Klatschnass in Trinidad

Eine der Stationen, die praktisch jeder Tourist in Kuba besucht, ist Trinidad. Daher führte daran auch für uns kein Weg vorbei. Glücklicherweise liegt es nur knapp zwei Stunden Busfahrt von Cienfuegos entfernt. Unglücklicherweise kamen wir aber am späten Nachmittag genau zur täglichen Gewitterzeit an. Ausgerechnet heute war es auch noch stärker als sonst. Unsere Casa lag zwar nur 5-10 Gehminuten vom Busbahnhof entfernt, aber es hat geschüttet, was das Zeug hielt. Erst haben wir versucht, uns vor einer Pizzeria unterzustellen, aber irgendwann war klar, dass es noch eine Weile regnen würde und wir auf die Art am Ende zwar langsamer aber doch genauso nass werden würden, als wenn wir einfach schnell zur Casa gingen. Gedacht, getan. Trinidads Straßen sind noch originalgetreu aus der Kolonialzeit erhalten. Was man auf unseren Fotos leider nicht sieht ist, dass sie bei Regen zu wahren Sturzbächen werden.

Unsere Straße, nachdem das Wasser abgeflossen war

So waren wir also nass bis auf die Haut als wir endlich in unserer Casa ankamen. Dort wurden wir zwar sehr freundlich empfangen, aber leider musste der Vermieter Bernardo uns Bedröppelten mitteilen, dass – man ahnt es schon – unser Zimmer bereits vergeben war. Scheinbar ist die Doppel- bis Dreifachvergabe von Zimmern in Casas nicht ungewöhnlich. Da es keine Kautionshinterlegung per Kreditkarte gibt, man zahlt alles ausschließlich bar, ist das offensichtlich die Versicherung der Vermieter dafür, dass sie am Ende auch wirklich einen Gast haben. Aber natürlich hatte Bernardo ein Zimmer für uns organisiert, das glücklicherweise auch gleich auf der anderen Straßenseite lag, so dass wir nur noch einmal kurz in den Regen mussten. Leider hat sich das Ersatzzimmer nicht wie in Cienfuegos als Glücksgriff erwiesen. Es roch recht muffig und Schimmel war in einigen Zimmerecken zu sehen. Immerhin hatten wir aber ein trockenes Dach überm Kopf und so haben wir dann die nächsten drei Nächte in unserem neuen Schimmelzimmer verbracht. Kleines Trostpflaster: es war das billigste Zimmer bisher. Zumindest gab es eine schöne Dachterasse mit einem mit Wein bewachsenen Pavillon, von der aus man den Salsaklängen der Live-Bands in der Altstadt lauschen konnte.

Rebecca auf der Dachterasse

Der Vermieter Jorge war sehr bemüht uns jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Offensichtlich gierten unsere Lippen aber scheinbar ständig nach Saft, da er uns zu jeder Tages- und Nachtzeit zu einem Obstsaft überreden wollte. Tatsächlich haben wir irgendwann gelernt, nur noch dann aus dem Zimmer zu kommen, wenn er nicht in der Nähe war, um nicht noch einen Saft trinken zu müssen. Jorge hat eine sehr quirlige 3-jährige Tochter namens Diangela Amanda, die uns praktisch direkt adoptiert hatte. Ungefähr zwei Minuten nachdem sie uns kennengelernt hatet, wollte sie erst auf Rebecca und dann auf Niko reiten und rief ihn gleich ¨tu caballo¨, ¨du Pferd¨.

Das kleine Monster (rechts im Bild)

