​Wohnen wie Robinson

Wie im letzten Artikel erwähnt, wohnen wir in Cahuita bei Andrea, einer Auswanderin aus Baden. Sie ist nach Stationen als Museumsdirektorin in Chile, Argentinien und Australien vor 20 Jahren in Costa Rica hängen geblieben, denn nur hier habe sie sich nie als Ausländerin gefühlt und war von Anfang an integriert. Das führte ab und zu zu weit, zum Beispiel wollte man sie unbedingt mit einem Mann verkuppeln. Alleine leben als Frau, wo gibt`s denn sowas? Tatsächlich wurde der Auserwählte – Alfred, ebenfalls deutscher Auswanderer – nach längerem sich aus dem Weg gehen ihr Mann und Andrea hatte sich die lange Kennenlernphase gespart, denn von den Einheimischen wusste sie bereits ALLES über ihn. Bis auf das Einmischen in persönliche Bereiche, konnte Andrea gar nicht genug über die Ticos und ihre Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft auch in schweren Zeiten schwärmen. Vielleicht hat Luis aus unserem letzten Beitrag auch einfach nur die falschen Leute kennen gelernt. Wir sind noch zu kurz hier, um uns selber ein Bild zu machen.

Unsere Vermieterin Andrea in ihrer Küche
Hier wird gegessen, gequatscht und gefaulenzt

Von Andrea und ihrer Unterkunft sind wir jedoch begeistert. Bereits ihr Mann hat das kleine Unternehmen nach und nach vor 35 Jahren aufgebaut. Er ist leider vor einigen Jahren gestorben, so dass sie es jetzt alleine mit ihrem 18-jährigen Sohn Samuel weiterführt. Auf dem Grundstück befindet sich das Haupthaus mit Restaurant und drei Hütten, die Andrea an Gäste vermietet. Wir haben die größte der Hütten ergattert, in der man sich mitten im dschungelartigen Garten fast wie Robinson Crusoe fühlt.

Die tolle Dschungelhütte mit Wachhund von außen…
… und von innen
Eine kleine Küche hatten wir auch
Da macht selbst Niko gerne den Abwasch
Und die Schreibarbeit macht sich auch fast von allein…

Nicht vorhandene Fensterscheiben und Outdoor-Waschbecken stellen sicher, dass wir genug einheimische Tiere und Tierchen zu Gesicht bekommen. Auf dem Baum über unserer Hütte wohnt ein Faultier mit seinem Baby.

Die Faultier-Mama mit ihrem Kind
Meistens schliefen die beiden im Baum über unserer Hütte – so stellt man sich ein Faultierleben vor

Morgens um 4 Uhr fangen die ersten Brüllaffen an, ihrem Namen alle Ehre zu machen. Leguane, Basilisken und alle möglichen anderen Eidechsenarten wetzen durch den Garten. Moskitos gibt es zum Glück fast keine, da sie von den Riesenspinnen mit ihren Riesennetzen sofort gefressen werden.

Ein Brüllaffe beim Brüllen
Diese kleinen possierlichen Tierchen haben uns die Moskitos vom Leib gehalten
Die hier auch

Und wenn gerade mal kein wildes Tier in Sicht ist, halten uns Andreas Hund mit ihrem Freund, dem Hund des Nachbarn, durch ihre Tobereien auf Trab. Zumindest werden dadurch die Schlangen fern gehalten. Um trotzdem welche zu Gesicht zu bekommen haben wir am ersten Tag den Cahuita Nationalpark besucht. Er beginnt direkt neben dem Örtchen, etwa 2 km von unserer Unterkunft entfernt, und ist einer der meistbesuchten Nationalparks Costa Ricas. Da wir ausgerechnet an einem Brückentag da waren, hat Andrea uns vorgewarnt, dass es gerade am Anfang des Parks wie im Schwimmbad zugehen würde. Tatsächlich waren da einige Leute, aber im Vergleich zu den Stränden in Kolumbien und Panama war es selbst in der Nähe des Eingangs angenehm entspannt.

Nahe des Parkeingangs

Ein wunderschöner Weg zieht sich durch den gesamten Park entlang der Küste. Auf der einen Seite sieht man meistens die schönen Strände und das Meer, auf der anderen dichten Regenwald. Die Bewohner sind alles andere als scheu und bereits kurz hinterm Eingang wurden wir von Kapuzineräffchen begrüßt. Je weiter man lief, desto weniger Menschen waren unterwegs.

