte weitgehend selbst über seine ¨Freizeit¨ zwischen den Gruppenmeditationen entscheiden. Auch gab es keinerlei Maßregelungen durch die Nonnen, wenn sie uns sprechen sahen. 

Nach drei Tagen waren wir das deutschsprachige Haus, als eine weitere Deutsche einzog. Natürlich war es klar, dass man am Anfang erklärte und sich ab und zu auch Gespräche ergaben. Diese waren während der Meditation allerdings sehr ablenkend, da die Gedanken an die vorher geführten Gespräche immer noch im Kopf herumschwirrten. Überhaupt waren vier volle Tage eine viel zu kurze Zeit, um seinen Geist von ständig hereinbrechenden Gedanken zu befreien. Der Geist ist wie ein Affe, der ständig mit uns spielen will, sagte der Mönch. Er hat uns deswegen einen ein- bis zweimonatigen Klosteraufenthalt vorgeschlagen, um den Geist so langsam ruhiger zu stellen. Die vier Tage waren also nur ein kurzer Ausflug in das Klosterleben, haben mir aber sehr gut gefallen. Für mich war es sehr interessant zu erkennen, dass mir der strukturierte Tag so gut gefiel, wo ich doch die Abwechslung sonst so sehr liebe. Langweilig wurde es ebenso gar nicht, denn man hatte ja immer etwas zu tun. Als mir die so freundlich lächelnde junge Nonne beim Abschied sagte, ich solle wiederkommen, habe ich gedacht, dass ich es bestimmt tun werde. 

​Wir haben uns getrennt

Natürlich nur vorübergehend, da Rebecca entschieden hat, für fünf Tage ins Kloster zu gehen. Dort will sie den Geheimnissen der Meditation auf die Spur kommen. Als Niko den Tagesplan des Klosters gesehen hat (Aufstehen um 4 Uhr, stundenlange Meditation, nur zwei Mahlzeiten am Tag!) hat er Rebeccas Angebot sie zu begleiten dankend abgelehnt. Er hat sich stattdessen in ein sehr nettes Hotel nur fünf Kilometer vom Kloster entfernt eingemietet und dort die Tage entspannt bei köstlichem Essen am Pool und auf seiner Terrasse verbracht.

Von außen machte das Hotel schon etwas her. Hier der Eingang zum Festsaal.
Auch der Pool war sehr schön und meistens menschenleer

Das Hotel lebt praktisch komplett von sri lankischen Hochzeitsgesellschaften, da sich Touristen in der Regel nicht in diese Gegend verirren. Entsprechend leer war es die ganze Woche über. Nur Mittags kamen immer mal wieder ein paar Einheimische zum Essen (der Koch war wirklich klasse!) und abends dann nochmal zum Trinken. Insbesondere Hochprozentiges von Whisky über Rum zu Wodka hat es den Leuten hier scheinbar angetan. Auch Niko trinkt natürlich gerne mal ein Glas, aber als ein Familienvater eine komplette(!) Flasche Bacardi alleine ausgetrunken hat und anschließend seine Familie nach Hause fuhr, fand er das dann doch ziemlich leichtsinnig.

Am ersten Tag war Rebecca auch noch da

Die Hotelmitarbeiter kommen aus dem ganzen Land und bleiben jeweils eine gute Woche zum Arbeiten dort, bevor die Schicht wechselt. Während der Woche wohnen sie im Mehrbettzimmer und arbeiten von morgens bis abends. Die meisten sprachen kein Englisch, aber mit dem Koch und einem der Kellner, die beide Auslandserfahrung haben, hat Niko sich sehr gut verstanden. Die beiden waren erkennbar begeistert, endlich mal einen ausländischen Gast zu haben und ihn mit allerlei exotischen Curries zu füttern. Nikos Lieblingskellner Virash hat ganze vier Jahre in Italien gelebt, wo er sich als Erntehelfer und als Betreuer eines alten Mannes durchgeschlagen hat. In der Anfangszeit hat er drei Monate draußen geschlafen und sich bei seiner Flucht durch Tschechien und Österreich unter Bussen verstecken müssen. Dies lässt bereits vermuten, dass er nicht auf natürlichem Wege nach Italien kam, sondern von Schleppern nach dem sri lankischen Bürgerkrieg angelockt wurde, die er ¨the agency¨ nannte. Lukrativ war seine Auslandszeit natürlich nicht, mal abgesehen davon, dass er jahrelang von seiner Familie getrennt war. Der stets freundliche Virash macht heute einen zufriedenen Eindruck, auch wenn er mit seinem Monatsgehalt von 16.000 Rupien, was in etwa 100 Euro entspricht, im teuren Colombo kaum über die Runden kommt. 

