​Goodbye Deutschland

Unsere Pechsträhne mit Bussen hält weiter an. Dieses Mal war es Gott sei Dank kein Unfall, sondern eine Motorpanne mitten im panamaischen Nirgendwo auf dem Weg von Panama-Stadt quer durch Panama-Land nach David im Westen des Landes. Da die Fahrer den Bus beim zweiten Versuch nicht mehr zum Laufen bekommen haben, mussten wir auf den nächsten warten. Dort waren natürlich nicht genügend freie Plätze vorhanden, um alle gestrandeten Fahrgäste aufzunehmen. Aber da Rebecca ihre spitzen Ellbogen ausgefahren hatte, konnten wir uns trotzdem noch zwei Plätze sichern und sind nach knapp 11 Stunden Fahrt endlich in David angekommen. David ist die zweitgrößte Stadt Panamas und liegt kurz vor der Grenze zu Costa Rica. Die Stadt selbst hat für Touristen nichts zu bieten, daher war sie auch für uns nur Zwischenstation. Eigentlich hatten wir entschieden, eine Woche in Boquete, einem Städtchen etwa eine Stunde von David entfernt, Station zu machen. Auf der Suche nach Unterkünften haben wir allerdings eine gefunden, in die wir uns auf Anhieb verliebt haben. Nur liegt sie nicht in Boquete, sondern bei Caldera, einem Dörfchen rund eine halbe Stunde Fahrt von Boquete entfernt. Da wir nach der ganzen Bustortur müde waren, haben wir mit einem Taxi die letzten Kilometer zurückgelegt.

Überquerung des Panamakanals: wir verlassen Südamerika

Spätestens als es am nächsten Morgen hell wurde, hat sich gezeigt, dass wir uns goldrichtig entschieden hatten. Wir haben ein kleines Häuschen ganz für uns allein auf einem weitläufigen Gelände mit Pool, Barbecuebereich und Zugang zum Río Encantado, in dem man auch schwimmen kann. Neben unserem Häuschen – das kleinste – gibt es noch drei größere Hütten und sogar ein Baumhaus, in dem man übernachten kann.

Unser süßes, kleines Häuschen
Klein…
…aber fein. Vielleicht hätten wir vorher mal aufräumen können…

Im Baumhaus kann man auch wohnen

Das ganze in einer herrlich grünen Vegetation, in der es von exotischen Tieren wie Leguanen und Tukanen nur so wimmelt. Leider sind wir auch zum ersten Mal bewusst der Aedes-Mücke begegnet, dem Hauptüberträger von Zika und Denguefieber. Bisher wurden wir, zumindest soweit man das sagen kann, nur von anderen Moskitoarten gestochen. Niko hat das Aedes-Biest zwar getötet, aber erst nachdem sie ihn einmal gestochen hatte. Allerdings hatte er sich wahrscheinlich sowieso schon vorher infiziert. Wir dachten erst, dass er sich nur eine leichte Erkältung zugezogen hat. Dann kam das Fieber und der Hautausschlag, beides typische Zika-Anzeichen. Mittlerweile geht es ihm aber wieder besser.

Der Tukan war neidisch auf unser Frühstück
Er hier war ganz schön fix unterwegs

Durch Nikos Erkältung waren wir aktivitätenmäßig zu einer Zwangspause verdonnert. Wir hatten uns einiges vorgenommen in den fünf Tagen, die wir hier waren: ein Bad in den heißen Quellen, die es hier in der Gegend gibt, Schwimmen im Fluss, einige Wanderungen… So haben wir stattdessen die ganze Zeit schlafend, lesend und meditierend (Rebeccas neues Hobby) auf dem Grundstück verbracht.

Blick auf den Fluss, Pool- und unteren Barbecuebereich
Und so sah es von unten aus

