​Wolle Droge kaufe?

Medellín, Heimatstadt des Drogenbarons Pablo Escobar. Über 20 Jahre nach seinem Tod gibt es geführte Touren durch die Comuna 13, dem Armenviertel, in dem Escobar und sein Kartell regierten. Leider gab es keine Touren als wir da waren, da Feiertag war. Über ein ähnliches Viertel sind wir aber mit der Seilbahn gefahren, denn jeder Hang wird in Medellín als Wohnraum der ärmeren Bevölkerung ausgenutzt. Immer höher und höher wurden und werden diese nicht verputzten Häuser in die steilen Berghänge gebaut. Als Tourist sollte man sich in solch ein Viertel besser nicht zu tief hinein wagen, so haben wir es beim Überfliegen mit der Seilbahn auf dem Weg in den Parque Arví belassen. Immerhin wurden die Armenviertel durch die Seilbahn oder Rolltreppen vor Jahren mit dem Zentrum Medellíns verbunden. Unvorstellbar, wie lange ein Bewohner sonst bis nach unten brauchen würde. Interessant ist trotzdem von oben anzugucken, wie die Bewohner fleißig an ihren Häusern werkeln, kleine Gärten anlegen oder auf ihren teils mit Graffitti besprühten Dächern Wäsche trocknen oder Botschaften übermitteln.

So wohnen die ärmeren Leute in Medellín
Erst ging es mit der Seilbahn zur spanischen Bibliothek (schwarzer Block) und dann weiter über den Berg in den Parque Arví
Kunst auf Dach
Steile, lebhafte Straße

Der Parque Arví liegt auf 2.400 m Höhe und ist eigentlich ein Wald, in dem man wandern kann und keine Angst haben muss, dass für das leibliche Wohl nicht gesorgt ist. Dutzende Essstände und kleine Restaurants bieten frische Arepas, Maiskolben, Fleischspieße, Obst und eine extrem klebrige Süßigkeit an. Diese wird den ganzen Tag von fleißigen Kolumbianerhänden gut durchgeknetet, in einen Becher gestrichen und findet sich danach in Gesichtern, Bärten und auf Oberteilen wieder. 

Da freuen sich die Zahnärzte

Leider gibt es im Park keine Beschilderungen und die Wanderkarten, die ausgegeben werden, sind äußerst bescheiden. So kann man nur hoffen, dass man sich in diesem riesigen Areal nicht verläuft. Wir haben trotzdem ein paar Wanderwege ausprobiert, die aber alle im Nirgendwo endeten. Am Spektakulärsten ist sowieso die Aussicht beim Hoch- und Runterfahren auf Medellín. 

Parque Arví von oben
Es führt ein Weg nach Nirgendwo
Wir waren trotzdem frohen Mutes, nochmal rauszufinden

Vielleicht lag es daran, dass wir keine Führung hatten und niemand uns aufregende Geschichten über die ehemalige Gangsterstadt erzählt hat, aber so richtig sind wir trotz der Temperaturen mit Medellín nicht warm geworden. In der Stadt haben wir ein paar Sehenswürdigkeiten abgeklappert und das schöne Wetter genossen (perfekt: tagsüber bis 30 Grad und nachts unter 20). Medellín hat sich aus gutem Grund den Beinamen ¨Stadt des ewigen Frühlings¨ gegeben. 

In Boteros Heimatstadt dürfen seine Figuren natürlich nicht fehlen. Rechts daneben: Echte Botero Frauen
Im Hintergrund sieht man El Poblado, wo wir gewohnt haben

