Mopsfidel in Cienfuegos, der ¨Perle des Südens¨

Nach vier Strandtagen war es langsam an der Zeit aus der Touristenblase Varadero zu entkommen. Rebeccas Zahnschmerzen sind zum Glück wieder von alleine verschwunden (oder war es doch der Rum?). Der erste Teil unserer Rundreise führte uns per Bus nach Cienfuegos an der Südküste von Kuba. Während der Busfahrt ließ sich wieder schön beobachten, wie die Kubaner ihre Lebensmittel organisieren. Als wir einstiegen, hatte einer der beiden Fahrer einen großen leeren Korb neben sich stehen. Wofür dieser gut war, haben wir herausgefunden, als der Bus das erste Mal an einem Haus hielt, vor dem eine Art Teigtaschen verkauft wurde. Beide Fahrer stiegen aus und schon war der Korb nicht mehr leer. So ging es die ganze Fahrt über weiter. Bei jedem Straßenstand, der etwas Interessantes im Angebot hatte, hielt der Bus. Sofern der Preis gut war, haben die Fahrer zugeschlagen. Die Straßenverkäufer haben gleichzeitig mit Klatschen und Rufen versucht, die restlichen Fahrgäste aus dem Bus zu locken. Bis Cienfuegos war der Korb dann voll und wir sind nach fast 5 Stunden Fahrt endlich angekommen.

Die Busfahrer beim Shoppen

Sofort war klar, dass die Stadt sogar noch heißer ist als Varadero. Gefühlt waren es locker 40 Grad. Unsere Casa war knapp einen Kilometer vom Busbahnhof entfernt. Als wir wie die Packesel beladen und schweißgebadet dort ankamen, hat uns der Besitzer mitgeteilt, dass wir wegen Überbuchung in eine andere Casa, auch im Familienbesitz, umziehen müssten. Sie war zum Glück gleich um die Ecke und hat sich als wahrer Glücksgriff entpuppt (im Nachhinein hat sie sich allerdings als recht teuer erwiesen: für die zwei Nächte in Cienfuegos haben wir inklusive Verpflegung fast so viel bezahlt wie für die vier Nächte in Varadero. Gelernte Lektion: in den Casas immer vorher fragen wieviel das Abendessen/Frühstück kostet und ob die Getränke inklusive sind!).

Unser reichhaltiges Abendessen in der Outdoor-Küche

Das Kolonialhaus mit seinen abgeschrägten 5 m hohen Decken hatte musealen Charakter. Auf den mit Leder bezogenen Stühlen haben schon Oma und Opa vor 100 Jahren gethront und die heißen Nachmittage im begrünten, etwas kühleren Innenhof überstanden. Nur den Schildkrötenpool, bunte Lichterketten und die Klimaanlagen in jedem Zimmer gab es damals wahrscheinlich noch nicht.

Rebecca beim Relaxen im Innenhof unserer Casa
Unsere riesige Zimmertür mit dem kleinen Niko

Nach einem sehr reichhaltigen Abendessen (ein riesiger gegrillter Fisch pro Person, Unmengen an frischem Obst und Gemüse und Vanilleeis zum Nachtisch) mussten wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang einlegen. In der Fußgängerzone rief plötzlich jemand: ¨Fidel!¨. Erst als er auf Nikos Bart zeigte und nochmal belustigt ¨Fidel¨ rief, wurde uns klar, dass er damit Niko meinte. In der Tat sind Vollbärte in Kuba sehr unüblich. Schnell sind wir mit ihm ins Gespräch gekommen. Er war ehemals Boxer und ist sogar schon für Boxkämpfe nach Berlin und München geflogen. Mittlerweile ist er allerdings nicht mehr aktiv, sondern unterrichtet nur noch den Nachwuchs. Rebecca denkt jetzt darüber nach, unseren Erstgeborenen Fidel zu nennen, aber Niko kann sich noch nicht so richtig mit Fidel Sandschneider anfreunden…

Abendstimmung mit Che in Cienfuegos

Die langsame Öffnung Kubas konnte man sehr schön am zentralen Platz, dem Parque Martí, beobachten. Dort sitzen große Ansammlungen von Menschen im Freien (nicht ungewöhnlich in Kuba) und alle starren auf ihre Smartphones (sehr ungewöhnlich in Kuba). Nachdem privates Internet bis vor einigen Jahren komplett verboten war, sind nun zumindest an einzelnen zentralen Plätzen in den großen Städten Wifi-Hotspots eingerichtet worden, an denen man für ein bis zwei Stunden Internetzugang kaufen kann. Davon machen die Cubanos offensichtlich intensiven Gebrauch. Die meisten besitzen schon seit einigen Jahren Smartphones, haben sie bisher aber ausschließlich zum Telefonieren und Spielen verwendet.

Nur an dieser Ecke gab es Internet

Interessant für uns ist allerdings, wie schnell man sich an das Nicht-Vorhandensein von Internet gewöhnen kann! So wird es im stundenlangen tropischen Gewitter zum reinen Schauspiel, wie die Schildkröten versuchen aus dem überlaufenen Pool zu flüchten und eine nach der anderen vom Beckenrand plumpst. Abends sitzen wir einfach am zentralen Parque Martí und schauen stundenlang dem geschäftigen Treiben um uns herum zu.

Schildkröten beim Fluchtversuch
Advertisements

2 Gedanken zu „Mopsfidel in Cienfuegos, der ¨Perle des Südens¨“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s