Trinidad ist eine sehr schöne Stadt, die in weiten Teilen so wirkt, als wäre die Zeit vor 500 Jahren stehengeblieben. Das macht sie natürlich nicht nur für uns, sondern auch für alle anderen Touristen sehr attraktiv. Die Horden an Touristen, die durch die Stadt laufen, ziehen wiederum Horden an Kubanern an, die ersteren alles mögliche andrehen wollen. Insbesondere abends kann man sich kaum durch die Stadt bewegen, ohne alle zwei Meter von jemanden angesprochen zu werden, ob man nicht ein Taxi oder etwas zu essen/trinken/rauchen/kaufen möchte. Nach ein oder zwei Tagen hatten wir uns zwar daran gewöhnt, so dass es nicht mehr ganz so nervig war, aber trotzdem tut es dem ansonsten sehr netten Flair der Stadt nicht gut. Andererseits war Jorge erstaunlich ehrlich und erzählte uns einiges über die Härten des kubanischen Alltags. Seine Mutter ist Psychologin und verdient lediglich 30 CUC, ca. 28 Euro, im Monat. Soviel zahlen wir etwa pro Nacht inkl. Frühstück. Seine Putzfrau verdient übrigens genausoviel, arbeitet dafür aber auch 7 Tage die Woche und hat keinen Urlaub. In nationaler Währung gibt es praktisch keine Waren zu kaufen und falls doch, dann von minderer Qualität. Daher sind Kubaner dringend darauf angewiesen, an Devisen zu kommen und das gelingt eben nur, indem sie Touristen Exkursionen, Maniküre oder Salsastunden aufquatschen. Noch vor kurzer Zeit war es nicht möglich, in den wenigen existierenden Läden mit einheimischer Währung zu zahlen. Zudem durften Kubaner keine Touristenwährung besitzen, geschweige denn mit ihr einkaufen. So mussten Touristen gebeten werden, die dringend nötigen neuen Schuhe für sie zu kaufen. Wurde ein Kubaner dennoch dabei erwischt, gab es eine Geldstrafe. Überhaupt steht in Kuba vieles unter Strafe, fraglich ist aber, wie ein Kubaner ohne auf dem Schwarzmarkt einzukaufen oder Schwarzarbeit auszuführen, seine Familie ernähren soll. Früh übt sich übrigens. Als wir in Cienfuegos von der Besichtigung des Friedhofs zurückkamen, liefen zwei geschäftstüchtige kleine Jungs hinter uns her. Der eine hielt ein Hühnchen im Arm und bat uns um einen CUC, weil das arme pollito sonst sterben würde! Da sich Rebecca aber wegen akutem Wassermangel selbst gerade wie ein armes, krankes Huhn fühlte, konnten wir uns nicht weiter um die Befindlichkeiten des Tierchens kümmern und nahmen die Schnellkutsche zurück in die Innenstadt.

Plaza Mayor in Trinidad

Immerhin haben wir in Trinidad auch den sehr netten Kubaner Edel in einem Park kennengelernt, der uns tatsächlich nichts verkaufen wollte (von dem dezenten Hinweis mal abgesehen, dass sein Bruder ein exzellentes Restaurant in der Stadt betreibt, das wir unbedingt mal ausprobieren sollten), sondern einfach nur ein bisschen plaudern wollte. Wie letztes Jahr in unserem Seychellen-Urlaub mussten wir wieder zu unserer Schande feststellen, dass die meisten Ausländer deutlich mehr Ahnung von deutschem Fußball haben als wir. Sein Bruder (der mit dem Restaurant) ist so verrückt nach deutschem Fußball, dass er seinen Sohn Jürgen Klinsmann genannt hat. Das behauptet zumindest Edel.
Neben der Stadt haben wir uns auch das Umland ein wenig angeschaut. Einen Tag sind wir zum Playa Ancón gefahren, der auf einer kleinen Halbinsel südlich von Trinidad liegt. Angeblich soll es der beste Strand der kubanischen Südküste sein, aber mit Varadero kann er leider nicht mithalten. Es gab recht viel Seegras und andere pieksende Dinge im Wasser, die uns beiden wiederholt in die Brust gestochen haben. Ein zweiter Ausflug ging mit einer alten Dampflok, die nur noch zur Touristenbelustigung betrieben wird, ins nahe gelegene Valle de los Ingenios, das Tal der Zuckermühlen.

Im Tal der Zuckermühlen
Eine Zugfahrt, die ist lustig…

Eigentlich wollten wir Trinidad morgen nach insgesamt vier Tagen verlassen, um danach noch einige Tage in Playa Girón zu verbringen. Leider mussten wir trotz längerem Schlangestehen am Busbahnhof wieder unverrichteter Dinge nach Hause gehen, da der Ticket-Verkäufer um Punkt 15:30h beschloss, Feierabend zu machen. Falls wir also morgen nicht noch spontan Tickets erstehen können, wird sich unser Aufenthalt in Trinidad wohl noch um einen Tag verlängern. Zeitlich sind wir zum Glück in keinster Weise unter Druck. Wir haben insgesamt 20 Tage Kuba gebucht, da wir eigentlich geplant hatten bis ganz in den Osten nach Santiago de Cuba und Guantánamo zu fahren. Mittlerweile haben wir allerdings beschlossen, dass wir doch nicht so viel Zeit im Bus verbringen wollen, da es von Trinidad nach Santiago rund 12 Stunden Fahrt wären und wir den ganzen Weg nach Havanna wieder zurück müssten. Deshalb haben wir jetzt umso mehr Zeit für den Westen und können auch mal einen Tag verbummeln.

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2 Gedanken zu „Klatschnass in Trinidad“

  1. Beim Lesen und beim Erinnern ans letzte Jahr: So ein schönes Land, aber so eine beschissene Regierung. Schade um die Menschen. Das hat leider nicht nur wirtschaftliche Folgen, sondern verdreht auch die Mentalität und das wird noch viele Jahrzehnte in den Köpfen stecken, auch wenn der Kommunismus dann endlich Geschichte ist.

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