​Panama-Stadt, Land, Kanal

Land Nummer drei: Panama. Von Anfang an merkt man, dass es sich um ein US-amerikanisches Protektorat handelt. Panama hat noch nicht einmal eine eigene Währung, sondern verwendet den US-Dollar, nennt ihn aber manchmal nach dem Entdecker Panamas: Balboa. Überall sieht man die typischen amerikanischen Fast-Food-Ketten. Da überrascht es nicht, dass die Einheimischen ähnlich dick sind wie die Amerikaner. Auch wir sind am ersten Abend mangels Zeit und Ortskenntnis mit Fast Food satt geworden. Am zweiten Abend haben wir versucht im Supermarkt etwas gesünder einzukaufen und haben tatsächlich für eine kleinere Portion fast genauso viel bezahlt wie im Fast-Food-Laden. Eine Schande, findet Rebecca! Niko hingegen fühlt sich an seine glücklichen Studienzeiten in Texas erinnert.

Wir wohnen in Panama-Stadt zur Abwechslung mal wieder in einem Hostel. In der ersten Nacht haben wir sogar ein Zimmerupgrade bekommen und durften ins Gartenhäuschen ziehen. Das war zwar nicht ganz sauber, hatte dafür aber sehr viel Platz zu bieten und außerdem war es eines der ruhigsten Zimmer seit langem. Wir haben deshalb am nächsten Morgen fast das Frühstück verschlafen. Leider mussten wir für die nächsten beiden Nächte in ein kleineres Zimmer ohne Fenster direkt neben der Rezeption umziehen, womit der geruhsame Schlaf auch wieder dahin war.

Unser Gartenhäuschen

Die Stadtbesichtigung haben wir mit Panama Viejo, der alten Altstadt, begonnen. Sie war mehr als 150 Jahre das Zentrum der Stadt bis sie vom Pirat Henry Morgan, den man heute hauptsächlich als Rumsorte kennt, bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde. Damit man dieses Schicksal nicht noch ein zweites Mal erleiden musste, haben sich die Stadtväter dazu entschieden, die Stadt an anderer Stelle, einige Kilometer entfernt, wiederaufzubauen. Die Ruinen wurden in den nächsten fast 300 Jahren sich selbst überlassen. Mittlerweile sind allerdings einige Teile aufbereitet und können besichtigt werden. Von den meisten Gebäuden sind tatsächlich nur noch ein paar Mauern zu sehen. Lediglich ein Kirchturm, den man besteigen kann, und Teile des Nonnenklosters sind noch gut erkennbar.

Die Piraten haben ganze Arbeit geleistet
Rebecca genießt die Aussicht aus dem alten Kirchturm auf die Innenstadt
Der Kirchturm von außen

Langsam arbeiteten wir uns in der Zeit nach vorne und haben Kurs auf Casco Viejo, die neue Altstadt, genommen. Dort wurde die Stadt nach dem Piratenüberfall wieder aufgebaut. Wahrscheinlich sind wir mittlerweile etwas verwöhnt was Kolonialstädte angeht, aber mit Havanna und Cartagena kann die Altstadt nicht mithalten. Sie hat aber trotzdem ganz interessante Aspekte. Da wäre der Verfall wie in Havanna. Nur etwa die Hälfte von Casco Viejo ist restauriert, die andere Hälfte bröckelt noch vor sich hin. Während Havannas Altstadt recht komplett renoviert ist, sieht man in Casco Viejo die Gegensätze noch deutlicher, da unmittelbar angrenzende Häuser teilweise todschick aussehen bzw. kurz vorm Verfall stehen. Einige der restaurierten Kolonialhäuser erinnern mit ihren schönen bewachsenen Balkonen an Cartagena. Da es aber immer nur einige wenige sind und nicht ganze Straßenzüge, ist die Atmosphäre nicht vergleichbar. Immerhin hat man von der Uferpromenade einen schönen Blick auf die Innenstadt mit ihren Bankenwolkenkratzern auf der einen und der Zufahrt zum Panamakanal mit den vielen im Stau stehenden Schiffen auf der anderen Seite.

Viele Häuser können ohne Restaurierung nicht mehr benutzt werden…

… werden aber trotzdem zur Vermietung angeboten

Die Puente de las Américas, die Brücke die Nord- und Südamerika verbindet
Bevor man sich auf eine Parkbank setzt, sollte man sichergehen, dass da nicht schon jemand sitzt

Kein Besuch in Panama wäre komplett, ohne dass man den Kanal besichtigt hätte. Auf Pazifikseite mündet er praktischerweise direkt neben Panama-Stadt ins Meer. Da die Taxifahrer in der Stadt alle Touristenabzocker sind, haben wir beschlossen, mit öffentlichen Bussen bis zu den Miraflores-Schleusen zu fahren. Wir hatten das Glück noch einen der uralten, größtenteils ausgemusterten und durch moderne Busse ersetzten diablos rojos (rote Teufel) zu erwischen. Das sind 50-60 Jahre alte US-amerikanische Schulbusse, die knallbunt angemalt sind und eigentlich nur noch von Rost und Farbe zusammen gehalten werden.

Ein typischer diablo rojo

Direkt neben den Schleusen wurde vor einigen Jahren ein neues Besucherzentrum gebaut, in dem eine kleine, aber ganz nette Ausstellung über die Entstehung des Kanals gezeigt wird. Die technischen Herausforderungen waren enorm. Der Blutzoll allerdings auch. Etwa 20.000 Arbeiter mussten bei den Bauarbeiten ihr Leben lassen, die meisten starben an Gelbfieber oder Malaria. Die Panamaisten (wie Niko sie liebevoll nennt) sind besonders stolz darauf, dass sie den Kanal seit dem 31.12.1999 selbst verwalten dürfen (vorher war das Gebiet um den Kanal von den USA kontrolliert) und vor einigen Monaten die Erweiterung für noch größere Containerschiffe erfolgreich vollenden konnten.
Wir haben zugesehen, wie zwei Schiffe durch die Schleusen gefahren sind. Moderne Schiffe werden so gebaut, dass sie exakt in den Kanal passen. Durch kleine Boote und Zugmaschinen werden die Riesenschiffe in Zentimeterarbeit in die Schleusen bugsiert. Auf beiden Seiten ist weniger als 50 Zentimeter Platz, wie auf den Fotos zu sehen.

Die zwei kleinen Boote rechts drücken den Riesen in Position
Dann wird er von den sechs Zugmaschinen langsam in die Schleuse gezogen
Dabei kommt es auf jeden Zentimeter an
Die Schleusentore öffnen sich

Anschließend wollten wir eigentlich noch den Parque Nacional Metropolitano besichtigen, um ein paar Wildtiere zu sehen. Da wir aber länger am Kanal waren als geplant und das Wetter nach Regen aussah, haben wir uns stattdessen in der Albrook Mall, dem größten Shoppingcenter Lateinamerikas, Blasen gelaufen und den Abend mit leckerem panamaischen Fast Food ausklingen lassen…

Abendspaziergang auf dem Damm

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