Mit solchen Riesenportionen an Reis und Curry haben der Koch und Virash Niko jeden Tag abgespeist

​Ritt auf dem sri lankischen Amtsschimmel

Gerne wären wir noch etwas an der Küste geblieben, doch leider lief unser Visum in den folgenden Tagen ab. Unser Freund Prabath hatte uns versprochen, das Visum dank seines guten Freundes, der im Office of Immigration arbeitet, für einen Bruchteil der Zeit zu ergattern, die ein Normalsterblicher braucht, um den Stempel in seinen Reisepass zu bekommen. Wir hatten vorher schon allerlei Horrorgeschichten von Leuten gehört, die einen ganzen Tag im Amt zugebracht hatten.

Neben dem Office of Immigration haben wir uns natürlich auch die schöneren Ecken Colombos angeschaut. Hier der Rooftop Pool des Cinnamon Reds…
…mit angeschlossener Bar

Guter Dinge machten wir uns also auf in das neue Office of Immigration, das am Stadtrand von Colombo liegt. Sehr ungewöhnlich für Sri Lanka war das moderne Design des Gebäudes, voll klimatisiert und fast geordnete Verhältnisse herrschten in der Abteilung, die sich um Visaverlängerungen kümmert. Leider waren wir nicht die einzigen, die einen neuen Visumsantrag stellten, bestimmt um die hundert andere Antragsteller hatten sich mit uns dort eingefunden. Einige warteten schon seit Stunden, wie die nette ältere Dame aus Kanada uns erzählte. Sie kommt jedes Jahr nach Sri Lanka, um der Familie einen Besuch abzustatten und ihr macht es nicht soviel aus, so lange zu warten, da sie ja als Rentnerin sowieso viel Zeit habe. Glück für sie, dass sie zwei Familienangehörige begleitet hatten, mit denen sie sich über Stunden angeregt unterhielt.

Wir haben wie beim letzten Aufenthalt wieder bei Hector und Manel gewohnt. Dieses Mal war auch das zweite Gästezimmer belegt. Und zwar mit einer deutschen Touristin, die Rebecca sofort erkannte, war sie doch eine Schauspielerin aus der Lindenstraße, die frisch aus einer zweiwöchigen Ayurveda-Kur ins Guesthouse kam.

Aber wir hatten ja zum Glück unseren Joker Prabath, der uns vor stundenlangem Warten bewahren sollte. Er traf ca. eine halbe Stunde nach uns ein und hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Freund noch nicht erreicht. Also reihten wir uns in die Schlange ein, um uns eine Nummer für unseren Antrag abzuholen. Danach ging es zu diversen Stellen, an denen wir den Antrag und unsere Pässe abgaben, die wiederum nach stundenlanger Bearbeitungszeit an anderer Stelle abzuholen waren. Und das stellt man sich so vor: Der Mann vom Amt kommt mit einem Stapel Anträgen und Pässen unter dem Arm in den Warteraum und die wartende Masse stürzt sich Richtung Schalter, hinter dem er die Wartenummern aufruft. Jubel oder Enttäuschung machen sich nach etwa drei Minuten breit, sollte die eigene Nummer aufgerufen worden sein, oder eben auch nicht. Gut, dass wir dieses Spielchen nicht komplett mitspielen mussten, dachten wir, denn wir hatten ja die Hoffnung, dass Prabaths Freund auftauchen und irgendwo in den Prozess eingreifen würde, so wie er es schon bei anderen Freunden angeblich mehrere Male getan hatte. Immerhin hatte Prabath ihn in der Zwischenzeit erreichen können. Leider war er aber an diesem Tag ziemlich ¨busy¨, wie Prabath uns mitteilte. Also hieß es weiter warten auf den Retter in der Wartenot. Wir machten also doch das Spielchen mit dem Hinrennen zum Mann mit den Wartenummern mit und hatten tatsächlich irgendwann Erfolg. Zumindest Rebecca; ihr Antrag und Pass waren als erste wieder da und das obwohl wir beide die gleiche Wartenummer hatten. Als der nette Herr nach seiner Durchsage wieder verschwinden wollte, passte Rebecca ihn gekonnt ab und machte ihn darauf aufmerksam, dass die Wartenummer doch zu zwei Anträgen gehörte. Er ignorierte ihren Einwand und ging einfach weiter. Wenigstens konnte Rebecca mit ihren neu abgestempelten Dokumenten nun die Visumsverlängerungsgebühr zahlen, doch die Dame am Bezahlschalter behielt erneut ihren Antrag und ihren Reisepass. Das hieß also wieder warten, bis ein anderer Mensch den Endstempel in den Reisepass setzte. Wir konnten also wieder zusammen zum Schalter stürzen, wenn der Herr mit den Unterlagen unter dem Arm erschien. Und so ging es weiter, so langsam leerte sich der Saal.

