​So ticken die Ticos

Am Vorabend unserer Abreise aus Panama hat uns Tomaso, unser netter Vermieter in Bocas, beim Bezahlen der Rechnung nach unseren weiteren Reiseplänen gefragt. Als wir ihm erklärt haben, dass wir auf eigene Faust nach Cahuita in Costa Rica fahren wollen, hat er die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und uns für komplette Idioten erklärt. Auf die Frage, ob er diese Aussage vielleicht noch etwas präzisieren könnte, hat er uns ausgerechnet, wie oft wir umsteigen müssten (einmal Wassertaxi plus drei Busse), wieviel Zeit wir dabei verlieren und dass wir mitten im Nirgendwo stranden würden, falls es mit dem Umsteigen nicht klappen sollte. Zitat: ¨Was wollt ihr dann machen? Das ägyptische Museum besuchen? Da gibt es NICHTS! Ihr werdet auf der Brücke nach Costa Rica stehen und euch wie absolute Arschlöcher fühlen!¨ Seine dringende Empfehlung sei es, zu einem benachbarten Hostel zu gehen und da ein Ticket für einen organisierten Transport zu kaufen. Nachdem wir ihm versichert haben, uns das ganze nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, ist er gegangen und Niko war den Rest des Abends damit beschäftigt, Rebeccas Nerven zu beruhigen. Schlecht geträumt hat sie trotzdem, unter anderem von Seifenblasen, drei rosanen Autos ihres Onkels, halbgepackten Essenspaketen und dass wir im heftigsten Regen auf besagter Brücke stehen.

Nach etwas Recherche und da wir die Tickets für das Wassertaxi – den ersten Teil der Reise – eh schon gekauft hatten, haben wir uns trotz seiner Warnung am nächsten Morgen auf den Weg gemacht. Tatsächlich lief alles zunächst ziemlich reibungslos. Mit dem Wassertaxi ging es 30 Minuten nach Almirante, einer kleiner Hafenstadt auf dem Festland. Dort wurden wir sofort von Taxifahrern belagert, die uns zur Grenze bringen wollten, allerdings zu absoluten Wucherpreisen. Gemeinsam mit drei Franzosen konnten wir sie aber auf 5 Dollar pro Person runterhandeln, was nur geringfügig teurer war, als die zwei Busse, die wir stattdessen hätten nehmen müssen. So standen wir keine zwei Stunden nach Abfahrt in Bocas bereits an der Grenze. Schnell noch einen Ausreisestempel auf panamaischer Seite besorgt und schon ging es über die mehrfach erwähnte Brücke.

Schnell ging nur der Ausreisestempel am rechten Schalter. Wer nach Panama rein wollte, musste sich in die Schlange stellen, die noch sehr, sehr viel länger war als auf dem Bild zu sehen.

Aber was denn mit der Brücke los? Eine ziemliche Enttäuschung für Niko. Bis vor kurzem musste man nämlich noch zu Fuß über eine alte Eisenbahnbrücke laufen, worauf er sich schon die ganze Zeit gefreut hatte. Mittlerweile ist die Brücke aber wegen Baufälligkeit gesperrt und man hat eine neue Behelfsbrücke daneben gebaut. Aber letztlich hat auch die uns gut nach Costa Rica gebracht. Somit waren unsere 15 Tage Panama vorbei. Panama war mit Tagesausgaben von 78 Euro bisher das teuerste Land unserer Reise und das erste, in dem wir unser Reisebudget komplett (bis auf 20 Euro) ausgeschöpft haben. Dies lag vor allem an den (bis auf Panama Stadt) teuren Unterkünften, die wir jedoch aufgrund der guten Bewertungen gemietet hatten. Wenn wir gewollt hätten, hätten wir da also auf jeden Fall noch sparen können. 

