​Pura Vida

Das öffentliche Fernbussystem Costa Ricas ist nicht besonders gut ausgebaut. Fast egal wo man im Land hin will, muss man zuerst nach San José, der Hauptstadt, um dort dann in den passenden Bus umzusteigen. Da das je nach Strecke mehrere Stunden Umweg bedeutet, haben sich private Transportunternehmen darauf spezialisiert, die Lücken im System zu schließen. Dafür lassen sie sich fürstlich mit Fahrpreisen belohnen, die locker das zehn- bis zwanzigfache der öffentlichen Busse betragen können. Trotzdem haben wir für unsere Reise von Cahuita, das im Südosten liegt, nach La Fortuna im zentralen Norden Costa Ricas so einen Shuttle genommen, da uns 6 Stunden Fahrt immer noch lieber waren als deutlich über 10 (unsere aktuelle Reiseroute gibt es wie immer hier).

La Fortunas Stadtbild wird von zwei Vulkanen geprägt, die direkt neben der Stadt liegen. Zumindest dann, wenn man sie sehen kann, da sie mindestens die Hälfte der Zeit von Wolken oder Nebel verdeckt sind. Arenal, der größere von beiden, ist 1968 ausgebrochen und hat seitdem kontinuierlich Lava und Asche gespuckt. Was für ein Glück für das kleine Dörfchen La Fortuna, das vorher vermutlich noch nicht mal die meisten Ticos kannten. Durch die Vulkanshow wurde es praktisch über Nacht zu einem der beliebtesten Reiseziele Costa Ricas. Was für ein Schock muss es da gewesen sein, als der Vulkan vor etwa 6 Jahren plötzlich aufgehört hat, Lavaströme ins Umland zu schicken! Die Touranbieter im Ort haben sich aber recht schnell angepasst und die Stadt ist nach wie vor sehr beliebt bei Touristen. Nur auf die nächtlichen, rotglühenden Lavaströme muss man halt verzichten.

Oft sah La Fortuna so aus
Die Vulkane Cerro Chato (links) und Arenal (rechts) ließen sich aber auch öfter blicken

Auch wenn der Arenal momentan ruhig ist, macht uns ein anderer Vulkan in Costa Rica mehr Sorgen. Wie wir auf dem Weg nach La Fortuna gehört haben, ist der Turrialba nämlich gerade ausgebrochen. Er ist nur 30 Kilometer von San José entfernt, weswegen der Flughafen zumindest zeitweise geschlossen werden musste und die Stadt von einer Ascheschicht bedeckt ist. Am 3. Oktober wollen wir von dort nach Mexiko fliegen. Wir hoffen, dass er sich bis dahin wieder einigermaßen beruhigt hat…

An unserem ersten Morgen in der Stadt war Fortuna leider zunächst nicht mit uns, da es in Strömen geregnet hat. Es ist immer noch Regenzeit und das heißt, dass es mindestens einmal am Tag auch regnen wird. Dadurch waren weniger Touristen da und die Preise deutlich günstiger, aber der tägliche Regen gehört dazu. Als er etwas nachgelassen hatte, haben wir uns kurz das Städtchen angeschaut. Das war nach zehn Minuten erledigt und da es immer noch mehr oder weniger trocken war, haben wir beschlossen, die sechs Kilometer zu dem größten Wasserfall der Gegend zu wandern. Die Vulkane waren leider nicht zu sehen. Natürlich hat es unterwegs wieder angefangen zu regnen, aber wir hatten zum Glück an unsere Regenponchos gedacht.

Endlich nach langem steilen Anstieg beim Eingang zum Wasserfall angekommen, war es auch wieder trocken. Oben gibt es eine Aussichtsplattform, von der aus man sehen kann, wie riesig der Wasserfall eigentlich ist: fast 75 Meter tief fällt das Wasser.

Der Wasserfall von der oberen Aussichtsplattform
Der Parkwächter war nett und hat uns ein Selfie erspart

Um zum Wasserfall selbst zu kommen, mussten wir fast 500 Stufen wieder nach unten. Dort wurden wir von einem sehr netten Wächter begrüßt, der uns aufgeklärt hat, was wir machen dürfen. Er hat uns sehr nahe gelegt, im Badeloch, in das der Wasserfall fällt, schwimmen zu gehen. Es wäre am Anfang zwar etwas kalt, aber wenn man einmal drin ist, ginge es. Bei ¨etwas kalt¨ war für Rebecca klar, dass sie es nicht versuchen würde. Niko war hingegen in Abenteuerlaune und hat sich in die Fluten gestürzt. Tatsächlich war es erstmal frisch, aber mit etwas Bewegung auch nicht so kalt wie erwartet. Man darf zwar nicht in die Nähe des Wasserfalls schwimmen oder tauchen, da immer mal wieder Äste oder Steine runtergespült werden. Aber auch so war es ein tolles Erlebnis.

Auf dem Weg nach unten
Niko kämpft sich in die Fluten
Sehr erfrischend nach der Wanderung
Flussabwärts gab es auch noch ein zweites Badeloch…
…für die, die es eher besinnlich mögen
Das ganze war mitten im Regenwald eingebettet

Den Wasserfallwächter haben wir abends beim Einkaufen in der Stadt wiedergetroffen. Wie in Costa Rica üblich, hat er uns an der Kasse wieder in ein Pläuschchen verwickelt. Die Ticos scheinen das Leben zu genießen und nicht so ernst zu nehmen wie wir. Kein Wunder, dass ¨Pura Vida¨ (in etwa „das wahre Leben“) DAS Motto Costa Ricas ist. Es prangt von Käppis, T-Shirts und Postkarten und oft wird man mit Pura Vida verabschiedet oder ein ¨gern geschehen¨ oder ¨danke¨ wird dadurch ersetzt. In jedem kleineren Laden werden wir ausgefragt, woher wir kommen, wie lange wir schon in Costa Rica sind und man heißt uns noch einmal offiziell herzlich willkommen. So fühlen wir uns in diesem Land auch wirklich willkommen, denn auch am nächsten Tag erinnert man sich noch an uns, ein kleines Pläuschchen wird gehalten und wir fühlen uns gleich nicht mehr wie Touristen. So ticken also die Ticos! Dass soviele Ausländer in Costa Rica für immer gestrandet sind, wundert uns nicht mehr. Wir werden allerdings nicht dazu gehören.

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