Dieses Mal haben wir unsere Bleibe über Airbnb gefunden und bei Andrés, einem Industriedesigner, oberhalb von El Poblado, dem reichen Ausgehviertel Medellíns, gewohnt. Allerdings mussten wir erstmal einen Taxifahrer auftreiben, der überhaupt die Adresse kannte. Nach mehreren Fehlversuchen haben sich einige Fahrer beratschlagt und am Ende hat sich einer bereit erklärt, uns einsteigen zu lassen, da er ¨so ungefähr¨ wisse, wo die Wohnung liegt. Im Nachhinein sind wir uns ziemlich sicher, dass wir es mit dem schlechtesten Taxifahrer Kolumbiens zu tun hatten. Laut Andrés sollte die Fahrt etwa 5 Minuten dauern. Wir waren nach 45 Minuten immer noch auf Irrfahrt durch die Stadt und das obwohl wir Andrés mittlerweile per Telefon hinzugeschaltet hatten, damit er dem Fahrer den Weg erklärt. Wir haben nicht gezählt, wie oft er sich verfahren hat. Einmal, gegen Ende der Fahrt, ist er mal wieder eine Abfahrt zu spät abgefahren. Da er langsam scheinbar auch keine Lust mehr hatte, hat er sich für die schnelle, aber nervenaufreibende Art entschieden, den Fehler wieder gut zu machen: er ist einfach einen Kilometer rückwärts gefahren. Auf einer Schnellstraße. Gegen die Fahrtrichtung. Uns blieb nur bange nach hinten zu schauen und zu hoffen, dass uns niemand rammt. Dazu muss man sagen, dass die Kolumbianer keine besonders guten Autofahrer sind. Wir haben schon sehr viele Unfälle gesehen, gerade im Vergleich zu Kuba, aber da gibt es ja auch meistens nur eine handvoll Autos auf der Straße. Letztlich sind wir aber doch noch heil bei Andrés angekommen. Wir mussten als Ausgleich immerhin nicht den vollen Fahrpreis zahlen, da der Fahrer selbst eingesehen hat, dass das keine seiner Glanzstunden gewesen war. Das Gute zum Ausgleich war, dass Andrés seine Wohnung besonders einfallsreich möbliert hatte und er einen schwulen Kater hatte, der auf Niko stand und ihn mit Küsschen begrüßte. Weiterer Pluspunkt: Andrés war selten zuhause. Dafür kamen am ersten Tag seine Freunde vorbei, die den Gemeinschaftspool und die Sauna der Wohnanlage benutzt hatten und danach in der Wohnung auf Andrés warten wollten. Gleich eine Musiquita an- und jede Menge Bier, Gras, Sushi und wer weiß, was sonst noch eingeworfen. Schon um unseren Schönheitsschlaf bangend, sind wir erst einmal In El Poblado essen gegangen. Heute (13. August) war nämlich ein besonderer Tag für uns. Zum einen wurde Fidel heute 90 und zum anderen haben wir uns genau heute vor zwei Jahren kennengelernt. Als wir damals gemütlich in Düsseldorf auf der Rheintreppe saßen, hätten wir nie im Leben erwartet, dass wir unseren zweiten Jahrestag in Medellín feiern würden.

Der schwule Kater. Er ging sogar immer mit Niko aufs Klo (ohne Bild).

Eigenlich hatten wir bei Andrés Freunden doch schon genug Gras geschnüffelt, doch ins Taxi hinein rufend pries ein findiger Dealer seine Waren an: ¨Marihuana, Cocaina, bei mir gibt’s alles, was ihr zum Glücklichwerden braucht!¨ Was ein Glück, dass die Partycrowd sich verzogen hatte, als wir zurückkamen, denn der Gastgeber war nie aufgetaucht. Netterweise haben sie ihm ein paar Dankesworte auf seinem beschreibbaren Tisch und einen Mülleimer voll mit leeren Bierdosen hinterlassen. Zwischendurch ist der Kater mal durch das offene Fenster geflüchtet, aber sie hatten die Situation trotz bewusstseinsverändernder Substanzen im Griff und haben ihn wieder eingefangen. 

Andrés war ein netter Gastgeber, der am nächsten Abend wieder zuhause war und sich einen Freund eingeladen hatte, einen Musikproduzenten mit Okulele, Gras gab’s auch. Ob da sonst noch was im Spiel war, wissen wir nicht. Niko will ein ständiges Nasehochziehen bei Andrés beobachtet haben, aber das sind bestimmt die Gerüchte, die über Kolumbien herrschen, die ihn da beeinflusst haben…

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