Die Äffchen sehen harmlos aus, klauen aber schlimmer als bei uns die Elstern
Schöner Weg durch den Regenwald
Überall gab es kleine, einsame Strände an denen man baden konnte

Spätestens nachdem wir einen kleinen Fluss voller Bleistiftfischen durchwatet hatten, war fast niemand mehr unterwegs. Das fanden wir so gut, dass wir uns an einem einsamen Strand mit einer Badepause belohnt haben. Das Wasser war herrlich.

Niko beim Durchwaten des kleinen Flusses
Danach war auch klar, wieso Bleistiftfische so heißen
… und blaue Krebse blaue Krebse
Diese schöne Stelle haben wir uns zum Baden ausgesucht

Gut erholt sind wir dann bis zur Spitze der Landzunge, dem Punta Cahuita, gelaufen. Wegen der langen Badepause kamen wir erst nach 14 Uhr dort an. Leider wird der weitere Weg dort um 14 Uhr geschlossen, da der Park bis zum Einbruch der Dunkelheit kurz vor 18 Uhr verlassen werden muss. Daher mussten wir den gleichen Weg wieder zurück. War aber auch nicht schlimm, da wir am Ende des Tages auch so über 12 km gelaufen sind. Ganz schön viel für einen Tag am Strand, wie wir finden. Natürlich haben wir auch auf dem Rückweg noch eine Badepause eingelegt und viele weitere Tiere zu Gesicht bekommen. Leider keine Yellow Eyelash Viper, für die der Park eigentlich bekannt ist. Sie ist eine der giftigsten, aber auch schönsten Schlangen Costa Ricas. Wir mussten uns mit einem Foto zufrieden geben, das uns einer der Ranger gezeigt hat.

Abendstimmung im Park
Auf dem Nachhauseweg durch Cahuita, etwa 2,5 km von Andreas Cabinas entfernt

Andrea ist sehr hilfsbereit und hat Samuel mit Rebecca zum Kräuterholen geschickt, als diese nach unserem Ausflug in den Nationalpark an den Beinen zwei riesige rote Quaddeln bekam und sich deren Herkunft nicht erklären konnte. Eventuell saß sie auf einer Bank auf etwas, was ihren Beinchen nicht gut tat. Niko geht von einer giftigen Raupe aus, die kurz vorher über die Bank gekrabbelt sein musste.

Rebecca bei ihrer Kräuterkur
War das die Schuldige?

Am nächsten Morgen waren die Flecken zwar nicht weg, aber schon nicht mehr ganz so rot und dick. Die Kräuter scheinen also tatsächlich geholfen zu haben. Naturheilverfahren werden in Costa Rica immer noch groß geschrieben. Viele Kinder würden bereits wissen, welche Pflanze man gegen welche Krankheit einsetzen könnte, so Samuel. Schwarze und Indios würden zum Beispiel auf die Armeeameise schwören. Diese kann man nicht nur in seinem Haus als natürliche Putzkraft einsetzen, die Hausstaub und Kakerlaken vertilgt, sondern auch auf Wunden setzen. Die Ameise zieht dann die Haut zusammen. Für diese Arbeit dreht man ihr als Dank den Kopf ab und sie gibt ein desinfizierendes Sekret ab. Muss aber höllisch weh tun und wir passen bei unseren Machetenspielchen lieber auf uns keine Kratzer zuzuziehen.

Die Beinchen waren am nächsten Tag etwas besser, aber immer noch nicht gut
Der Agouti hat von den juckenden Beinen kurz ablenken können

Blöderweise werden Rebeccas Quaddeln trotz Kräuterkur immer dann wieder stärker, wenn sie läuft. Die restlichen Tage in Cahuita haben wir daher mit möglichst wenig laufen verbracht. Die meiste Zeit waren wir entweder an unserer Hütte und haben Tiere beobachtet oder am Strand, der auch nur 200 Meter weit weg war. Dort gab es schwarzen Sand, tolle Wellen und kaum Leute. Die Strömung war zwar zu stark, um sicher schwimmen zu können, aber zum Abkühlen und in den Wellen rumturnen hat es trotzdem gereicht. Insgesamt waren die Strände in Cahuita so ziemlich die besten, die wir bisher auf der Reise gesehen haben.

Der menschenleere, schwarze Strand in der Nähe unserer Hütte
Die Wellen waren fantastisch
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