​Varadero, die Zweite

Pünktlich um 10 Uhr morgens waren wir zum Einchecken am Busbahnhof in Playa Girón. Normalerweise werden die Plätze in den Viazul-Bussen, mit denen wir durchs Land kutschiert werden, durch ein Onlinereservierungssystem von den Viazul-Angestellten vergeben. In Playa Girón gibt es aber scheinbar kein Internet. Reservierungen funktionieren daher so, dass die Angestellte den Busfahrer anruft und nachfragt, wieviele Plätze er noch frei hat. Das erfährt sie natürlich erst am Abfahrtag, wodurch alle Reservierungen, die man vorher gemacht hat, im Wesentlichen wertlos sind. Falls man dann trotz Reservierung keinen Platz bekommt, organisiert sie stattdessen ein Sammeltaxi für die Hinterbliebenen. Da unser Bus wegen einer Reifenpanne knapp zwei Stunden Verspätung hatte, konnten wir ihr in dieser Zeit bei ihren Organisationsbemühungen zusehen, wie sie alle Reisende, die glaubten, ein sicheres Ticket zu haben, beruhigte und die Situation erklärte (O-Ton einer sichtlich aufgebrachten französischen Touristin: ¨Das ist doch nicht normal! Ich habe doch eine Reservierung!¨). Erstaunlicherweise konnte sie für fast jeden einen adäquaten Ersatz anbieten oder hatte eine Idee, wie man trotzdem noch sein gewünschtes Reiseziel erreicht.

Als der Bus dann endlich kam, leider immer noch mit einem halbplatten Reifen, fuhren wir zunächst am Ufer der Schweinebucht entlang. Einige Kilometer außerhalb von Playa Girón gab es eine ganze Reihe sehr idyllischer Badestellen, ganz ohne Mauer. Im Nachhinein hätten wir uns also doch besser einen fahrbaren Untersatz organisiert, aber im Laufe der Reise werden wir vermutlich noch genügend Traumstrände zu sehen bekommen.

Der Reifen hielt zum Glück und so kamen wir nach drei Stunden Fahrt erneut in Varadero an, wo wir von einem kräftigen tropischen Gewitter und einem weiteren Stromausfall begrüßt wurden. Aber mittlerweile sind wir sowas ja gewohnt und haben es gut weggesteckt. Wir wollten nicht noch einmal bei Bertha wohnen und haben daher eine andere Casa (Rosa`s B&B) organisiert, die nur die Hälfte kostete (weniger als zehn Euro pro Person inklusive Frühstück!). Wir waren eigentlich darauf vorbereitet, für diesen Kampfpreis eine komplette Bruchbude vorzufinden, aber tatsächlich handelte es sich um das luxuriösteste Zimmer, das wir bisher in Kuba hatten und es konnte locker mit den meisten Hotelzimmern mithalten. Es gab sogar täglichen Zimmerservice. Der einzige Nachteil hat sich nachts gezeigt: das Zimmer hat keine Fensterscheiben, sondern nur Holzlamellen. Sieht zwar sehr schön aus, bringt aber natürlich null Lärmschutz. Rebeccas sensible Öhrchen wurden nachts also auf eine harte Probe gestellt, insbesondere da das Zimmer nicht so weit von der Hauptverkehrsstraße Varaderos entfernt lag und Kubaner sowieso zu jeder Zeit genug Krach machen. [Nachtrag: am nächsten Morgen beim Frühstück kam mit der Rechnung die große Überraschung. Sie fiel nämlich mehr als doppelt so hoch aus wie erwartet! Als wir den Vermieter darauf angesprochen haben, hat er abgestritten, uns am Telefon überhaupt einen Preis genannt zu haben, geschweige denn einen so niedrigen. Dabei hatte Rebecca am Telefon extra zweimal nachgefragt, da sie den niedrigen Preis kaum glauben konnte. Da alles, wie in Kuba üblich, nur mündlich vereinbart war, blieb uns leider nichts anderes übrig als die Rechnung zu bezahlen und uns auf Länder mit schriftlichen Buchungsbestätigungen zu freuen…].

Jetzt wissen wir auch wieso sich der Vermieter einen Bentley leisten kann
Rebecca vor unserem schalldurchlässigen Holzlamellenfenster

Direkt nach der Ankunft in Varadero wollten wir unsere Weiterreise nach Viñales organisieren. Am Viazul-Schalter bekamen wir allerdings die Auskunft, dass alle Busse Richtung Havanna und Viñales für die nächsten drei Tage bereits ausgebucht wären. Viazul-Busse werden, da sie für Kubaner eh zu teuer sind, fast ausschließlich von Touristen benutzt. Offensichtlich reicht die Zahl der Busse aber nicht mehr aus, um den stetig steigenden Strom an Touristen durchs Land zu fahren, da wir auch schon von einigen anderen Leuten gehört hatten, dass sie Probleme hatten Tickets zu ergattern. Insbesondere Trinidad und Viñales sind sehr begehrt und daher schwer zu erreichen. Kein Problem für einen spitzfindigen Deutschen, den wir unterwegs getroffen haben. Da er auch kein Ticket bekommen konnte, hat er den Kubanerbus genommen, die Ladefläche eines LKWs, auf der er knapp acht Stunden lang durchgerüttelt wurde. Da unsere Abenteuerlust nicht ganz so weit reicht, begann Rebecca mit den Taxifahrern vor der Busstation zu verhandeln. Tatsächlich gelang es ihr für übermorgen ein Taxi nach Havanna zu einem vernünftigen Preis zu organisieren. Wir werden uns also einen entspannten Strandtag gönnen und dann von Havanna aus notfalls eine Tagestour nach Viñales buchen, falls sich sonst keine Option mehr ergibt.

Babewatch

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