​Wir ham ´ne Finca in Minca

Minca heißt das kleine Örtchen in der Sierra Nevada, in das wir uns zurückziehen wollten. Es liegt nur knapp 45 Autominuten von Santa Marta entfernt, aber etwa 600 Meter höher. Dadurch sind die Temperaturen sehr viel besser erträglich als in der stickigen Stadt. Den Weg dorthin haben wir mit einem Collectivo zurückgelegt. Das sind Sammeltaxis, die losfahren, sobald genug Fahrgäste zusammen sind und das Auto voll ist. ¨Voll¨ heißt dabei allerdings voller als in Deutschland. In unseren Jeep wurden insgesamt neun Personen gequetscht. Immerhin ist man dadurch auf der sehr kurvigen Strecke auch ohne Gurt nicht ins Rutschen gekommen.

In Minca angekommen hat uns ein kräftiger tropischer Regenschauer willkommen geheißen. Das Dorf liegt mitten im Regenwald und der heißt eben nicht umsonst so. Wir hatten uns dieses Mal für komplette Abgeschiedenheit entschieden und ein Zimmer in einer Finca, eine halbe Stunde Mauleselritt von Minca entfernt, gemietet. Wegen des starken Regens konnte das Mauleseltaxi leider erstmal nicht runter ins Dorf kommen. Wir haben die Zwangspause in einem Café mit Kaffee und Kokatee verbracht und dem Regen zugeschaut.

Regen, Regen, Regen: im Hintergrund das Café, in dem wir gewartet haben
Dort hatten wir immerhin tierische Gesellschaft

Nach etwa zwei Stunden Geprassel wurde es langsam besser und unsere Maulesel sind angekommen. Die Finca gehört Chris, einem sehr netten und gesprächigen Schweizer, der mit dem Jeep ins Dorf kam, um unser Gepäck mitzunehmen, da wir das den armen Mauleseln nicht auch noch zumuten wollten. Der halbstündige Ritt zur Finca war ziemlich wacklig, so dass es leider nur ein paar Handyschnappschüsse gibt. Die Maulesel kannten den Weg, so dass wir eigentlich gar nichts machen mussten, außer die Zeit zu genießen. Das gelang Niko etwas besser als Rebecca, die sich eigentlich nur darauf freuen konnte, endlich wieder von dem Ding runterzukommen. Insbesondere im letzten Teil der Strecke, als die Tierchen ständig nach links und rechts vom Weg abgekommen sind, weil es da so leckere Pflanzen zum Fressen gab, wurden ihre Nerven gefordert und sie musste aufpassen, dass sie nicht ins Gebüsch oder den Abhang hinunter geworfen wurde. Dafür wurden wir aber mit sehr schönen Ausblicken auf Santa Marta belohnt, bevor wir gut und wohlbehalten auf der Finca angekommen sind.

Da war Rebecca noch guten Mutes
Ob der Rechtsdrall Absicht war?
Bei jeder Futterpause brach Panik aus

Die Finca selbst ist nicht besonders groß. Außer uns gab es nur noch einen weiteren Gast: Holger aus Hamburg, ein Freund und Arbeitskollege von Chris. Ein Pärchen aus Leipzig, das die letzten zwei Tage unser Zimmer hatte, war kurz vor der Abreise. Ihren Aufenthalt auf der Finca haben sie als so traumhaft empfunden, dass sie nur kurz nach Santa Marta und Tayrona wollten. Danach kommen sie zurück und freuen sich darauf, dass sie sich in unserem Zimmer wieder breit machen können. Die Finca liegt mitten im Dschungel, wir haben einen wunderbaren Ausblick auf die umliegenden Hügel, Papageienschwärme fliegen vorbei und wir können uns an den schönen Sonnenuntergängen gar nicht satt sehen.

Die Finca von unten
Fast bis ganz nach oben konnte man gehen
Blumen aus dem Garten
Einer der Sonnenuntergänge

Durch die Lage haben wir natürlich auch einiges an Mitbewohnern in unserem Zimmer: mehrere große Spinnen, Heuschrecken, Libellen, Falter und ein paar Käfer. Dank Moskitonetz überm Bett können wir trotzdem recht entspannt schlafen. Moskitos gibt es glücklicherweise nur wenige, wobei sich einige Stiche nicht vermeiden ließen. Die ganze Umgebung von Santa Marta ist Zika-Virus-Gebiet, also ist in nächster Zeit kein Nachwuchs angesagt. War aber eh nicht geplant. [Nachtrag: Gute Nachrichten! Die meisten vermeintlichen Moskitostiche haben sich als Flohbisse erwiesen. Die Flöhe haben wir uns wohl bei den Hunden geholt. Juckt zwar höllisch, aber immerhin übertragen sie kein Zika. Mittlerweile sind wir die Biester zum Glück wieder los.] Falls sich aus Versehen mal eine Schlange ins Zimmer verirren sollte, hat man vorsorglich eine Machete direkt neben die Tür gehängt. Eine der häufigsten Schlangenarten in der Gegend heißt Pferdetöter. Zumindest weiß man bei dem Namen woran man ist.