Dass Niko gerade jetzt in der Pampa krank wurde, passte hervorragend und wir sind kein einziges Mal zum 20 km entfernten Supermarkt gefahren. Glücklicherweise hat uns der Tante-Emma-Laden in 2 km Enfernung im nächsten Dörfchen über die Tage retten können. Dieser hielt nur einige wenige Grundnahrungsmittel bereit und so war bei der Zubereitung Fantasie gefragt. Hätten wir auch nicht gedacht, dass wir aus Reis, Nudeln, Dosenbohnen, Eiern und Tomaten jeden Tag ein anderes Gericht zaubern können. Im Dörfchen ist die Zeit scheinbar stehen geblieben und da außer dem Fußballspiel auf dem gegenüberliegenden Sportplatz nicht viel an diesem Sonntag passierte, war der Einkauf der beiden Deutschen das Highlight des Tages. Bevor wir überhaupt unsere Einkaufsbestellung an der Theke abgeben konnten, wurden wir in das obligatorische und mindestens 15 Minuten lange Begrüßungsschwätzchen verwickelt. Das ist panamaischer Kundenservice und wir fühlten uns gleich in die Dorfgemeinschaft integriert. Wir haben der Besitzerin verziehen, dass sie uns zunächst für Amerikaner hielt. Schließlich ist der nächst größere Ort Boquete als das amerikanische Rentnerparadies bekannt. Trotzdem nöchte die Besitzerin kein Englisch lernen, denn die Verständigung mit Händen und Füßen klappt ja auch so. Da sie sofort erkannte, dass Rebecca mehr als 5 Eier auf Spanisch bestellen konnte, hat sie sie gleich in die Gefahren der Umgebung eingeweiht. Vor allem hat sie ihr Angst vor den Schlangen im Fluss gemacht, die überall dort lauern würden, wo sich viel Laub über dem Fluss befände. War ja schon gut zugewuchert unser Anwesen. Gut, dass wir nur im Pool schwimmen waren… Beim zweiten Einkauf hat uns die nette Besitzerin gleich wieder erkannt und Rebecca und die andere Oma, die gerade zum Einkaufen kam, in ein Pläuschchen verwickelt. Auf unserem Rückweg zu Fuß zu unserer Unterkunft hielt ein LKW und fragte uns, ob er uns mitnehmen könnte. Er hatte der Dame im Geschäft gerade Kochbananen verkauft und Rebecca war froh, dass der angeschlagene und zur Überschätzung seines Gesundheitszustandes neigende Niko nicht noch weiter in der Mittagshitze laufen musste. 

Ganz fit sieht er noch nicht aus
Es gab immerhin ein paar kurze, schöne Spazierwege auf dem Grundstück

Das Anwesen auf dem unsere Cabaña steht, gehört Frank, einem Amerikaner, und José, einem Panamaer. Die beiden wechseln sich mit der Betreuung ab und wir haben nur José kennengelernt. Er ist ein sehr netter, gut gebauter und gut aussehender Typ und hat sich prächtig mit Rebecca verstanden. Meistens lief er oben ohne rum und trug seine Muskeln spazieren. Zum Glück ist er schwul, so dass Niko sich keine Sorgen machen musste und in Ruhe am Pool entspannen konnte, während die beiden ihre Schwätzchen hielten. Und das beste an José und seinem Urlaubsparadies: wir sind bald im Fernsehen! Na ja, nicht wir direkt, aber immerhin das Häuschen, von dem wir dann sagen können, da haben wir auch mal drin geschlafen! Josés Freund wohnt ausgerechnet in Berlin, wo er bisher eine Bar besessen hatte. Die hat er allerdings gerade verkauft, da er bereits in zwei Wochen nach Panama auswandern wird, um ganzjährig bei José zu sein. Falls der ein oder andere mehr über die Liebesgeschichte wissen möchte: die beiden haben sich bei „Goodbye Deutschland“ beworben und ab Dezember soll in Panama mit deutschem Fernsehteam gedreht werden. Noch drehen die beiden Selfie-Videos nach den Instruktionen der Produktionsfirma. José war ganz neugierig von Rebecca zu erfahren, wie der „deutsche Charakter“ denn so sei und ob es mit Niko keine Probleme gäbe, wenn sie sich mal wieder mit Einheimischen unterhielte und er ebenso wie Josés Freund, nur Bahnhof versteht. José wunderte sich über Nikos Gelassenheit, denn sein ungeduldiger Freund würde bei Unterhaltungen sofort immer die Übersetzung einforden, was José bisher auf den starken deutschen Charakter geschoben hat. Da José aber selbst ein erklärter Dickkopf sei, können wir uns bestimmt auf ein paar unterhaltsame Folgen mit Seifenoperpotential freuen. Als Rebecca José von einigen „Berühmtheiten“, die aus „Goodbye Deutschland“ entwachsen sind, erzählte, stand für den selbstbewussten Panamaer fest: „Na gut, dann werde ich also berühmt!“

Zwischen zwei und drei Uhr nachmittags fing es meist an zu regnen. Aber uns wurde nicht langweilig. Hier trainiert Niko für seine zukünftige Friseurkarriere
Seine erste Kundin war mit dem Ergebnis sehr zufrieden
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