Kalt, kälter, Bogotá

Jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, wo sich unsere Reise strenggenommen zum ersten Mal von einem ¨normalen¨ Sommerurlaub unterscheidet, da wir nach drei Wochen Kuba nicht nach Hause, sondern weiter nach Kolumbien fliegen. Dazu mussten wir aber erstmal die Frau am Avianca-Schalter am Flughafen in Havanna davon überzeugen, dass sie uns überhaupt ins Flugzeug lässt. Was wir vorher nämlich nicht wussten (oder verdrängt haben): man braucht eigentlich zwingend ein Weiterreise- oder Rückflugticket, damit man überhaupt nach Kolumbien einreisen darf. Außer einer groben Idee mit dem Schiff nach Panama überzusetzen, hatten wir aber nichts, um die gute Frau davon zu überzeugen, dass wir wirklich nicht vorhaben illegal nach Kolumbien einzuwandern und reich zu werden. Nach Rücksprache mit ihrer Kollegin – der entscheidende Satz war wohl ¨das sind ja Deutsche¨ – hat sie uns dann aber doch noch die Bordkarten ausgehändigt.

Die Einreise in Kolumbien selbst ging dann total reibungslos über die Bühne. Dann haben wir allerdings einen entscheidenden Fehler begangen, den man in keinem Land der Welt machen sollte und schon gar nicht in Kolumbien: wir sind zu einem privaten Taxifahrer, der uns am Flughafen angequatscht hat, ins Auto gestiegen. Erst im Nachhinein haben wir von den Minientführungen gelesen, die in Kolumbien nicht unüblich sind und bei denen arglose Touristen wie wir zu einem Geldautomaten gefahren werden, wo sie zum Geldabheben gezwungen werden. Spätestens als der Fahrer einen Passanten bitten musste, sein Auto anzuschieben, weil es sonst nicht angesprungen wäre, hätten wir wohl misstrauisch werden sollen. Naja, als der Gedanke kam, war es zu spät, da wir da schon mit einem Affenzahn im Dunkeln durch die Stadt gerast sind. Anschnallgurte gab es natürlich nicht. Nach über einer halben Stunde konnten wir uns den Angstschweiß endlich von der Stirn wischen, da er uns tatsächlich an die gewünschte Adresse gefahren hatte. Wir hatten am Flughafen einen Preis von 25000 COP (etwa 7,80 Euro) mit ihm verhandelt. Niko gab ihm 30000 und wartete auf sein Wechselgeld. Allerdings wollte der kleine Betrüger dann plötzlich 50000. Als wir ihm nicht mehr gegeben haben, hat er sich die 30000 eingesteckt und ist empört davon gefahren. Empört war er wohl hauptsächlich deswegen, weil er nicht damit gerechnet hatte, dass wir kleine Scheine haben und er mit dem Trick normalerweise mindestens 50000 abstaubt. So hat er uns gerade mal um etwas über 1,50 Euro betrogen. Ein paar Tage später haben wir Spanier kennengelernt, die für die gleiche Fahrt in einem regulären Taxi sogar 60000 bezahlt haben. Letztlich war es also sogar trotz Betrug ein Schnäppchen. Trotzdem haben wir uns nach dieser Erfahrung fest vorgenommen, die Sicherheitsregeln im Reiseführer in Zukunft zu befolgen. Diesen Vorsatz haben wir immerhin fast 16 Stunden lang durchgehalten, doch dazu später mehr.

Dass Beträge in kolumbianischen Pesos durch den Wechselkurs von 1 EUR=3200 COP relativ große Zahlen sind, hat anfangs insbesondere Rebecca etwas verwirrt. Zum Beispiel hat sie Niko einmal angemotzt, dass er ja wohl abends nicht ernsthaft mit 20000 COP aus dem Haus gehen will! In Bogotá wird doch so viel geklaut! Irgendwann hat aber auch sie eingesehen, dass knapp 6,50 EUR kein allzu großes Loch in unsere Reisekasse reißen, selbst wenn sie uns geklaut werden…

Bogotá liegt auf 2600 m, also fast so hoch wie die Zugspitze. Daher ist es, obwohl wir deutlich südlicher sind, knapp 20 Grad kälter als in Kuba. Wir haben im Herzen von La Candelaria, der Altstadt, im Hostel Casa Bellavista gewohnt, in einem sehr schönen Galeriezimmer auf zwei Ebenen. In La Candelaria sind wir gelandet, weil wir eine Freundin, die in Bogotá studiert hat, nach guten und sicheren Vierteln zum Wohnen gefragt haben. Da wir hier niemanden bloßstellen wollen, soll sie im Weiteren namenlos bleiben :-). Zwei Tage nachdem wir das Hostel gebucht hatten, kam nämlich von ihr die Nachricht, dass sie die Viertel verwechselt hat und uns eigentlich ein ganz anderes empfehlen wollte, da La Candelaria abends nicht wirklich sicher ist. Dazu muss man aber sagen, dass die Stadt echt einiges unternimmt, um ihren schlechten Ruf zu verbessern. An fast jeder Straßenecke steht ein Polizist mit dickem Wachhund, so dass man sich tatsächlich gar nicht unsicher fühlt. Nur nachts sollte man nicht ziellos umherwandern und besser ein Taxi nehmen.

In diesem schönen bunten Häuschen haben wir gewohnt
Einen Herbergshund gab es auch

Leider waren die Fenster in unserem Zimmer undicht und es gab auch wie in ganz Bogotá üblich keine Heizung, so dass es drinnen genauso kalt war wie draußen. Die Bettdecken waren auch nicht wirklich dick, so dass Rebecca während der ersten Nacht trotz T-Shirt, Weste, Jacke und Wolldecken fror. Niko fand es hingegen gemütlich warm, was ihre Laune nicht gebessert hat. (Anmerkung der Redaktion Rebecca: Ihre Laune war nicht auf dem Höhepunkt, da er ihr Leiden nicht ernst nahm und sie als Prinzessin auf der Erbse bezeichnete.)  Zuguterletzt ging unser Fenster auch noch zur sehr belebten Straße, einer der beliebtesten Studentenpartytreffs der Stadt, so dass wir mal wieder mitten im Leben wohnten, entsprechender Lärmpegel inklusive.

Rebecca in unserem Wohnzimmer bei dem Versuch, nicht zu erfrieren
Der Platz vor unserem Hostel füllte sich im Laufe des Tages mit immer mehr feiernden Menschen
Die Trichtergasse, in der wir wohnten
In der ganzen Straße gab es fantastische Graffiti

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