Unser Zimmer
Unsere Mitbewohner

Dr. Niko bei der Arbeit. Für das Ziehen dutzender Zecken haben sich die Hunde dadurch bedankt, dass sie uns mit Flöhen verseucht haben

Chris hat das Grundstück vor vier Jahren gekauft und das gesamte Anwesen von Grund auf neu gebaut. Neben dem neuen Haupthaus wird auf dem Grundstück nun Kaffee, Kakao, Bananen, Mangos, Papayas, Avokado, Yuca und Malanga angebaut. Der Kaffee und Kakao wird in einem kleinen Laden im Ort vermarktet, der Rest ist im Wesentlichen für den Eigenbedarf. Leider ist noch nicht alles verwirklicht, was Chris sich vorstellt. Das Schwimmbad ist beispielsweise gerade fertig geworden, aber es ist noch kein Wasser drin. Dafür bietet es bereits heute einen spektakulären Ausblick auf die Berge.

Von dem Pool aus wird man mal ’ne tolle Sicht haben

Außerdem will Chris weiter oben auf dem Grundstück einen Aussichtspunkt mit Zelten einrichten, in denen man dann auch übernachten kann. Da er selbst nur etwa viermal im Jahr vor Ort ist, dauert eben alles etwas länger. Trotzdem ist es beachtlich, was er schon alles erreicht hat, insbesondere weil fast alles mit Material vom Grundstück selbst hergestellt wird: das Holz fürs Haupthaus kam aus einem einzigen riesigen Baum namens Caracoli von der Plantage und Sand wird aus einem Filtersystem im nahen Gebirgsbach gewonnen.
Auf die Frage wie er auf die Idee kam, sich eine Finca in Minca zuzulegen, holte er etwas weiter aus und erzählte uns seine Familiengeschichte. Sein Großvater ist bereits in den 1920er Jahren nach Kolumbien ausgewandert. Auch die nachfolgenden Generationen waren alle Weltenbummler. Er selbst wurde in Venezuela geboren und lebte dort über zwölf Jahre lang. Mittlerweile wohnt er in Basel, vermarktet als ausgebildeter Chemiker Pumpen und Farben und baut nebenbei an seinem Paradies in Kolumbien.

Chris (rechts) und Holger bei der Schwimmbadbegehung

Zum Frühstück gab es selbstgebackene Maisbrötchen (hat ähnlich wie Griesbrei geschmeckt) mit geriebenem Käse, Kakao mit Zimt und Gewürzen und Kaffee, natürlich alles auf der Finca geerntet. Kakao wird hier nicht wie in Deutschland in Pulverform, sondern in brötchenartigen Klumpen oder auch größeren Stangen verkauft. Juan, der Verwalter, erzählte uns, dass manche die Klumpen auch einfach so essen, aber er es nicht empfehlen würde, weil sie zu stark für den Magen sind. Genau wie der Kaffee schmeckt auch der Kakao deutlich anders, als wir es in Deutschland gewohnt sind.

Wir haben relativ schnell entschieden, das Bisschen an Sightseeing, was man in und um Minca machen kann, sausen zu lassen. Die einzige wirkliche ¨Sehenswürdigkeit¨ – natürlich vom Dschungel und den vielen Vögeln abgesehen – ist ein Wasserfall, von dem man zehn Meter tief in ein Badeloch springen kann. Das hätten wir uns im Zweifel eh nicht getraut. Außerdem haben wir im Taxi gehört, wie sich die ganzen jungen, vergnügungssüchtigen Backpacker darauf stürzen – die meisten am liebsten nackt – und auf den Trubel haben wir keine Lust. Daher verbringen wir die Tage im Wesentlichen faulenzend in oder neben der Hängematte, lesen und schauen uns die Berge an. Die einzige sportliche Aktivität sind Spaziergänge über das Grundstück. Es ist recht groß und reicht von 300 Meter bis 1100 Meter über dem Meeresspiegel, daher zählen Spaziergänge hier eindeutig als Sport!

Rebecca entspannt
Niko beim Augen ausruhen

Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz, da Chris, wie erwähnt, ein sehr mitteilsamer Schweizer ist, was wahrscheinlich daran liegt, dass er eine kolumbianische Mutter hat. Abends hat er uns eingeladen mit ihm und Holger kolumbianischen Rum zu probieren. Da wir seit Kuba keinen mehr hatten, haben wir dankbar angenommen. Laut ihm sind die inländischen Rumsorten nicht der Rede wert, aber die für den Export bestimmten hingegen super. Er macht es also immer so, dass er sich bei der Ausreise im Duty-Free-Shop Rum kauft und beim nächsten Mal wieder reimportiert. Nachdem wir den Rum gekostet haben, können wir bestätigen, dass sich der ganze Aufwand tatsächlich lohnt. Er hat einen sehr würzigen Geschmack, der fast schon an Whiskey erinnert, kostet aber leider auch mehr als das 20-fache des kubanischen Rums. Dazu wird Espresso aus selbst angebautem Kaffee getrunken. Da Chris total auf Nespresso steht, hat er sich eine Maschine zugelegt, mit denen er seinen eigenen Kaffee in Nespressokapseln packen kann. Bis tief in die Nacht hat er uns mit Geschichten aus seinem Leben und seiner Meinung zu Gott und der Welt unterhalten. Er ist sehr überzeugter Fleischfresser. Ein richtiges Abendessen besteht laut ihm aus einem Stück Fleisch – nur mit Salz, keine anderen Gewürze – und einem Bier. Vegetarier verachtet er. Zitat: ¨Als Vegetarier kannst du keinen Sex haben! Denn Sex ist Fleisch!¨

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4 Gedanken zu „​Wir ham ´ne Finca in Minca“

  1. Sehr schöner Bericht! Ist Niko immer noch der Berichterstatter?

    Ich würde sagen, bringt mir mal ein bisschen Kakao mit, aber ich will euch natürlich nicht so viel Gepäck für die weitere Reise aufbürden. Wüsste nur zu gerne, wie der schmeckt.

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