Man erkennt an Nikos Gesichtsausdruck, dass das Foto zu fortgeschrittener Stunde entstand. Prabath war hingegen immer noch unermüdlich guter Laune.

Geschlagene fünf Stunden dauerte die Prozedur, bis auch Niko endlich wieder im Besitz seines Reisepasses war. Und das alles für eine gerade einmal einmonatige Verlängerung… Prabaths Beziehungen haben uns zwar nicht geholfen, aber dafür verbrachte er seinen freien Tag mit uns auf einer Behörde, behielt die ganze Zeit über seine gute Laune und unterhielt uns prächtig. Ohne ihn hätten wir nach deutscher Effizienz strebend, die Geduld mal wieder viel früher verloren.

Unsere Unterkunft in Mount Lavinia. Das linke Zimmer war unseres. Tagsüber glich es gelinde gesagt einem Glutofen.
Reis und Curry hat es in diesem Land selbst in die Fastfood Kette geschafft

Da war das Essen vom ersten Foodtruck, den wir in Sri Lanka gesehen haben, eine gelungene kulinarische Abwechslung

Um uns von dieser bürokratischen Tortur zu erholen, haben wir uns für einige Tage ans Meer nach Mount Lavinia, einem südlichen Vorort von Colombo, zurückgezogen. Unsere Unterkunft lag etwa 200 Meter vom Meer entfernt. Direkt am Strand will man an großen Teilen Sri Lankas Ostküste nämlich nicht wohnen, da dort die Eisenbahnstrecke verläuft und die Züge ständig hupen, um die vielen Fußgänger von den Gleisen zu vertreiben. Auch wir mussten die Bahnstrecke überqueren, um zum Strand zu kommen, glücklicherweise ohne Zwischenfälle.

Mount Lavinias Strand mit der Skyline von Colombo im Hintergrund
Die Sonnenuntergänge waren jeden Abend wunderschön

Mount Lavinia ist insbesondere für das gleichnamige Hotel bekannt. Ursprünglich als Liebesnest für einen englischen Gouverneur gebaut, verstrahlt es auch heute noch den Glanz der britischen Kolonialzeit und gehört zu den bekanntesten Hotels Sri Lankas. Als wir uns auf der Hotelterrasse einen Drink genehmigt haben, hat Rebecca eine Bekannte getroffen, die sie letztes Jahr in Colombo während der Fluthilfe kennengelernt hat.

Das altehrwürdige Mount Lavinia Hotel
Auch im Luxushotel müssen die Gäste mit dem Hupen der Züge leben

Und auch sonst ist die Welt klein. Unser Vermieter Lal, Anfang 70, lebte in den 60er und 70er Jahren für 14 Jahre in Deutschland, wo er eine Ausbildung in einem Hamburger Betrieb absolviert hatte und danach in ganz Deutschland und sogar in Tansania tätig war. Natürlich sprach er immer noch recht gut Deutsch und gab uns die Aufgabe, eine alte Bekannte von ihm in Düsseldorf ausfindig zu machen. Rebecca kam der Name dieser Dame sehr bekannt vor und sie wird sich Lal zuliebe nach unserer Rückkehr auf die Suche nach ihr begeben.

