Baden in der Schweinebucht

Die Stadtbesichtigungen der letzten Tage haben uns müde gemacht und so belohnen wir uns mit einigen Tagen Strandurlaub in Playa Girón, einem kleinen Badedörfchen an der Südküste. Standesgemäß wurden wir mit einem Fahrradtaxi vom Busbahnhof abgeholt. Unser Fahrer musste ganz schön strampeln, immerhin haben unsere Rücksäcke seine Fracht um mehr als 20 kg schwerer gemacht, ganz zu schweigen von den Kilos, die wir selbst dank dem sehr guten und reichhaltigen Essen in den Casas zugelegt haben. Mit jedem zweiten auf der Straße tauschte er im Vorbeifahren ein paar Grüße, mit besonders hübschen Frauen auch Küsschen aus. Als er bemerkte, dass Rebecca Spanisch spricht, taute er auf und erzählte uns, dass er als studierter Mathematiker bereits einige Jahre in Venezuela und Bolivien in der Erwachsenenbildung gearbeitet hatte und jetzt Direktor der örtlichen Schule war. Dank der miserablen kubanischen Verdienste war Schuldirektor aber anscheinend nur sein Nebenberuf. Allein mit unserer Fahrt hatte er fast 10% seines monatlichen Lehrergehalts verdient. Es ist tatsächlich immer wieder spannend zu sehen, wie Kuba es geschafft hat, die übliche soziale Pyramide auf den Kopf zu stellen…

Playa Girón Downtown

Natürlich war die Casa, die wir eigentlich wollten, bereits ausgebucht. Das wussten wir dieses Mal immerhin vorher und die vom Vermieter organisierte Ersatzcasa „Las 3 Hermanas“, benannt nach den drei Töchtern des Hauses, war sehr angenehm. Wir hatten sogar einen Pool im Innenhof, der allerdings leer bzw. nur mit einem Planschbecken gefüllt war, in dem die jüngste der drei hermanas einen Großteil ihrer Tage verbrachte. Das Zimmer war nicht riesig, aber groß genug für uns zwei Kleine. Nur hat es sich im Laufe des Tages wegen offensichtlich fehlender Isolierung der Betondecke wie ein Glutofen erhitzt. Dank Klimaanlage und Ventilator war das allerdings in der Regel kein Problem und nachts war trotzdem an Schlaf zu denken. Wenn nicht gerade Stromausfall war, was tatsächlich öfter vorkam; meistens zum Glück aber nur ein paar Minuten. [Nachtrag: keine halbe Stunde nachdem wir diese Zeile geschrieben hatten, fiel der Strom erneut aus, dieses Mal allerdings für mehrere Stunden. Als wir endlich trotz Temperaturen von mehr als 40 Grad in einen leichten Schlaf – vielleicht war es auch nur hitzeinduzierte Bewusstlosigkeit – gefallen waren, wurden wir von einem Geräusch geweckt. Irgendjemand oder -etwas war offensichtlich in unserem Zimmer und machte sich an unserem Gepäck zu schaffen. Strom war natürlich immer noch keiner da, also war es stockduster. Jetzt wussten wir auch endlich wieso in der Casa eine Taschenlampe neben dem Bett lag. Mit ihrer Hilfe konnten wir den Gepäckdieb stellen: ein kleiner Krebs wollte unsere Kekse stehlen! Wir haben ihn sanft, aber bestimmt, nach draußen begleitet und kurz darauf war mit dem Strom auch die dringend benötigte Abkühlung da.] 

Rebecca ruht die Augen vor unserer Casa aus

Playa Girón ist ein winziger Ort mit nur knapp 2000 Einwohnern, der im Wesentlichen von seinem Hotel und seinem Strand lebt und eigentlich nur aus einer Straße besteht. Ab und zu fährt hier und da eine Pferdekutsche vorbei und ein- oder zweimal am Tag sogar ein Bus oder LKW. Die Mama der Casa war allerdings eines Abends der Meinung, dass die jüngste der hermanas wegen des vielen, vielen Verkehrs auf der Straße dort besser nicht Fahrrad fahren sollte und zog sich den Zorn der quengelnden Tochter zu. Der Strand erwies sich leider als ziemliche Enttäuschung. Na ja, der Strand, also die Liegewiese, war eigentlich noch ganz okay: schöner, weißer Sand, mit Palmen bestanden, palmenbedeckte Schirme spenden Schatten. Nur etwas zu viel Müll für Rebeccas Geschmack… Wer allerdings die Idee hatte, nur 100 Meter entfernt von diesem an sich tollen Strand im Meer einen Betonwellenbrecher zu bauen, sollte dazu verdonnert werden, diesen riesigen Schandfleck mit Hammer und Meißel per Hand abzutragen! Immerhin konnte man vom Strand aus erkennen wie schön türkisfarben das Meer auf der anderen Seite der Mauer war…

Ein Traumstrand…

…solange man sich nicht zum Meer umdreht
Dunkle Wolken tun sich in Nikos Vorstellungen eines perfekten Strandes auf

Und bevor wir diesem Örtchen Unrecht tun, wollen wir natürlich nicht vergessen die andere ¨große¨ Sehenswürdigkeit zu erwähnen. Playa Girón liegt nämlich am Eingang zur berühmten Schweinebucht und war Hauptschauplatz des Kampfes zwischen den Revolutionären und den Exilkubanern. In den Köpfen geht der Kampf auch heute noch weiter, z.B. möchte der Vater der Casa gerne auf amerikanische Touristen verzichten, die Mentalität sei einfach zu anders. Die Invasion der Schweinebucht wird nun in einem kleinen Museum im Ort dargestellt. Wir haben es allerdings bei einem Blick auf die zwei Panzer und das Kampfflugzeug davor belassen und die meiste Zeit entspannt am Strand oder in der Casa zugebracht.

Sieht aus wie Spielzeug, aber damit wurde damals wohl tatsächlich gekämpft

Das nächste Ziel unserer Rundreise sollte eigentlich das Viñales-Tal werden. Die einzige Möglichkeit von Playa Girón dort hin zu kommen, wäre allerdings eine Busfahrt nach Havanna, wo wir mitten in der Nacht ankommen würden und erst am nächsten Morgen weiterfahren könnten. Um das zu vermeiden und nochmal einen Strand ohne Mauer genießen zu können, schieben wir jetzt doch noch einmal einen Tag Varadero ein.

Bruchbuden direkt am Strand. Anscheinend einst zur Naherholung gedacht
Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s