​Im einzigartigen Tal

Wir haben nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen (mangels Verbindungen bzw. Sitzplätzen) uns auf eigene Faust nach Viñales durchzuschlagen, aufgegeben. Da Niko es aber unbedingt sehen wollte – Rebecca hatte es bereits vor zwei Jahren besucht – haben wir die einfachste verbliebene Option gezogen und einen Tagesausflug mit einem der großen kubanischen Reiseanbieter von Havanna aus dorthin gebucht. Da alle drei Anbieter staatlich sind, machen sie sich untereinander natürlich keine Konkurrenz. Praktisch wirkt sich das so aus, dass alle genau die gleiche Tour zum gleichen Preis anbieten. Im Katalog finden sich zwar tatsächlich noch spannend klingende Varianten der Standardtour, aber auf Nachfrage haben wir von allen Anbietern nur erfahren, dass die anderen Touren nicht stattfinden, angeblich mangels Nachfrage. An unserem letzten vollen Tag in Kuba wurden wir also morgens kurz vor 8 Uhr mit knapp 40 anderen Touristen in einen Bus geladen und ins Viñales-Tal gekarrt. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: natürlich war unser Bus nicht der einzige, der sich auf den Weg machte. Da ja alle genau die gleiche Tour im Angebot haben, macht sich jeden Morgen eine ganze Armada von Reisebussen auf den Weg ins Tal. Immerhin sprechen sich die Reiseführer kurz vorher ab, damit zumindest nicht alle gleichzeitig mit derselben Station beginnen. Im Tal angekommen war unsere erste Station die Cueva de los Indios, eine Tropfsteinhöhle, deren erste Hälfte man zu Fuß durchwandern kann. Dann mündet sie in einen unterirdischen Fluss, so dass die zweite Hälfte mit dem Boot zurückgelegt werden muss. Das ganze ist sehr beeindruckend, aber da es nur drei Boote gibt, die nicht nur mit dem unterirdischen Fluss, sondern auch mit dem Touristenstrom zurecht kommen müssen, besteht ein Großteil der Höhlenbesichtigung aus im Stau stehen und auf die Boote warten. Endlich auf der anderen Seite angekommen wurden wir erstmal in einer Finca abgefüttert. Auch hier hat sich unsere Beobachtung bestätigt, dass das Essen in Kuba ausschließlich in den Casas wirklich gut ist. Restaurants kann man getrost vergessen.

Vorm Stau war die Stimmung noch gut
Mit solchen Booten wird man durch die Höhle gefahren

Nächste Station war das Mural de la Prehistoria, über dessen künstlerischen Wert man vortrefflich streiten kann. Zumindest Fidel scheint es gefallen zu haben, sonst hätte er es wohl nicht genehmigt. Lichtblick unterhalb des Murals war die kleine Hütte in der angeblich die weltbeste Piña Colada verkauft wird. Das haben wir natürlich umgehend getestet und sie in der Tat für recht gut befunden. Ein tolles Feature war, dass der Barkeeper die ganze Flasche Rum neben das Glas stellt, damit man selbst dosieren kann, wie stark man sie will. Und schon sah das Mural gar nicht mehr so beschissen aus…

Rebecca und das „Kunstwerk“
Wer es nachmachen möchte: oben links steht das Rezept

Viñales ist neben seiner weltweit einzigarten Landschaft auch als das Hauptanbaugebiet für Tabak in Kuba bekannt. Die ganzen berühmten Zigarrenmarken, die man so kennt (oder kennen sollte) kommen von dort. Logisch, dass dann auch eine Besichtigung einer Tabakfarm nicht fehlen durfte. August ist nur leider genau die Zeit im Tabakjahr, wo es eigentlich rein gar nichts zu sehen gibt. Der Tabak ist nämlich bereits abgeerntet, getrocknet, fermentiert und verarbeitet. Die Tabakfelder sind momentan mit Mais und Bananen bepflanzt, um den Boden für die erneute Tabakpflanzung im Herbst vorzubereiten. Glücklicherweise hatten wir es aber nicht mit einem dummen Tabakbauern zu tun. Er wusste, dass auch im August Touristen kommen und die umso mehr Geld bei ihm lassen, wenn er ihnen trotzdem was bieten kann. Also hat er einfach ein paar Reste Tabakblätter in seiner Scheune hängen lassen und uns ziemlich eindrucksvoll gezeigt, wie man Zigarren rollt und gleichzeitig so richtig machomäßig aussehen kann. Natürlich hatten wir anschließend Gelegenheit seine Zigarren käuflich zu erwerben, aber da wir immer noch an unserem mitgebrachten Vorrat zehren, haben wir dankend abgelehnt.

Zum Glück dreht er Zigarren schneller als er sie rauchen kann

Nach einem kurzen Stopp am Aussichtspunkt, von dem man das ganze Tal überblicken konnte, ging es dann zurück nach Havanna. Insgesamt war das Tal sicherlich einen Besuch wert. Falls wir ihm einen weiteren Besuch abstatten sollten, würden wir aber nicht nochmal die Massenabfertigung über uns ergehen lassen. Lieber im Tal übernachten, wie wir es ursprünglich vorhatten und die Sehenswürdigkeiten morgens oder abends anschauen, solange die Busse noch nicht da bzw. wieder weg sind.

Und das war es dann auch schon mit unseren Erfahrungen in Kuba. Die drei Wochen sind wie im Flug vergangen. Es hat uns wirklich gut gefallen. Leider haben wir etwas weniger von der Insel gesehen als ursprünglich geplant, da wir den Osten komplett ausgelassen haben. Um die ganze Insel (stressfrei!) zu sehen bräuchte man aber mindestens nochmal drei Wochen Zeit. Wir merken außerdem, dass es langsam Zeit für ein neues Land wird.

Zum Schluss noch ein kurzer Blick aufs Reisebudget. Bevor wir uns auf den Weg gemacht haben, haben wir natürlich grob überschlagen, wieviel uns die Reise kosten wird, damit uns nicht irgendwann nach der Hälfte das Geld ausgeht. Dass Kuba kein billiges Reiseland ist, wussten wir vorher und haben deswegen für die 20 Tage hier recht konservativ mit 106 Euro pro Tag gerechnet. Tatsächlich haben wir aber nur knapp 70 Euro pro Tag verbraucht und somit einen komfortablen Puffer für den Rest der Reise angespart. Juchu!

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2 Gedanken zu „​Im einzigartigen Tal“

  1. Wenn ich euren Bericht zu Vinales lese, bin ich froh, im Oktober dort gewesen zu sein. Es waren überall weniger Touristen, ob in Varadero oder in Vinales, nirgendwo hatten wir so einen Andrang.

    Wie hat euch die Pina colada geschmeckt? Ich sehe auf dem Foto steht das Rezept auf der Tafel hinter Niko!!!! Ich wusste doch, dass da Milchpulver reinkommt, sonst hätte es nicht diese cremige Konsistenz!

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    1. Frische Ananas muss rein und dann schön lange schaumig mixen! Sie war gut, aber nicht die beste der Welt 😉 Das Foto mit dem Rezept haben wir übrigens für dich gemacht. Haste noch ein bisschen Zeit, um für unseren Begrüßungscocktail zu üben 😃

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