​Von Tangalle bis Galle

Die letzten Tage ihres zweiwöchigen Sri Lanka-Urlaubs wollte Katja am Strand verbringen und so haben wir uns auf den Weg nach Tangalle gemacht. Wir haben uns eine Unterkunft in der Nähe des Strands ausgesucht. Tangalle ist der östlichste Strand der Südküste und somit am weitesten von den Touristenzentren Galle und Colombo entfernt. Daher war der Strand meistens ziemlich verlassen. Nur die Wellen waren zu hoch, um sicher schwimmen zu können.

Abendlicher Spaziergang am Strand in Tangalle
Die Abendsonne hat ein besonders schönes Farbenspiel in den Sand gezaubert
Beim Ausflug nach Tangalle-Stadt

Hat aber nichts gemacht, da wir auch so die Zeit sehr genossen und zum Entspannen genutzt haben. Die Unterkunft hatte nur sechs Zimmer, die auf vier Hütten bzw. Häuser verteilt waren. Es ging also recht familiär zu und mit der Zeit kannte man die anderen Gäste und insbesondere den Besitzer recht gut. Neben unserem leiblichen Wohl hat er sich auch um unsere Unterhaltung gekümmert, z.B. indem er uns ein sri lankisches Brettspiel beigebracht hat.

Katja vor unserer Hütte
Dieser Mann scheut vor nichts. Auge in Auge mit den roten Riesenameisen.
Unser letztes gemeinsames Hopper-Frühstück

Viel zu früh war es für Katja an der Zeit wieder Richtung Heimat aufzubrechen. Damit sie nicht den ganzen Weg zum Flughafen alleine fahren musste, haben wir sie bis zu unserer nächsten Station Galle mitgenommen. Dort war noch genug Zeit für eine kurze Stadttour durch das gut erhaltene Fort, bevor wir sie abends zum Bus gebracht haben. Nun waren wir wieder allein unterwegs…

Bruder und Schwester bei der Besichtigung von Galles Altstadt
Auch dieser große Affe wusste die Atmosphäre im Fort offensichtlich zu schätzen
Forts Leuchtturm war an diesem Tag Ziel eines Schulausflugs
Danach stürzten sich die Mädchen in voller Montur in die Fluten
Während diese eine Choreographie zu Barbie Girl probten
Das sri lankische Mädchen wollte unbedingt ein Selfie mit den beiden westlichen Touristinnen. Danach haben diese die Gunst der Stunde ergriffen und auch ein Foto schießen lassen.

Das Fort unterscheidet sich merklich von anderen Städten Sri Lankas. Nirgendwo sonst ist der koloniale Einfluss so deutlich zu sehen. Die schönen Teile erinnern uns stark an Cartagena de Indias in Kolumbien, während die etwas heruntergekommenen Ecken dafür wie Havanna wirken. Dafür sind die Preise für sri lankische Verhältnisse sehr hoch, ungefähr auf deutschem Niveau. Rebeccas Spürnase für günstiges Essen haben wir es zu verdanken, trotzdem noch zwei bezahlbare (etwas abenteuerliche) Imbisse mit einheimischem Essen gefunden zu haben.

Typische Straße in Galles Fort
Ein mobiler Obst- und Gemüsehändler

Wir haben uns eine Unterkunft in einem 150 Jahre alten Haus mitten im Fort ausgesucht. Tatsächlich wirkte sie so als wären die Zimmer noch originalgetreu und kein einziges Mal renoviert worden. Zumindest würde das die Schimmelflecke an den Wänden erklären. Für zwei Nächte war das Zimmer aber okay, auch wenn der Besitzer versuchte, uns zum Koran zu bekehren und einem ehrwürdigen Leben zu bekehren. 

In diesem Haus haben wir gewohnt
Es gab einen kleinen, aber feinen Garten mit Terrasse
In dem sich nicht nur das Hörnchen sondern auch Rebecca an den Guaven zu schaffen machte
Von hinten sah das Haus schon recht baufällig aus

Das Fort ist nicht besonders groß und in den zwei Tagen haben wir jedes Gässchen mindestens einmal besucht. Praktisch alle Häuser innerhalb des Forts sind dem Tourismus verschrieben: Hotels, Restaurants, Edelsteinläden und Souvenirläden reihen sich aneinander. Das Highlight unseres Aufenthalts war sicherlich den Sonnenuntergang von der Stadtmauer aus zu beobachten.

