​Sex in the Hot Spring

Der kleinere der beiden Vulkane in La Fortuna, Cerro Chato, ist erloschen und kann bestiegen werden. Dies hatten wir uns für den zweiten Tag vorgenommen. Um nicht ganz alleine hochlaufen zu müssen und in der Hoffnung, dadurch ein paar mehr Tierchen zu Gesicht zu bekommen, haben wir eine Tour gebucht. Dass die geführte Tour die einzige Motivation bei dieser Wanderung durchzuhalten sein würde und wir sie sonst in dieser Art bestimmt nicht gemacht hätten, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Als wir im Bus zum Startpunkt der Wanderung gefahren wurden, hat uns unser Guide darauf vorbereitet, was uns erwartet: ¨Es wird sehr, sehr schwer und anstrengend. An manchen Tagen brechen über die Hälfte der Teilnehmer unterwegs ab.¨ Wir sind beide schon viel und oft gewandert, aber das war tatsächlich eine der anstrengendsten Wanderungen, die wir jemals gemacht haben. Sie beginnt auf etwa 300 Metern Höhe und von da an geht es bei 80-90% Luftfeuchtigkeit steil bergauf zunächst über eine Wiese, dann über matschige Wege, Baumwurzeln und hohe Stufen, die man erklimmen musste, hinweg. Als der Regenwald anfing, führte die natürliche Klimaanlage wenigstens zu etwas Abkühlung.

Der Cerro Chato von unserem Balkon aus: sieht gar nicht so schlimm aus. Man erkennt schön, wieso er auch der schlafende Indianer genannt wird.
Anfangs ging es noch in Reih und Glied
Solche Wurzelstufen waren die ganze Zeit im Weg
Der Weg nach oben: wenn Blicke töten könnten, wäre dieser Blogbeitrag nie entstanden

In einer laut unserem Führer sehr guten Zeit von 1 Stunde 45 Minuten waren wir schweißgebadet auf dem Rand des Vulkans in 1180 Metern Höhe angekommen. Von dort hatte man einen herrlichen Blick über die grüne Lagune, die sich im Schlot gebildet hat.

Die grüne Lagune: da hatte Rebecca noch die Hoffnung, dass das schlimmste jetzt vorbei ist
Der Vulkan ist seit Jahrtausenden erloschen und mit Wasser vollgelaufen

Natürlich wollten wir es nicht nur bei einem Blick belassen und sind an der Innenseite des Kegels nochmal 150 Meter tief abgestiegen bis wir die Lagune erreicht haben. Einige unserer Begleiter haben sich sogleich hinein gestürzt, aber wir haben es dabei belassen uns über die mitgebrachten Sandwiches herzumachen und uns die Füße von den kleinen Fischchen in der Lagune sauber fressen zu lassen.

In der Lagune kann man auch schwimmen
…oder sich von den Fischen die müden Füße sauber machen lassen

Nach einer halben Stunde Pause ging es über den gleichen Weg wieder die 150 Meter – teilweise fast senkrecht – nach oben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Rebecca Niko schon mehrfach dafür verflucht, sie zu dieser Wanderung überredet zu haben (das will Niko zumindest an Rebeccas leidendem Gesichtsausdruck erkannt haben). Dabei kam jetzt erst der Abstieg auf der anderen Seite, der fast anstrengender war als der Aufstieg, aber laut der Guides ging es jetzt nur noch um ¨Fun¨. Wer noch mehr Spaß haben wollte, schloss sich also der schnelleren Truppe für den Weg nach unten an. Wieder war es sehr matschig, glitschig und hohe Stufen über Baumwurzeln mussten springend genommen werden. Niko hat sich sehr an sein Sprungtraining bei den Fallschirmjägern erinnert gefühlt. Rebecca hingegen konnte ihn irgendwann – kurz vorm Ende ihrer Kräfte und nach vier Stunden Kraxelei- nur noch mit flehender Miene fragen, ob sie in seinen Rucksack krabbeln und oben raus gucken dürfe. Sie hat es dann aber doch noch auf eigenen Beinen geschafft. Tatsächlich hat niemand aus unserer Gruppe die Wanderung abgebrochen. Es gab zwar ein Pärchen, das meist weit zurück lag, es aber trotzdem im etwas langsameren Tempo geschafft hat. Dass es ¨hard¨ werden würde, war auch einer Engländerin gesagt worden, aber nicht, dass es ein ¨extreme hike¨ über Stock und Stein werden würde. Mit solch einer abschreckenden Warnung würden die Tourenanbieter aber wahrscheinlich auch weniger dieser Tortouren verkaufen.

