​Mit Hängematten-Hubert in Hollywood

Nur faulenzen geht nicht, haben wir uns gedacht, und einen Ausflug auf mehrere benachbarte Inseln gemacht. Die Auswahl an Anbietern von Bootsauflügen ist in Bocas groß. Zum Glück! Denn unseren Katamaran, den wir eigentlich nehmen wollten, hatte es in der Nacht zuvor beim Gewitter erwischt. So sind wir ein Häuschen weiter gegangen und haben die Bootstour zwar nicht mit einem Katamaran, aber dafür mit einem kleinen überdachten Bötchen und mit noch mehr angefahrenen Zielen als bei dem anderen Anbieter gemacht. 

Voller Vorfreude vor der Abfahrt. Ganz rechts auf der Bank sitzt Hubert, den wir zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht kannten.
Unser Boot mit schwarzem Dach. Dahinter dümpelt der kaputte Katamaran.

Die erste Station war eine Delfinbucht. Sehr glücklich sahen die Delfine nicht aus. Kam doch ein Boot nach dem anderen angefahren und wenn dann ein Delfin auftauchte, wurde Jagd auf ihn gemacht und näher ran gefahren. Da würden wir auch kein Flipperlächeln mehr aufsetzen…

Zwei der Delfine, keine Haie 

Die Fahrt ging weiter und wir konnten uns endlich ins kühle Nass stürzen und die unter uns liegenden Korallen erschnorcheln. Wir haben unsere Schnorchelausrüstung zum ersten Mal nach schon fast zwei Monaten benutzt! Nach anfänglichem Hyperventilieren hatte auch Rebecca den Dreh raus und konnte die Unterwasserwelt mit den intakten Korallen und anderem Meeresgetier bewundern. Leider haben wir keine Unterwasserkamera, so dass es keine Beweisfotos gibt.

Wir wurden nun zu einem kleinen Restaurant auf Stelzen gefahren, das zwar schön lag, aber für unser überschaubares Budget viel zu hochpreisig war. Gut, dass wir mit trocken Brot vom Chinesen um die Ecke vorgesorgt hatten. Ohnehin wurde hier zunächst nur die Bestellung aufgegeben. Wir fuhren weiter bis zur Cayo Zapatilla, konnten fast zwei Stunden im traumhaften Meer planschen oder die Insel umrunden und danach ging es erst zur Essensabholung.

Ein absoluter Traumstrand

Es kam aus der Tiefe

Auf der Insel kamen wir mit Hubert aus Bayern ins Gespräch. Auch er war schon vor 25 Jahren in Lateinamerika unterwegs und dachte sich, er könnte sich mal wieder einen günstigen Urlaub dort gönnen. Von den hiesigen Preisen war er allerdings geschockt, kostete doch damals ein Essen unter einer D-Mark, eine längere Busfahrt zwei bis drei. Tja, Hubert, die Zeiten sind vorbei! Ganz gespannt war er auf unsere Erzählungen über Kolumbien und konnte kaum glauben, wie kommerzialisiert der Tourismus heute ist, inklusive all-inclusive Bändchen im Nationalpark Tayrona und Hängematten-Camps für bis zu 100 Mann. Damals schlief man dort noch zu viert oder fünft, es wurde geraucht und man hat einfach mal so für zwei Monate die Seele an einem Ort baumeln lassen. Die heute fünftägige Wanderung durch den Dschungel in die ¨ciudad perdida¨ war früher auch nur einen Tag lang. Aber mit einem Tag lassen sich den abenteuerlustigen Touristen ja auch keine 500 Euro aus der Tasche leiern… 

Hubert ist damals für ein ganzes Jahr in Lateinamerika rumgereist und hat sich die Reise vor allem durch den Einkauf von Hängematten und Schmuck und den Verkauf in Deutschland finanziert. Diese kosteten in Südamerika damals noch fünf bis zehn D-Mark. Niko hat heute schon welche für 200 Euro gesehen. Früher war Hubert oft der einzige Tourist weit und breit und wurde überall herzlich aufgenommen. Mit den heutigen billigen Flügen und Lonely Planet Touristen, die man an jeder Station wieder trifft, sind die ruhigen Zeiten, in denen jeder Weiße ein Exot war, natürlich vorbei. 

Schon ein interessanter Typ, dieser Hubert. Bereits in den achtziger Jahren machte er sich von Deutschland nach Nepal auf. Bis in die Türkei fuhr er mit einem damaligen Kollegen, von da ging es mit dem Verkehrsmittel seiner Wahl und vielen neuen Bekanntschaften und Begegnungen weiter. Heute betreut der gelernte Sozialpädagoge in einer Wohnung über sich jugendliche Flüchtlinge aus Afrika. Obwohl er anfangs zögerte, als das Jugendamt ihn fragte, scheint seine damalige Zusage wie ein Sechser im Lotto gewesen zu sein, so dankbar und hochmotiviert seien die Jugendlichen, endlich in Deutschland in die Schule gehen zu dürfen oder eine Ausbildung zu machen. Geschweige denn von all den deutschen Annehmlichkeiten, wie einen Herd zu besitzen und nicht mehr auf offenem Feuer kochen zu müssen. Das einzige was ihn stört ist, dass er wegen der Arbeit nicht mehr so oft reisen kann wie früher. Aber auch dafür hat er sich eine Lösung ausgedacht und bot Rebecca kurzerhand eine Stelle als seine Urlaubsvertretung an. Leider nur auf 450-Euro-Basis, sonst hätte sie bestimmt angenommen!

Hubert und Niko fachsimpeln über Hängematten
Rebecca genießt die Mittagspause

Im Restaurant gab es freilebende Aras. Nicht auf der Speisekarte!

Wir haben die 45 Minuten Mittagspause also quatschend auf unserem Steg verbracht. Pünktlich ging es weiter zur Faultierinsel. Ein bisschen faul waren sie, die kleinen Viecher, uns ihre Gesichter in die Kameraobjektive zu strecken. Es sei ihnen gegönnt. 18 Stunden Schlaf am Tag müssen auch irgendwie geschafft werden. 

Eins der faulen Faultiere

Last but not least – Hollywood! So nannte irgendein Witzbold ein flaches Gewässer mit tausenden von Seesternen – die Stars der Insel -, die wir von unserem Boot aus betrachten konnten. Hatten wir aber sowieso schon am Tag zuvor und das sogar aus allernächster Nähe. 

Dieses schöne Fleckchen Erde haben sie Hollywood genannt
Tatsächlich gab es überall Stars und Sternchen

Um 16:30h waren wir zurück an unserem Anleger. Wir haben Hubert an seinem Hostel Hansi verabschiedet, ihm noch ein paar Reisetipps zu Panama gegeben und uns nach Hause aufgemacht. Schließlich wollten zwei hungrige Mägen gefüttert werden! Es gab Burritos à la Niko, auf unserem Balkon kredenzt. Tatsächlich haben wir es geschaftt, uns dort ohne Schlüssel auszuschließen, konnten aber von Tomaso gerettet werden. Ein Hoch auf panamaische Türenbauer, die es schaffen, selbst zuschließende Schlösser zu fertigen. 

So hätten wir auch wohnen können. Die blaue Wasserrutsche führt direkt ins Meer.
Niko „kocht“ Nudeln. Von den Burritos gibt es leider keine Fotos.
Nach getaner Arbeit hat er sich besonders auf sein Oktoberfest-Bier gefreut.
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