Abendstimmung im Fort
Und da war die Sonne dann weg

​Auf der Busfahrt des Grauens nach Pelmadulla

Über das lange Wochenende waren wir bei Prabaths Familie eingeladen. Sie lebt in Pelmadulla, knapp 140 Kilometer von Kandy entfernt und in der Nähe der größeren Stadt Ratnapura. Die Busfahrt dorthin kann man ohne große Übertreibung als die grauenvollste unserer Reise bezeichnen. Der Bus war vollkommen überfüllt (Niko saß am Gang und hatte fast die ganze Zeit einen Bauch oder andere Körperteile auf der Schulter oder im Gesicht), die Musik war viel zu laut, es war drückend heiß, der Fahrstil war haarsträubend, durch die Vorhänge an den Fenstern hat man kaum was von der Gegend gesehen und die Tortur hat über vier Stunden gedauert ohne eine einzige Toilettenpause. Selten waren wir so froh, endlich aus einem Bus raus zu dürfen.

Auch Rebecca hatte nicht mehr als nur noch ein müdes Lächeln für die Fotografin übrig. Niko war scheinbar trotz sämtlicher Körperteile in seinem Gesicht völlig entspannt. Wenigstens hatten wir im Gegensatz zu vielen anderen einen Sitzplatz ergattert und hätten uns eigentlich nicht beschweren dürfen… 

Immerhin hat Prabath uns direkt an der Haltestelle abgeholt und von dort war es nur ein kurzer Fußmarsch bis zu seinem Zuhause. In den nächsten Tagen wurden wir erneut von hinten bis vorne rundumversorgt, so dass keine Wünsche offen blieben.

Prabaths Zuhause ist sehr idyllisch und direkt neben dem Tempel gelegen. Dafür krähen ab 4 Uhr morgens ein Dutzend Tempelhähne um die Wette, und es gibt einige Straßenhunde und sogar -kühe auf seinem Grundstück
Gruppenbild vor Prabaths Haus. Sein Opa ist rechts im Bild zu sehen, während links Lotusblumen für die nahende Tempeleinweihung geöffnet werden.

Nur zwei Kilometer von Prabaths Haus entfernt liegt ein kleiner Wasserfall mitten im Dschungel. Am ersten Morgen sind wir dorthin gewandert. Katja und Prabath haben den Fluss zum Baden genutzt, während Rebecca und Niko sich die neugierigen Äffchen, die in den Bäumen hingen, angesehen haben.

Auf dem Weg zum Wasserfall. Die Pflanzen, die der Mann hinten rechts auf seinem Buckel trägt, dienen zur Abdichtung der Edelsteinminen.
Katja und Prabath beim Baden im Dschungelfluss während neugierige Äffchen in den Bäumen über ihnen turnen

Später sollte es eine Überraschung für Katja geben. Prabath hatte ihr einen Termin bei einem seiner Onkel organisiert, der Ayurveda Arzt mit Schwerpunkt auf Sri Lankischer Heilkunst ist. Leider sprach er kein Englisch und so ging ein Großteil, von dem, was er sagte, „lost in translation“. Interessant war es trotzdem bei einem Arzt der etwas anderen Art zu sein, der sich barfußsitzend auf seinem Drehstuhl köstlich mit den Anwesenden auf Singhalesisch amüsierte. Prabaths Vater stand nach einigen Minuten auch im Raum und grinste während der kompletten Untersuchung von einem Ohr zum anderen. Was hätten wir in diesem Moment darum gegeben, ein bisschen besser Singhalesisch zu verstehen. Nach der Anamnese wurde Katja in einen dunklen Raum mit zwei verschmierten Massageliegen geführt und die Behandlung begann. 

