Rumms ins Paradies

Wir hatten ja schon an anderer Stelle bemerkt, dass die Kolumbianer katastrophale Autofahrer sind. Nun sind wir leider selbst Opfer dieser Tatsache geworden. Auf der Busfahrt von Cartagena nach Santa Marta wurde unser Bus kurz hinter Barranquilla in einen Unfall mit mehreren Fahrzeugen verwickelt. Zum Glück ist uns und den anderen Fahrgästen nichts schlimmes passiert. Zwei Frauen auf der Rückbank sind beim Aufprall zwar mit den Köpfen zusammengestoßen, aber nach kurzer Untersuchung durch einen Sanitäter wurden beide für gesund befunden. Letzlich hat uns das ganze also nur einen Schrecken eingejagt und uns zwei Stunden Verspätung eingebrockt, da wir auf einen Ersatzbus warten mussten.

Unser Bus nach dem Unfall
Der weiße querstehende LKW war wohl Schuld; die anderen Autos hat es auch erwischt

Santa Marta selbst ist… naja, was soll man über eine Stadt sagen, über die selbst der Reiseführer schreibt ¨Wer hier seinen gesamten Urlaub verbringen möchte, wird schnell enttäuscht sein¨. Die Stadt hat eine kurze und ganz nette Strandpromenade, wenn man den recht intensiven Uringeruch und den Ausblick auf den Frachthafen ignorieren kann. Sie liegt sehr geschützt in einer Bucht. Dadurch fehlt leider auch die frische Brise, die uns in Cartagena abends immer so schön abgekühlt hat. Um den Parque de los Novios gibt es eine ganze Reihe brauchbarer Restaurants, die wir gerne genutzt haben.

Die Strandpromenade…
…mit Hafenanschluss
Die Ausgehstraße Santa Martas war abends ganz nett
Nicht nur vor der Kathedrale war viel los, auch drinnen waren an einem normalen Wochentag um die Mittagszeit mehr Gläubige als bei uns zur Sonntagsmesse
„Restaurant Jesus‘ Segen“. Laut Chris aus unserem nächsten Artikel gibt es in Kolumbien – anders als in Europa – noch zu viele Sünder. So kann man gleich beim Essen seine schlechten Taten wieder gut machen 🙂

Aber der Hauptgrund Santa Marta überhaupt einen Besuch abzustatten ist natürlich nicht die Stadt selbst, sondern das, was drumherum liegt: die Sierra Nevada de Santa Marta, das höchste Küstengebirge der Welt. Direkt am Strand beginnen die ersten Ausläufer, die sich dann etwas weiter im Landesinnern bis auf 5700 Meter erheben. Im nördlichen Teil, direkt an der Küste, befindet sich der Tayrona Nationalpark, einer der bekanntesten und meistbesuchten Nationalparks Kolumbiens. Sein Eingang liegt nur knapp 30 Kilometer von Santa Marta entfernt und bietet sich daher perfekt für einen Tagesausflug an. Wir haben eine organisierte Tour gebucht, die uns bis in den Park gebracht hat. Es ist auch nicht schwer, ihn auf eigene Faust zu erreichen, aber wir haben viele schlechte Dinge über die Parkwächter gehört, die einen beim Eingang auf Drogen, Alkohol und ähnliches filzen und wohl ziemlich lange Finger haben, wenn sie den Rucksack durchsuchen. Das haben wir uns mit der Tour erspart. Im Park selbst gibt es nur eine asphaltierte Straße, die knapp 4 km hineinführt. Ab dann geht alles nur noch zu Fuß oder zu Pferd.

Anfangs war es noch recht voll
Doch das wurde bald besser

Es gibt eine ganze Reihe von traumhaften Stränden, nur leider ist an den meisten das Schwimmen wegen gefährlichen Meeresströmungen verboten. Es ertrinken wohl regelmäßig Leute, die sich nicht ans Verbot halten. Glücklicherweise gibt es aber auch einige Strände, an denen Baden gefahrlos möglich ist. Der Strand, zu dem wir wollten, lag knapp zwei Stunden Fußweg vom Eingang entfernt. Also machten wir uns bei knapp über 30 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit auf den Weg über Stock und Stein. Von den Höhenmetern her mussten wir deutlich weniger absolvieren als in Salento, aber wir waren trotzdem nach kürzester Zeit schon klatschnass. In dem Klima ist wandern echt anstrengend. Wir hatten 3 Liter Wasser pro Person dabei und die waren am Ende auch tatsächlich leer. Wobei wir sie uns auch einfach hätten über den Kopf schütten können. Das Endergebnis wäre das gleiche gewesen.

Rebecca, erschöpft aber glücklich

So haben wir uns die Reise vorgestellt

Wir sind insgesamt an drei Badestränden vorbeigekommen. Der letzte (Cabo San Juan) war der schönste, aber leider auch der vollste. Daher haben wir entschieden nochmal eine halbe Stunde zurück zu dem anderen (La Piscina) zu wandern, wo wir uns dann mit Inbrunst zur Abkühlung in die Fluten gestürzt haben.

Cabo San Juan war schön, aber zu voll für unseren Geschmack. Besonders die Restaurantschlange hat Niko abgeschreckt
La Piscina hatten wir hingegen (fast) für uns allein

Nach etwa zwei Stunden Baden und Faulenzen war es dann auch schon wieder Zeit sich auf den Rückweg zum Bus zu machen. Dazu mussten wir den gleichen anstrengenden Weg wieder zurück. Irgendwann unterwegs sind wir Natalie, einer ehemaligen Arbeitskollegin von Niko aus Max-Planck-Institutszeiten, in die Arme gelaufen. Sie reist momentan durch Kolumbien, bevor sie im Oktober ihre neue Arbeit beginnt. Endlich mit letzter Kraft am Bus angekommen, wartete dort schon ein deutsches Mädchen mit dem wir vorher am Strand gesprochen hatten und das noch ein wenig länger baden wollte als wir. Wie sich herausgestellt hat, ist sie versehentlich falsch abgebogen und hat den Pferde- statt den Fußpfad benutzt. Auf die Art war sie zehn Minuten vor uns da, obwohl sie zwanzig Minuten später los ist. Somit war klar, dass der ganze anstrengende Weg mit den vielen Stufen nur zur Touristenbelustigung gebaut wurde und wir sehr viel schneller an unserem Strand hätten sein können. Aber in unserem Fall war ja der Weg das Ziel, also haben wir es sportlich genommen.
Allerdings hat Rebecca jetzt erstmal genug vom Wandern in tropischer Hitze. Wir haben die ganze Zeit noch damit geliebäugelt zur Ciudad Perdida (¨verlorene Stadt¨) zu wandern, einer indianischen Ruinenstadt. Sie ist nur zu Fuß nach einer vier- bis fünftägigen Wanderung durch den Dschungel zu erreichen. Da das nun flachfällt, werden wir uns wohl zur Erholung von der Hitze ein wenig in die Sierra Nevada zurückziehen.

Und zum Schluss wie immer noch ein paar Fotos:

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