​Cartagena de Indias

Cartagena, die kleine, hübschere Schwester von Havanna, hatten wir uns als nächste Station ausgesucht. Leider hatten wir den Flug so gelegt, dass wir genau in dem Moment einsteigen mussten, als das Elfmeterschießen zwischen Deutschland und Brasilien um die olympische Goldmedaille begann. Angesichts des Ergebnisses und da alle Kolumbianer um uns herum Brasilien die Daumen gedrückt haben, war das aber auch vielleicht besser so.

Da wir nun genau einen Monat unterwegs sind, wollten wir uns mal was gönnen und haben zum ersten Mal auf unserer Reise ein Hotel gebucht. Bisher haben wir ausschließlich in Privatunterkünften und Hostels übernachtet. Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, dass wir hier im Luxus schwelgen: unser Hotel wurde irgendwann in den 1960er Jahren gebaut und seitdem scheinbar im Originalzustand belassen, vielleicht bis auf ein oder zwei Neuanstriche in der Zwischenzeit. Die Einrichtung kann also getrost als rustikal bezeichnet werden. Immer wenn wir den Deckenventilator anschalteten, rechneten wir eigentlich damit, dass er jeden Moment runterfallen muss, so wie er eierte und wackelte. Ohne geht leider nicht, da Cartagena sehr heiß und schwül ist. Karibik eben. Vorm Hotel ist scheinbar der städtische Säufertreff. Überall sitzen Männer mit 5-20 leeren Bierflaschen vor sich. Wenn sie dann irgendwann genug getrunken haben, legen sie sich unter einen Baum oder einfach so auf den Boden und schlafen ihren Rausch aus. Scheint hier keinen weiter zu stören, also machten wir uns auch nichts daraus.

Der weiße Kasten mit dem Graffiti war unser Hotel

Apropos einen Monat unterwegs. Wir wurden in letzter Zeit immer mal wieder gefragt wie es uns so geht und ob wir die Idee mit der Weltreise immer noch gut finden. Um es frei nach Edith Piaf zu sagen: wir bereuen nichts! Momentan legen wir allerdings ein relativ hohes Tempo vor, da wir etwa alle drei bis vier Tage umziehen. Das wird so vermutlich nicht die restlichen acht Monate bleiben können, da es doch ein wenig anstrengt. Überhaupt haben wir gefühlt weniger ¨Freizeit¨ als zuhause, da wir meistens von morgens bis abends unterwegs sind. Die Abende verbringen wir mit der Planung der nächsten Stationen, Hotel- und Flugbuchungen und natürlich dem Schreiben dieses Blogs. Da tun gelegentliche Entspannungspausen wie in Salento echt gut. Wir denken auch schon darüber nach in Panama zur Abwechslung mal wieder zu arbeiten.

Nun aber zurück zu Cartagena. Wie oben schon beschrieben, erinnert die Altstadt uns an Havanna. Nur dass sie natürlich viel kleiner, dafür aber sehr gut erhalten und komplett restauriert ist. Fast alle Häuser in der inneren Altstadt haben wunderschöne, mit Bougainvilleen und anderen Pflanzen bewachsene Holzbalkone.

So schön waren viele Balkone bewachsen

Ab und zu fährt eine Pferdekutsche vorbei, so dass man sich mit etwas Fantasie tatsächlich wie im 17. Jahrhundert fühlt. Das ganze ist allerdings kein Geheimtipp, so dass die Stadt insgesamt sehr touristisch ist. Das hat immerhin den angenehmen Nebenefffekt, dass Cartagena die sicherste Großstadt Kolumbiens ist, da der Staat tunlichst darauf achtet, dass Touristen nichts passiert, um das zarte Pflänzchen Tourismus im Land nicht gleich wieder absterben zu lassen. Hier kann man auch nachts bedenkenlos durch die Altstadt wandern und die angenehme Atmosphäre genießen, ohne sich Sorgen machen zu müssen. In Bogotá wäre das undenkbar. Wobei wir auch zur Abwechslung einen Ausflug in die südliche Altstadt gemacht haben. Dort wird die Umgebung gleich erkennbar ärmer und weniger gut erhalten. Allerdings immer noch kein Vergleich zum verfallenen Havanna. Auf jeden Fall würden wir in dem Gebiet abends nicht alleine rumlaufen wollen. 

