Cenoten-Hopping in Valladolid

Wir sind weiter auf den Spuren der alten Mayas gewandelt. Als Basis für unsere nächsten Ausflüge hatten wir uns Valladolid, eine alte spanische Kolonialstadt knapp zwei Stunden von Tulum entfernt, ausgesucht. Dort angekommen wurden wir am Busbahnhof von unserer Vermieterin Leonor und ihrem Mann abgeholt. Das sollte auch nicht das einzige Mal bleiben, dass wir von den beiden durch die Gegend kutschiert wurden. Immer wenn wir irgendwo hin wollten, haben sie angeboten uns zu fahren. Und nicht nur das. Bei der Ankunft in Leonors Gartenhäuschen, also unserer neuen Bleibe für die nächsten Tage, erwartete uns ein voller Kühlschrank mit Essen und Getränken – gratis. Sowas hatten wir bisher noch in keiner Unterkunft.

Das Haus von Leonor. Im Gartenhäuschen dahinter haben wir gewohnt.
Unsere Straße, hier wohnt wahrscheinlich mexikanischer Mittelstand. Waren ein paar schöne Häuschen dabei.

Rebecca hat sich an einem Nachmittag sehr nett mit Leonor unterhalten, als ihr Mann gerade auf unser Gartenhausdach kletterte und sich die Katzenfamilie ansah, die sich unter dem Wassertank eingenistet hatte. Zwei der kleinen Babykätzchen waren mehrere Male in den kleinen ¨Winter¨garten im Inneren unseres Häuschens gefallen und haben dort bitterlich geweint. Aus diesem Wintergarten wuchs ein Orangenbaum heraus. Leonors Mann gab Rebecca eine dieser Orangen zum Probieren. Er hatte die Schale abgeschnitten und in das Innere etwas Salz geschüttet, nun sollte sie die Orange zusammendrücken und den Saft herauspressen. Köstlich. Ein süß-bitteres Aroma, welches normalerweise zum Marinieren von Fleisch benutzt wird. In Mexiko gibt es unzählige Zitrusfrüchte, die wir in Deutschland natürlich niemals zu Gesicht bekommen. Leonor wollte dann auch etwas über die deutsche Küche wissen. In ihrer Heimatstadt Mérida sind viele Deutsche ansässig, die jährlich ihr Oktoberfest mit Würstchen, Eintöpfen und handgearbeiteten Spielzeugen feiern. Da dies ihre Idee von Deutschland ist, würde sie sich bestimmt beim Anblick der Imbisse und Restaurants aus aller Welt in einer deutschen Großstadt wundern. Leider hat sie auch über die Perspektivlosigkeit der mexikanischen Jugend erzählt, die trotz guter Ausbildungen keine Arbeit findet und deren Traumziel immer noch die USA sind. Wenn sie über die jetzige politische Situation Mexikos mit einer Menge Korruption nachdenkt, macht sie sich große Sorgen, dass es mit Mexiko beim nächsten Machthaberwechsel ähnlich bergab wie in Venezuela gehen könnte.

Eines der Babys beim erfolglosen Fluchtversuch. Wir mussten nachhelfen.

Da es bei unserer Ankunft gerade mal früher Nachmittag war, haben wir beschlossen, den Tag noch zu nutzen und einige der Cenoten in der Gegend um Valladolid zu besuchen. Eine davon liegt praktischerweise direkt in der Stadt, nur wenige Blocks von unserem Haus entfernt. Wir mussten aber nicht durch die Mittagshitze laufen, da wir natürlich von Leonors Mann gefahren wurden. Die Cenote Zaci ist recht groß, aber wir fanden das Wasser nicht so einladend und haben aufs Schwimmen verzichtet.

Die Cenote Zaci von vorne…
… und von hinten

Ganz anders sah es bei den nächsten beiden Cenoten Xkekén und Samulá aus. Die beiden sind scheinbar noch recht jung, so dass nur ein ganz kleiner Teil der Kalksteindecke eingestürzt ist. Im Wesentlichen sind es also Seen in einer Höhle mit kleinem Loch in der Decke. Da wir erst nachmittags da waren, stand die Sonne nicht mehr hoch genug, um direkt in die Cenote zu scheinen. Das gibt wohl besonders tolle Lichteffekte. Aber auch so war es, auch dank Beleuchtung, noch hell genug zum Schwimmen. Das Wasser war kalt, aber bei der Hitze auch sehr erfrischend. Kurz bevor wir in Samulá ins Wasser wollten, fing draußen plötzlich ein kräftiges Gewitter an. Sobald es draußen blitzt, darf man nicht mehr in den Cenoten schwimmen. Wieso ist uns nicht ganz klar, da der Blitz ja kaum durch das kleine Loch in der Decke einschlagen würde. Wir befürchteten schon, dass wir um unser Badevergnügen gebracht werden, da war das Gewitter auch schon wieder vorbei und wir konnten uns in die Fluten stürzen. Das Wasser war noch etwas kühler als in Xkekén, so dass es für Rebecca bei ein paar sehr kurzen Schwimmzügen blieb.

Die Cenoten waren leider etwas zu dunkel für unsere Kamera. Hier sieht man Rebecca beim Schwimmen in Xkekén.
Noch hat er gut lachen vor dem Abstieg in die Unterwelt…
Samulá hatte ein etwas größeres Loch in der Decke.

Abends haben wir uns zu Fuß auf den Weg ins 15-20 Minuten entfernte Stadtzentrum gemacht. Um den zentralen Park mit der alten, sehr schönen spanischen Kirche konnte man in den kühleren Abendstunden wunderbar schlendern und an den Ständen im Park gab es leckere Naschereien. Maya-Crêpes oder Marquesitas, hatten uns besonders zugesagt. Sie werden ähnlich wie unsere Crêpes gemacht, aber viel dünner und knuspriger in einer Stahlpresse gebacken.

Die wunderschöne Kirche in Valladolid. Da waren selbst wir versucht an einem der täglichen Abendgottesdienste teilzunehmen.
Wer von beiden wohl der Verrücktere ist?
Niko besorgt uns einen leckeren Maya-Crêpe
Abendstimmung in der Altstadt

Und hier noch ein paar Straßenimpressionen:

Maya-Frau beim Halloween-Shopping
Kleiner Altar zwischen Gewürzen und Frischfleisch
Auch vor den Geschäften wird das junge Gartengemüse an den Mann gebracht
Medizin ebenfalls
Richtige Apotheken hatten vor allem regen Zulauf
Denn Hauptsache man ist gesund, bevor man in die Titanic steigt
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