​Kolumbus fand´s zum Kotzen

Nur 60 Kilometer Luftlinie trennen Boquete von Bocas del Toro, unserem nächsten Ziel. Weil man aber eine Gebirgskette umfahren muss, saßen wir mal wieder fast 5 Stunden im Bus und dann nochmal eine halbe Stunde im Wassertaxi. Dieses Mal immerhin ganz ohne Pleiten, Pech und Pannen. Auf der Fahrt haben wir einen Holländer kennengelernt, der zwei Wochen durch Panama reist und unter anderem die San Blas Inseln, neben Bocas del Toro das zweite Inselparadies Panamas, besucht hat. Wir hatten auch lange darüber nachgedacht dahin zu fahren, haben es letztlich aus Zeitgründen und weil wir unseren Reiseplan bewusst etwas entschleunigen wollten, nicht getan. Er fand es super und hat sogar eine Nacht bei einer eingeborenen Familie in der Hängematte verbracht. Etwas irritiert war er nur, dass fast alle ständig auch in der Hütte Gras rauchten, er aber für eine Zigarette vor die Tür musste. Zigarettenrauch wäre doch so schlimm für die Kinder!

Überfahrt im Wassertaxi

Bocas del Toro ist eine Inselgruppe kurz vor der Grenze zu Costa Rica, zu der Rebecca eine ganz besondere Verbindung hat. Bereits seit der Expo 2000 besitzt sie nämlich ein Poster von Bocas, das in ihrem Kleiderschrank hängt. Daher hatte sie in den letzten 16 Jahren jedes Mal, wenn sie ihren Schrank öffnete, Bocas vor Augen. Logisch, dass sie es jetzt auch endlich mal mit denselben sehen wollte. Wir wohnten in einem Maisonette-Apartment auf der Hauptinsel, der Isla Colón. Sie ist nach Kolumbus benannt, dessen spanischer Name eben Colón ist, da er sie bei einer seiner Amerikafahrten als erster entdeckte. Er war gezwungen auf den Inseln Station zu machen, da er an einer Magenverstimmung litt. Wir können nur vermuten, was er hier so angestellt hat, aber wahrscheinlich liegen wir mit der Überschrift nicht allzu weit daneben. Wir hingegen fanden die Inseln recht angenehm, aber mit dem Hype, der um sie gemacht wird, können sie nicht ganz mithalten.

Ein Großteil von Bocas ist auf Stelzen gebaut
Blick von unserem Balkon
Rebecca in der Küche

Die Stadt Bocas del Toro, in der wir wohnen, – man darf sich nicht dadurch verwirren lassen, dass sowohl die Provinz, die Inselgruppe als auch die Stadt alle den gleichen Namen tragen – wurde ursprünglich von der United Fruit Company gegründet, damit ihre Bananenplantagenarbeiter dort wohnen können. Mittlerweile ist sie aber ein sehr entspanntes Karibiktouristenstädtchen mit mehr Fußgängern und Fahrradfahrern als Autos auf den Straßen.

Ankunft in Bocas Stadt
Die Stadt hat ein nettes, entspanntes, karibisches Flair
Fahrrad und Flip-Flops sind für die meisten die Verkehrsmittel erster Wahl
Eine der vielen Surfschulen

Unsere erste Mission war es, einen brauchbaren Strand auf der Insel zu finden, da unser letztes Badeabenteuer in Tayrona schon viel zu lange her war. Sollte kein Problem sein auf einer Inselgruppe, die für ihre tollen Strände bekannt ist, dachten wir uns. Versuch Nummer eins: die Empfehlung unseres italienischen Vermieters Tomaso. Er erzählte uns von einem Strand, der nur drei Minuten von der Wohnung entfernt liegt. Tatsächlich waren wir dann eher so 10-15 Minuten unterwegs, aber das schoben wir mal aufs italienische Zeitgefühl. Schwerwiegender war – und das hat uns Tomaso nicht verraten! -, dass der Strand an der Sandfliegenbucht lag und entsprechend auch Sandfliegenstrand hieß. Wer sie nicht kennt: Sandfliegen sind kleine, flohähnliche Parasiten, die stechen können. Um dem Strandnamen alle Ehre zu machen wimmelte es dort von den Dingern. Während unseres Aufenthalts begann auch eine Art Kirmes auf der Insel. Die wird hier so groß gefeiert, dass die einzige Straße der Insel für Autos gesperrt wird. Damit diese trotzdem irgendwie die Stadt verlassen können, fahren sie über eben diesen Sandfliegenstrand. Allein dadurch ist entspanntes Baden an dem Strand unmöglich. Kein Verlust aus unserer Sicht…