Die Praxiseinrichtung war vielleicht nicht ganz auf dem neuesten Stand
Katja hat sich trotzdem vertrauensvoll in die Hände des Schöpfmeisters begeben

In einem Töpfchen, das der Arzthelfer aus einer kneteartigen Wurst formte, wurde mehrmals heißes Öl geschüttet und wieder abgeschöpft. Katja hat nicht nur die Behandlung sichtlich entspannt, sondern auch der Umstand, dass Rebecca sie in das dunkle Kämmerchen begleitet hat. Der Onkel Doktor streckte immer mal wieder seinen Kopf hinein und verschrieb Katja noch eine ganze Tüte voll mit Tees, Kügelchen, Tabletten, Säften und Ölen alle aus eigenem Anbau, die ihr am nächsten Tag in äußerst aufwändiger Weise von Prabaths Familie kredenzt wurden. Für all die Umstände bedankte sich Katjas Körper mit einem fiesen Ausschlag, so dass sie die Behandlung am übernächsten Tag absetzen musste.

Auch Prabaths Mama durfte fleißig beim Anrühren des frühmorgendlichen Knoblauchteegebräus mitmischen. Hier bereitet sie natürlich gerade Dhal zu.
Prabath hatte trotz Körpereinsatz sichtlich Spaß beim Mitwirken am Heilungsprozesses

Sehr früh am nächsten Morgen, als die drei Besucher aus Deutschland noch schliefen, kam Saranga zu Besuch, der sich um halb sechs Uhr morgens auf den Weg nach Pelmadullah gemacht hatte. Mit ihm wollten wir später zu einer Safari aufbrechen. Bis wir los konnten und endlich unser Nudelfrühstück intus hatten, hat es aber noch einige Stunden gedauert. Die Busfahrt nach Udawalewa war mal wieder sehr abentuerlich, da der Busfahrer auf der knapp 1,5 stündigen Fahrt das Gaspedal so tief nach unten drückte, wie es eben ging und die kurvige Berglandschaft zuließ. Auf der Fahrt haben wir uns mal wieder über die Sri Lankische Gesellschaft gewundert, in der es trotz Internet und Datingportalen immer noch zum guten Ton gehört, seine Kinder mit passenden Kandidaten im heiratsfähigen Alter zu verkuppeln. Das geht soweit, dass nicht nur die gesamte Familie auf die Suche angesetzt wird, sondern auch professionelle Heiratsvermittler Vorschläge unterbreiten. Passt ein Kandidat/in, wird dieser komplett mit Familie zur Familie des anderen eingeladen und die Vorstellungsrunde kann beginnen. Nicht immer zur Freude der ledigen Kandidaten…

Die Wasserbüffel genießen das kühle Nass
Und das Krokodil tut es ihnen gleich
Während der (männliche) Pfau sich stolz dem Publikum präsentiert
Wir hätten nicht gedacht, dass wir so nah an die Dickhäuter ran kommen würden
Diese sehen etwas ausgedörrt aus

Die Safari hat zwar mit über 60 Euro ein Loch in unsere Urlaubskasse gerissen, aber die vielen Elefanten, Pfauen, Büffel und Krokodile, die wir auf der knapp 2,5 stündigen Fahrt gesehen haben, waren die Investition auf jeden Fall wert. Zum Teil kamen wir sehr nah an die Elefanten heran, die sich gar nicht an uns zu stören schienen und munter weiter ihr Gras mampften. Wahrscheinlich aber waren sie die Fahrzeugkolonnen, die sich jeden Tag durch das Naturschutzgebiet schieben schon gewöhnt.

Diesem Elefant schlackerten vor lauter Freude über das gefundene Fressen sogar die Ohren

Direkt hinter Prabaths Haus befinden sich auf dem Nachbargrundstück mehrere Edelsteinminen, die wir am letzten Morgen besichtigt haben. Es war Sonntag, daher wurde nicht gearbeitet und wir konnten nicht in die Minen hinabsteigen Aber auch ganz gut so, da wir uns sonst wahrscheinlich eine Ausrede hätten überlegen müssen, um nicht in die dunklen nassen Löcher klettern zu müssen. Der Abstieg zu den Minen sah schon ziemlich abenteuerlich aus. Beim Thema Arbeitssicherheit besteht in Sri Lanka definitiv noch etwas Nachholbedarf.

Ein Blick von oben in die Mine reichte Niko völlig
Mal ganz abgesehen davon, dass unten alles voller Wasser war
Der Pausenraum der Minenarbeiter