​Osvaldo und die Schatzsuche

Am nächsten Tag haben wir uns mit Osvaldo, einem ehemaligen Mitarbeiter von Chris, über alte Indianertreppen aus Steinen tiefer in das Finca-Dickicht gewagt. Hier wachsen Kakao, Kaffee und Papayas an Steilhängen und Osvaldo musste uns den Weg mit seiner Machete frei schlagen.

Osvaldo beim Freilegen der Indianertreppen

Für die Pflückarbeit muss man geboren sein, tief hinab geht es auf der Plantage. Zwischendurch liefen wir immer wieder über Plateaus, auf denen Indianer einst gewohnt haben, wusste Osvaldo uns zu erklären. Nachdem er die Finca vor zwei Jahren verlassen hat, kommt er immer mal wieder, um sich um Neubepflanzungen zu kümmern, aber auch, um dort Ausgrabungen zu tätigen. Vor Kurzem hat er ein Schmuckstück der Indianer gefunden: einen goldenen Drachen, reichlich verziert. Außerdem findet er regelmäßig Tontöpfe oder Haushaltsgeräte der Indianer, wie eine Steinrinne, die zum Mahlen von Mais benutzt wurde. Auf unserem Weg weiter nach oben sind wir über einen Grabstein gestolpert, der etwa 30 cm aus der Erde rausragte, aber insgesamt noch einen Meter tiefer in der Erde saß. Familien wurden zusammen begraben. Wenn sie Schmuckstücke aus Gold besaßen, wurden diese den jeweiligen Mitgliedern umgelegt und so wurde der Reichtum mit ins Grab genommen. Das hört sich so friedlich an, dass es kaum vorzustellen ist, wie die Spanier später zunächst Messer oder andere Gebrauchsgegenstände gegen Gold tauschten und die Indianer zuletzt ausraubten und töteten.

An den Steilhängen auf beiden Seiten wächst Kaffee
Die Aussicht war fantastisch

Osvaldo zeigte uns viele große Bäume, an denen Papayas und Avokados wuchsen. Im Gegensatz zu den Kaffeesträuchern werden diese einige Meter hoch. Auf unserem Rückweg nach unten zur Finca, hat er eine Kakaofrucht für uns geöffnet. Heraus kamen viele weiße Bohnen, die an einem Strang nach oben wuchsen. Man kann sie wie ein Bonbon lutschen und den Kern dann einfach ausspucken. Wussten wir zunächst nicht und haben auf dem bitteren, violetten Kern rumgebissen, bis uns Osvaldo aufklärte. Scheint auf jeden Fall nicht giftig gewesen zu sein, denn wir leben noch. Das Fruchtfleisch schmeckt fast wie Litschis oder wie unsere Neuentdeckung Guanabana, nur etwas saurer. Um Kakao zu gewinnen, werden die Früchte fermentiert und nach dem Trocknen gemahlen und zu den oben erwähnten Klumpen geformt. Kakaofrüchte sind erst grün, dann rot und zum Schluss, wenn sie reif sind, gelb

So sieht eine Kakaofrucht von innen aus
Rebecca war begeistert und hatte die ganze Frucht bis zum Abend verdrückt

Nach dem Mittagessen wollte Osvaldo wissen, ob es bei uns in Deutschland auch so warm sei. Rebecca hat ihm die vier Jahreszeiten erklärt und erzählt, dass früher so viel Schnee im Winter lag, dass man Skifahren konnte. Ob man auf Eis Skifahren würde, wollte er wissen und als Rebecca verneint hat, da man auf Eis doch zu schnell ausrutschen würde, fragte er weiter, ob man sterben könnte, wenn man ausrutscht und ob die Leute deshalb Schutzanzüge tragen würden. Da hat Rebecca gelacht und er erklärt, dass er aus dem Fernsehen wüsste, wie Schnee aussieht, aber natürlich keine Ahnung habe, wie er sich anfühlt.

Osvaldo beim Geschichten erzählen im Regen
Neben Katzen und Hunden gab es auch zwei kleine Papageien
Sie können noch nicht fliegen. Als einer von der Mauer gefallen ist und Niko ihn retten wollte, hat sich der andere todesmutig hinterher gestürzt, um nach dem rechten zu sehen
Beide konnten gerettet werden

Unsere Zeit in Minca verging auch ohne Internet wie im Fluge. Am darauf folgenden Tag war es schon Zeit für die Weiterreise. Da Chris sowieso zum Einkaufen nach Santa Marta musste, war er so nett uns bis dahin mit seinem Land Rover mitzunehmen. Dadurch hat sich Rebecca einen zweiten Maultierritt erspart und wir mussten uns nicht nochmal in einen Colectivo quetschen. Die Fahrt bis ins Dorf war aber sogar noch holpriger als auf den Maultieren!

Den letzten Abend in Kolumbien haben wir in Barranquilla, einer riesigen Industriestadt ziemlich genau in der Mitte zwischen Santa Marta und Cartagena verbracht. Über die Stadt gibt`s eigentlich nichts weiter zu sagen. Sehenswürdigkeiten gibt es keine. Der Karneval soll fast so gut wie in Rio sein und Shakira ist dort aufgewachsen. Für ersteren waren wir zur falschen Zeit dort und letztere haben wir auch nicht getroffen. Der einzige Grund, wieso wir überhaupt dort Station gemacht haben war, dass es der nächste Flughafen war, von dem es Flüge nach Panama City gab. Und genau so einen haben wir genommen, womit unsere Zeit in Kolumbien zu Ende ging. Tatsächlich war es aber wie in Kuba mal wieder knapp und uns rutschte kurz vor unserer Abreise das Herz in die Hose. Nach dem Sicherheitscheck wurde Niko in ein Verhörzimmer der Flughafenpolizei geführt. Dort hat man ihn dann einige Zeit schmoren lassen bis ihm schließlich Rebecca und ein weiterer Passagier Gesellschaft geleistet haben. Aus irgendeinem Grund, den wir bis heute nicht kennen, haben wir drei uns wohl verdächtig gemacht (war es der Bart?). Mehrmals wurden wir unabhängig voneinander nach den verschiedensten Dingen gefragt: wo wir waren, was wir da gemacht haben, wo wir gewohnt haben, ob wir viel Geld dabei hatten, ob wir alleine reisten, was unsere Berufe seien usw. Rebecca hat uns schon im kolumbianischen Selbstversorgergefängnis gesehen. Um sicherzustellen, dass wir keine Drogen schmuggelten, wurden wir schnurstracks in ein Röntgengerät verfrachtet. Glücklicherweise! Wer weiß, welche Körperöffnungen sie sonst per Hand untersucht hätten… Natürlich waren wir sauber und durften dann endlich Kolumbien mit einer Sorge weniger verlassen.

Laut Plan wollten wir etwa 3 Wochen auf kolumbianischen Boden verbringen und von knapp 78 Euro am Tag leben. Tatsächlich sind wir exakt 21 Tage geblieben und sind mit 65 Euro am Tag ausgekommen. Die echten Lebenshaltungskosten sind sogar noch niedriger, wenn man die beiden Inlandsflüge, die wir genommen haben, abzieht.

Unser Fazit für Kolumbien: die Städte muss man nicht gesehen haben. Einzige Ausnahme: Cartagena. Dafür ist die Landschaft umso sehenswerter. Wenn das Land in Zukunft hoffentlich tatsächlich Frieden findet, so dass man die Hälfte bereisen kann, die momentan noch zu unsicher ist, werden wir uns die mit Sicherheit gerne anschauen.

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