Abschied von Trinidad

​Am frühen Morgen klingelte uns zum wiederholten Male der Wecker aus dem Bett. Das reichhaltige Frühstück von Jorge und dazu seine kubanischen Alltagsgeschichten, konnten diese unsanfte Art aufzustehen wieder gut machen und so waren wir gut gestärkt und pünktlich um halb neun am Busticketschalter. Tatsächlich konnten wir noch zwei Tickets nach Playa Girón für den Nachmittag ergattern, so dass wir unseren Aufenthalt in Trinidad nicht zwangsverlängern mussten. Bevor wir zur Busstation gingen, hatte uns Ismahane, die Französin, die wir in Varadero kennengelernt hatten, kurz besucht. Sie und Nadhem waren am Vortag ebenfalls in Trinidad angekommen und in der Casa von Bernardo untergekommen, die wir eigentlich gebucht hatten und die Rebecca auch für sie organisiert hatte. So sind wir nach unserer Rückkehr vom Ticketkauf schnell durch Jorges Garage über die Straße gelaufen und haben ihr und Nadhem beim Frühstück Gesellschaft geleistet. Sie haben von ihren eigenen Kubaerfahrungen, Menschen, Begegnungen und Geschichten der letzten Tage berichtet, die sich erstaunlich gut mit unseren gedeckt haben. Zum Abschied haben sie uns fürs nächste Jahr nach Paris eingeladen. Nach der Reise ist also vor der Reise…

Ismahane und Nadhem in Bernardos Casa

Unser Vermieter Jorge war ein wenig bedrückt, dass wir nicht noch eine Nacht bleiben wollten. Auf den Schock hat er uns erstmal zu einem Saft eingeladen. Tatsächlich war er bisher der freundlichste Vermieter auf unserer Kubareise und wir hatten mit Abstand den stärksten Familienanschluss im Vergleich zu den anderen Casas. Immer wenn wir ihn auf der Straße getroffen haben, was relativ oft passierte, da Trinidad eine relativ überschaubare Stadt ist, hat er schon von weitem gerufen, gewunken und über beide Backen gegrinst.

Trinidad von oben; auf der kleinen Halbinsel im Hintergrund liegt Playa Ancón

Da wir noch einige Zeit bis zur Abfahrt des Busses totschlagen mussten, haben wir uns unserer neuen Lieblingsbeschäftigung hingegeben: im Park sitzen, rumgucken und Leute beobachten. Leider war es noch etwas zu früh am Tag um Canchánchara zu trinken, der lokalen Spezialität, die aus Honig, Wasser, Limette und Rum besteht und sehr, sehr lecker schmeckt. Damit das ganze Rumsitzen trotzdem nicht zu langweilig wurde, haben wir zwischendurch immerhin einmal den Park gewechselt.

Rebecca beim Rumsitzen im Park
Hier saßen wir auch gerne rum

Unser Zimmer mussten wir leider schon morgens abgeben, damit Jorges Putzfrau es reinigen konnte, aber nett wie er ist, durften wir sein Bad und Wohnzimmer trotzdem noch weiter nutzen. Das Bad hat sich allerdings als ziemlich schockierend erwiesen, insbesondere im Vergleich zu dem in unserem Zimmer: kein funktionierendes Licht, keine Klobrille, ein undichtes Waschbecken… Offensichtlich steckt er sein ganzes Organisationstalent ins Wohlbefinden seiner Gäste, so dass für ihn und seine Familie nicht allzu viel übrig bleibt. Laut seinen Beschreibungen am Morgen hat er für den Umbau des Zimmers 8.000 CUC investiert. Da Kuba nicht produziert und nur auf Importe aus beispielsweise China, Brasilien oder Vietnam angewiesen ist, sind Baustoffe preislich dementsprechend hoch. Der Staat unterstützt die Casabetreiber nicht dabei, ihr kleines Unternehmen aufzubauen, das immerhin auch neue Arbeitsstellen schafft. Allein vom staatlichen Lohn konnte Jorge, der zuvor in einem Hotel gearbeitet hat, nicht leben. Seine Oma, die bereits 80 ist, kann von ihrer Rente, die noch nicht einmal 9 Euro im Monat beträgt, gerade einmal einen Tag bestreiten. Nebenher muss sie weiterhin Milch verkaufen, die sie günstig einkauft und etwas teurer verkauft. So sieht man viele alte Leute auf der Straße, die versuchen, irgendeine Art von Geschäft zu machen und sei es ein einziges Paar Schuhe an den Mann zu bringen… 

Trinidad Hauptbahnhof
Kubanischer Supermarkt
Die rosarote Torte feiert ihren 15. Geburtstag – ein wichtiger Tag im Leben einer Latina
Tortenverkäufer – die Kubaner lieben es süß
Ne Treppe…
… und ein paar Straßen

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