​Oh, wie schön ist Panama

Okay, wir geben es zu. Eigentlich wollten wir diese Überschrift nicht verwenden, da sie in praktisch jedem deutschsprachigen Reiseblog über Panama verwendet wird und wir außerdem ein bisschen zu alt für Janosch sind. Aus aktuellem Anlass haben wir uns nun aber umentschieden. Nachdem wir aufgrund unserer Zwangspause noch so gar nichts von der Gegend gesehen haben, haben wir entschieden, noch ein paar Tage nach Boquete zu ziehen. Und zufälligerweise wurde gerade als wir da waren im Stadttheater ¨Oh, wie schön ist Panama¨ gespielt! Das ganze wird organisiert von der deutschen Botschaft, vermutlich um den Panamaern deutsche Kultur näherzubringen. So wären wir also wieder bei der Überschrift. Wobei wir auch ganz ohne Janosch hinter ihr stehen. Panama ist wirklich ein sehr schönes Land mit den nettesten und hilfsbereitesten Menschen, die wir bisher auf unserer Reise getroffen haben.

Man sieht viele Indigene in traditioneller Kleidung auf der Straße

Boquete selbst ist ein kleines Städtchen mit 20.000 Einwohnern mitten in grünen, meistens nebelverhangenen Hügeln. Genau wie Medellín gibt sie sich selbst den Beinamen ¨Stadt des ewigen Frühlings¨. Während in Medellín, zumindest aus deutscher Sicht, eher ¨ewiger Sommer¨ passender wäre, trifft es in Boquete zu. Tagsüber ist es bei Temperaturen um die 25 Grad angenehm warm und nachts lässt es sich bei um die 15 Grad auch ohne Klimaanlage angenehm schlafen. Das wird einer der Gründe dafür gewesen sein, dass ein amerikanisches Rentnermagazin die Stadt als eine der weltweit lebenswertesten Städte für Rentner ausgezeichnet hat. Offensichtlich wird das Magazin tatsächlich gelesen, so dass sich daraufhin eine nicht unbedeutende Zahl von US-Rentnern auf den Weg hierher machte. Das erklärt dann auch die recht hohe Zahl an Arztpraxen und die an Deutschland erinnernden Immobilienpreise im Ort. Auf der Straße sieht man tatsächlich immer mal wieder alte US-Amerikaner, aber weniger als wir erwartet hätten. Vielleicht sitzen die meisten daheim vorm Fernseher, ganz wie sie es von Zuhause gewohnt sind. Touristen sieht man ebenfalls nur recht wenige. Man merkt, dass wir in der Nebensaison, dem panamaischen Winter und in der Regenzeit, hier sind. Am ersten Abend waren wir die einzigen Gäste überhaupt in unserem Hotel und auch die meisten Restaurants sind verwaist.

Der Losverkäufer trug am Abend das dickste Bündel Geld nach Hause

Direkt neben Boquete liegt der Vulkan Barú, Panamas höchster Berg und einziger Vulkan. Man kann ihn in einer anstrengenden 6-7 stündigen Wanderung besteigen und braucht dann nochmal ähnlich lange um wieder herunter zu kommen. Darauf hat Rebecca keine Lust und Niko ist noch nicht fit genug, daher lassen wir das zumindest dieses Mal sausen. Schade, da die Spitze des Vulkans einer der wenigen Orte in der Welt ist, von denen man gleichzeitig sowohl Atlantik als auch Pazifik sehen kann. Allerdings nur wenn es nicht bewölkt ist und das ist es da oben eigentlich immer. Wir haben die Spitze in einer Woche nur zweimal gesehen, ansonsten war sie immer von dichten Wolken verdeckt. Daher verpassen wir wahrscheinlich letztlich nur den großen Ärger, wenn man sich stundenlang hoch gequält hat und dann nichts sieht außer grau. Das passiert einem im Ort selbst nämlich auch schon oft genug. Gegen Abend zieht es sich meistens zu und teilweise hängen die Wolken so niedrig, dass sie die Stadt einhüllen. Es sieht ziemlich spektakulär aus, wenn sie sich wie eine Walze über die Hügel auf einen zu bewegen.