Das ist die tolle Eisenbahnbrücke
Von nahem sah sie aber tatsächlich recht baufällig aus
Endlich auf der anderen Seite

Auf der anderen Seite der Brücke gab es nach kurzer Wartezeit ohne Komplikationen den Einreisestempel. Der Ort Sixaola hinter der Brücke war ungewöhnlich voll. Überall standen Menschen, die wartend am Geländer der Straße standen. Wo wollten die bloß alle hin?

Niko war ratlos, was all die Menschen in dem kleinen Ort wollten
Selbst vom Nieselregen ließen sie sich nicht abschrecken. War das unser Begrüßungskomitee?

Aus der Ferne hörten wir Trommeln und da fiel uns ein, dass wir ja den 15. September haben: Costa Ricas Unabhängigkeitstag! So wurden wir direkt hinter der Grenze mit einer großen Parade begrüßt. Wir fühlten uns geehrt.

Als die ersten Flaggenträger kamen, war klar, was los war
Es war fast wie Karneval in Düsseldorf

Ohne Gepäck hätten wir uns die Show noch etwas entspannter ansehen können

Kleiner Nachteil der Showeinlage: der Busbahnhof war geschlossen, da die Stadt wegen der Parade abgesperrt war. Wir mussten also mit unserem ganzen Gepäck zu Fuß bis an den Stadtrand laufen bis wir endlich einen Bus nach Cahuita gefunden haben. Immerhin haben wir so die ganze Parade gesehen und unterwegs noch Luis aus Nicaragua kennengelernt. Er hat uns unter seine Fittiche genommen, da er zum gleichen Bus musste. Luis war etwas besorgt, die lange Busfahrt könnte uns langweilen und hörte nicht mehr auf uns zu unterhalten. Er erzählte uns von seinem Baby, das mit der Mutter in der Stadt Limón leben würde, in der er nur das Nötigste draußen besorgen und sich dann wieder in der Wohnung verschanzen würde. Zu gefährlich, die überweigend schwarze Bevölkerung würde nicht lange fackeln, wenn sie nichts erbeutete und kurzen Prozess machen… Nein, wir müssen zum Glück nicht nach Limón! [Nachtrag: Stimmt nicht ganz. Durchfahren mussten wir tatsächlich, aber aussteigen haben wir uns gespart.] Dass er als Kunsthandwerker über die Runden kommt und Bilder mit Photoshop verschönt und einrahmt, berichtete er uns weiter. Außerdem sei er eigentlich illegal in Costa Rica und habe bereits zwei Kubanerinnen nach Nicaragua geschmuggelt. Irgendwie wurde er dann verhaftet und von Psychologen der Polizei ausgehorcht, aber ob das alles so stimmte und wie genau das passiert ist, haben wir nicht komplett verstanden. Vielleicht besser für den armen Luis. Zumindest hat er uns seine Telefonnummer da gelassen, falls wir ihn mal brauchen würden. 

Sehr eindrucksvoll waren seine Warnungen über die scheinheiligen Ticos, die Einwohner Costa Ricas, die vor allem eins im Kopf haben: Geld, Geld, Geld. Na ja, das hatten wir schon an der Grenze bemerkt, als ein Taxifahrer 50 Dollar für die Fahrt nach Cahuita von uns haben wollte und der Bus nur 3,50 gekostet hat… Ohnehin sei das Leben in Costa Rica eher schwierig, man zahle Steuern für alles und in Nicaragua ließe sich soviel günstiger leben. Seinen genauen Aufenthaltsgrund in Costa Rica haben wir nicht genau heraushören können. Gegenteilige Berichte über die Ticos haben wir aber von Andrea, unserer ersten Vermieterin und ausgewanderte Deutsche in Costa Rica erfahren. Mehr dazu im nächsten Beitrag. 

Gegen 14 Uhr sind wir in Cahuita angekommen und haben damit nur unwesentlich länger gebraucht als der organisierte Shuttletransport und das auf eigene Faust und zu nicht mal einem Drittel der Kosten. Das mussten wir Tomaso natürlich gleich unter die Nase reiben.

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