Die Altstadt ist sehr bunt

Die historische Stadtmauer, die die Spanier gebaut hatten, nachdem Sir Francis Drake die Stadt erfolgreich überfallen hatte, ist noch sehr gut erhalten und man kann wunderbar auf ihr spazieren gehen. Dies ist allerdings nur abends empfehlenswert, da es tagsüber keinen Schatten gibt und man sich schon nach wenigen hundert Metern wie ein Ei in der Bratpfanne fühlt. Überhaupt zeigt Cartagena gerade abends sein nettestes Gesicht. Tagsüber ist es einfach zu heiß. Man kann sich zwar in den Parks und auf den Plazas im Schatten ganz gut erholen, aber irgendwann lechzt man dann doch nur noch nach Klimaanlage. Abends weht dann aber eine kühle, erfrischende Brise vom Meer her. Diese wird von den Cartagenos dankbar zur Abkühlung und zum Drachensteigen benutzt. Entlang der gesamten Stadtmauer stehen Leute jeglichen Alters und lassen ihre Drachen steigen. Insbesondere am Wochenende fliegen hunderte Drachen über der Stadt.

Drachen steigen lassen ist Volkssport in Cartagena
Selbst die Kleinsten machen schon mit

In der Altstadt gibt es sehr viele kleine, sehr schön restaurierte Boutiquehotels. Leider liegen sie alle weit jenseits unseres Tagesbudgets. Uns blieben daher nur ein paar Blicke in die grün bewachsenenen Innenhöfe, in denen die Reichen und Schönen im Pool planschten oder im Schatten ihren kolumbianischen Kaffee genossen. Falls wir irgendwann mal wieder hierher kommen sollten und nicht noch acht Monate Weltreise finanzieren müssen, werden wir auf jeden Fall eines davon ausprobieren!

Einer der schönen Innenhöfe, in den auch Normalsterbliche wie wir durften

Auch wenn wir insgesamt nur drei Tage in Cartagena waren, hat die Zeit ausgereicht, um uns zwei Stammlokale zuzulegen. Eigentlich schreiben wir im Blog ja nur selten über Essen, aber La Mulata und Crepes y Waffles sind eine Erwähnung wert. Im ersteren waren wir einmal Abendessen und dann, weil es so lecker war, nochmal fürs Mittagsmenü. Der auf karibische Art zubereitete Fisch war jedes Mal fantastisch. Beim zweiten Besuch hatte Rebecca Mitleid mit den armen Fischchen und hat sich für champiñones al ajillo entschieden, die ebenfalls absolut empfehlenswert sind. Dabei hat sie nur nicht an den armen Niko gedacht, der danach zwei Tage lang Knoblauchgeruch ertragen musste. Crepes y Waffles ist eine Kette, die wir bereits in anderen Städten in Kolumbien gesehen hatten und die uns unabhängig von Gabriela, der Stadtführerin in Bogotá, und Johanna, der ehemaligen Mitbewohnerin von Niko, empfohlen wurde. In Cartagena kamen wir zum ersten Mal dazu sie auszuprobieren. Wie der Name sagt, dreht sich alles um Crepes und Waffeln, wobei wir zugeben müssen, dass wir die Waffeln nie probiert haben, weil die Crepes einfach zu köstlich waren. Wir kennen keinen vergleichbaren Laden in Deutschland. Falls es den bis zum nächsten Jahr nicht geben sollte, machen wir vielleicht einen auf 🙂

Alleine bei dem Anblick bekommen wir schon wieder Hunger
Niko im La Mulata

Und weil wir noch so viele andere schöne Fotos aus Cartagena haben, hier noch eine kleine Auswahl:

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