Die Nebelwalze kommt
Unser Hotel liegt direkt am Fluss
Der Hibiskus wird meterhoch. Und guckt euch diese Farbe an!

Um auch ohne Vulkanbesteigung nicht komplett einzurosten, haben wir uns an den Sendero El Pianista (Pianistenweg) gewagt. Ein Wagnis deswegen, weil er letztes Jahr traurige Berühmtheit erlangt hat, als zwei holländische Touristinnen auf mysteriöse Weise auf dem Weg verschollen sind. Erst Monate später wurden ihre Knochen gefunden und bis heute ist nicht abschließend geklärt, was eigentlich genau passiert ist. Da wir diese Zeilen posten können, ist uns offensichtlich aber nicht das gleiche Schicksal widerfahren. Allerdings haben wir auch nur einen kleinen Teil des Wegs erwandert. Will man ihn komplett gehen, ist man knapp 10 Stunden unterwegs und steht am Ende außerdem in der Nachbarprovinz, mehrere Autostunden von Boquete entfernt. Der Weg selbst erinnert uns sehr stark an das Valle de Cocora in Kolumbien, natürlich nur ohne die riesigen Wachspalmen. Anfangs läuft man zwischen den Hügeln an einem kleinen Bach entlang zwischen Weideland hindurch bis man schließlich den Nebelwald erreicht. Dort führt der Weg immer weiter bergauf tiefer in den Wald hinein. Wegen des Nebels hat man ständig das Gefühl, dass es nieselt, obwohl in Wahrheit klarer Himmel war. Irgendwann hat Rebecca entschieden, dass das genug Anstrengung für den gerade erst genesenen Niko war. Also sind wir wieder umgekehrt und den gleichen Weg zurück.

Flussdurchwatungen waren inklusive
Pausen gab es natürlich auch. Im Hintergrund sieht man Boquete
Ein Bächlein aus dem Nebelwald
Rebecca sagt Niko er soll Kunst machen und er tut es!
Sie versucht nach zu ziehen. Na ja…
Im Nebelwald ging es immer weiter aufwärts
Hütte am unteren Ende des Weges
Spielende Kinder am Eingang des Pianistenwegs
Entlang dieser mit Trompetenbäumen gesäumten Straße zurück in den Ort wohnen die besser Betuchten

Wieder in Boquete angekommen haben wir uns mit zwei der angeblich weltbesten Fischtacos von Big Daddy, der eigentlich Larry heißt und aus Florida kommt, belohnt. Den Fisch fängt er morgens selbst und entsprechend frisch hat er geschmeckt.

Warten auf Big Daddy

Unsere ehrgeizigen Wanderpläne für den zweiten Tag sind leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Gleich nach dem Frühstück hat es angefangen zu regnen und bis abends auch nicht mehr aufgehört. Wie erwähnt ist momentan leider Regenzeit. Zum Glück haben wir ausgeschlafen und waren noch nicht oben auf dem Berg. Dort wird es dann nämlich richtig schlammig und sehr rutschig, haben wir uns sagen lassen. Kein Spaß bei den steilen Wegen. Eigentlich hatten wir uns auf den Sendero Los Quetzales gefreut, ein schöner Weg entlang des Vulkans, wo man mit etwas Glück sogar den Namensgeber zu sehen bekommt. Quetzale sind knallbunte, wunderschöne und sehr seltene Vögel. In Costa Rica gibt es ihn aber auch, so dass wir immer noch guter Hoffnung sind, euch bald ein Foto zeigen zu können. Statt Quetzal gab es einen neuen Pullover für Rebecca, eine mittelmäßige Pizza für Niko und viele Ausblicke auf die Stadt im Regen.

Der zentrale Platz von Boquete im Nieselregen
Sie haben es tatsächlich geschafft, das Geschenk einigermaßen trocken ins Auto zu bringen
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