So schnell wird ein Strand zur Straße
Die Mädels nehmen es gelassen

Versuch Nummer zwei: der laut Internet beste Strand der Insel. Er liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Insel, wo wir mit einem Colectivo in einer guten halben Stunde hingefahren sind. Die Menschen hier scheinen ihren Stränden gerne sprechende Namen zu geben. Der Strand hieß Seesternstrand und tatsächlich haben wir einige Prachtexemplare zu Gesicht bekommen. Leider ist das kein Geheimtipp mehr und in den letzten Jahren sind entlang des gesamten Strands als Restaurant verkleidete Bretterbuden hochgezogen worden, die die Atmosphäre durch laute Musik stören. Ganze Touristengruppen werden mit Booten aus Bocas hierher gefahren. Immerhin konnte man ganz gut baden. Klar, es ist immer schwierig über andere Touristen zu meckern, schließlich sind wir ja selber welche. Trotzdem schade, da es im Internet noch Berichte von Reisenden gibt, die vor nicht einmal drei Jahren komplett alleine den Tag an dem Strand verbringen konnten. Das ist für die Zukunft wohl vorbei.

Rebecca nimmt die Ureinwohner unter die Lupe
Zum Glück haben sie sich von den vielen Menschen noch nicht abschrecken lassen
Solche Hütten sind am ganzen Strand aus dem Boden gestampft worden
Fehlt nicht mehr viel bis zu Mallorca-Verhältnissen

Aller guten Dinge sind drei und daher haben wir uns am letzten Tag unseres Aufenthalts auch noch zum Sand Dollar Beach aufgemacht. Er liegt etwa eine halbe Stunde Fußmarsch von unserer Unterkunft entfernt und war von den Stränden, die wir auf der Hauptinsel besucht haben der beste. Das Wasser war nicht ganz so klar, wie auf den anderen Inseln, aber wir waren die meiste Zeit mutterseelenallein und konnten in Ruhe entspannen. Irgendwann kam noch ein Vater mit seiner Tochter, aber der Strand war groß genug, dass wir uns nicht in die Quere gekommen sind. Hätten wir noch einen Tag mehr Zeit gehabt, hätten wir noch Playa Bluff ausprobiert. Das soll laut Hubert (mehr zu ihm in unserem nächsten Beitrag) ein traumhafter Strand sein, ist allerdings eher für Surfer geeignet. Wegen der starken Strömungen und Wellen kann man nicht wirklich schwimmen.

Endlich haben wir mal einen Strand für uns

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6 Gedanken zu „​Kolumbus fand´s zum Kotzen“

    1. Oh nein, selbst die Schwarzen auf unserem Ausflugsboot haben sich mit Faktor 50 eingecremt! Wir versuchen uns aber möglichst im Schatten aufzuhalten, um unseren Verbrauch gering zu halten, denn einen dm haben wir hier leider noch nicht gesehen.

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  1. Hallo Niko, hallo Rebecca. Ich bin mega beeindruckt von euren Erlebnissen und den Bildern. Wunderschön und spannend zu Papier (I-NET) gebracht :-). Ich werde euch weiter verfolgen auf eurer tollen Reise und wünsche euch ganz viele Impressionen die euch später mal ein grosses Lächeln auf eure Lippen zaubern wird. Finde euern Blog ganz toll. Dickes Bussis von mir an euch beide. Eure Silvia, und bleibt gesund!!!

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