Die Innenseite des Kraters war steiler als es auf dem Foto aussieht
Und der Abstieg auf der anderen ein ganz schönes Hüpfen

Glücklicherweise ging der Abstieg mit knapp einer Stunde immerhin schneller als der Aufstieg. Unten angekommen wurden wir damit getröstet, dass die restlichen 1,5 Stunden, die noch vor uns lagen, zumindest über mehr oder weniger flaches Terrain gingen. Damit aber auch dies nicht allzu entspannend wurde, fing es genau dann an in Strömen zu regnen und hat bis abends auch nicht mehr aufgehört. In La Fortuna regnet es wie gesagt jeden Tag, daher war es nicht wirklich eine Überraschung und immerhin haben wir den Vulkan trocken überstanden. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie viel rutschiger die Wege bei Regen gewesen wären, denn schon so sahen wir abends aus wie Sau. Außerdem war Niko mit seinem neuen Regenponcho gut vorbereitet. Bei Rebecca regnete es rein, machte aber am Ende des Tages auch keinen Unterschied mehr.

Gequältes Lächeln im Regen
Niko mit neuem stylischen Regenponcho vor dem dampfenden Vulkan. Nur an seiner Ohrhaltung muss er noch arbeiten.

Vorbei ging es an einem Wasserfall, in dem wir dieses Mal nicht schwimmen waren, weil wir bei dem Regen nie wieder trocken geworden wären, über zwei Hängebrücken, an einem Froschteich vorbei zum Vulkanmuseum. Dort wurden wir von unserem Bus wieder eingesammelt und zur Belohnung zu den heißen Quellen gefahren, die es in der Gegend zuhauf gibt.

Ein schöner Wasserfall…
… aber wir waren nicht schwimmen
Ein paar Scherzkekse sind auf der Hängebrücke gesprungen. Entsprechend hat sie gewackelt.
Im Regen lässt es sich besonders gut quaken

Was für eine Wohltat für unsere geschundenen Muskeln! Leider war es zu dem Zeitpunkt schon stockdunkel, so dass es keine Fotos gibt. Wir mussten uns im Bus ausziehen und anschließend halbnackt im Regen mehrere Hundert Meter im Dunkeln über die Straße und einen kleinen Weg laufen, bis wir die Quellen erreicht hatten. Das Wasser war mit 40 Grad sehr angenehm warm und unter einem kleinen Wasserfall konnte man sich auf natürliche Art massieren lassen. Zusätzlich gab es noch eine Runde Cocktails von unseren Guides. Die Cocktails waren lecker und hießen, wie sollte es auch anders sein, ¨Sex in the Hot Spring¨. Während Niko sich vom Wasserfall massieren ließ, hat sich Rebecca von Wilmer, einem der Guides, eine Schlammpackung ins Gesicht schmieren lassen. Er erzählte ihr von seinem Urlaub in München vor einigen Jahren und konnte kaum glauben, dass es in Deutschland auch mal warm wird. Leider hatte er damals im Juli bei etwa 10 Grad Tagestemperatur etwas Pech mit dem Wetter. Lustig fand Rebecca, als er sie fragte, ob Deutschland sehr trocken sei, wenn es doch bei etwa 600 mm Regen pro qm nur einen Bruchteil von Costa Rica regnet (etwa 4000 mm). 
Nach einer Stunde waren wir so tiefenentspannt, wie man nach so einer Wanderung halt sein kann und es ging nach fast 11 Stunden Tour nach Hause. Dort angekommen war gerade noch genug Kraft, um etwas zu essen zu kochen und danach ins Bett zu fallen… Trotz der Entspannung in den heißen Quellen konnten wir uns am nächsten Tag kaum noch bewegen und haben die Wohnung nur einmal kurz zum Eis essen verlassen.

Am nächsten Tag hat sich der Arenal zur Belohnung in seiner ganzen Pracht gezeigt
Und wir haben tierischen Besuch bekommen
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