​Auf Wilsons Spuren

Um der Langeweile in unserem Luxusresort zu entkommen, hatten wir einen Bootstrip zu einigen der kleineren Inseln geplant. Leider hat Rebecca nichts aus Nikos Fehlern in Mexiko gelernt und sich am Abend davor an extrem scharfem indischem Essen versucht. Sie hat zwar immer damit geprahlt, dass sie soviel scharfes Essen vertragen kann, bis sie Feuer spuckt, aber pünktlich zur geplanten Abfahrt hing sie auf dem Klo fest und wollte den Tag lieber nicht auf zwei wackelnden Booten verbringen. Niko konnte in der Zwischenzeit zum Glück mit den netten Leuten von der Bootsfirma aushandeln, dass wir die Tour einfach auf den nächsten Tag verschieben durften. Tatsächlich war am nächsten Tag das Wetter deutlich besser, so dass sich die Verschiebung sogar noch bezahlt gemacht hat.

Von Denarau Island sind wir zunächst mit einem schnellen Katamaran an mehreren Resortinseln wie South Sea und Treasure Island vorbei zur Mana Island gefahren worden (Reiseroute). Die Resortinseln sind teilweise echt winzig, sehen aber genauso aus wie man sich Fidschi (und das Paradies) so vorstellt.

South Sea Island heißt nicht ohne Grund so
Mit kleinen Booten wurden die Besucher von unserem Katamaran abgeholt und zur Insel gebracht, wo schon die Begrüßungskapelle wartete
Wenn man auf lange Strandspaziergänge steht, muss man auf einigen der Inseln schon ziemlich oft im Kreis gehen…

Vor Mana Island sind wir auf unser eigentliches Boot, die Seaspray, umgestiegen. Sie ist ein über 80 Jahre alter Segelschoner, der sogar in den 1960ern schon mal die Hauptrolle in einer Fernsehserie gespielt hat (¨The Adventures of the Seaspray¨). Heute schippert sie nur noch zur Touristenbelustigung durch die Gegend. Leider war das Hauptsegel gerade kaputt, daher waren wir den ganzen Tag mit Motor unterwegs.

Die Seaspray, kurz bevor wir sie geentert haben
Die Stimmung an Bord war super
Musikalische Begleitung durch die Crew, wenn sie gerade nichts anderes zu tun hatte

Andererseits waren wir so auch schneller an unserem ersten Ziel, der Insel Monuriki. Bekannt geworden ist sie als die Insel, auf der Tom Hanks in ¨Castaway – Verschollen¨ verschollen ist. Seit er und Wilson, sein Volleyball, ausgezogen sind, ist sie wieder unbewohnt. Nur einmal am Tag kommt die Seaspray mit einer Horde Touristen wie uns vorbei. Die Insel ist von einem kleinen Korallenriff umgeben, an dem wir schnorcheln konnten. Das war mit Abstand die beste Schnorchelerfahrung auf unserer bisherigen Reise. Es gab sehr viele Fische in allen möglichen Farben zu sehen. Anschließend sind wir zur Insel geschwommen und ein bisschen am Strand vorbei spaziert. Irgendein Witzbold hatte dort mit Kokosnüssen ¨HELP ME¨ auf den Strand geschrieben. Vermutlich ist das kein Überbleibsel von Tom.

Vorne am Strand waren wir spazieren, leider ohne Kamera
Schnorcheln konnte man fantastisch
Wenn man genau hinsieht entdeckt man den Hilferuf aus Kokosnüssen

Die Insel ist so traumhaft wie sie im Film rüberkommt und daher ging unsere Zeit dort viel zu schnell vorbei. Zurück auf der Seaspray gab es als kleinen Trost immerhin erstmal leckeres Mittagessen vom Grill. 

Der Chef bei der Arbeit
Der andere Chef beim Essen

Während wir gegegessen haben, ist das Schiff schon langsam weiter zur Nachbarinsel gefahren. Im Gegensatz zum Film liegt Monuriki nämlich keineswegs entfernt jeglicher Zivilsation, da mindestens ein halbes Dutzend anderer Inseln in Sichtweite sind. Yanuya, unser nächster Halt, beherbergt ein kleines Fidschi-Dorf mit immerhin 500 Einwohnern. Normalerweise wird die Seaspray vom Häuptling mit einer Kava-Zeremonie begrüßt. Wir waren allerdings sonntags da und sonntags hat der Häuptling scheinbar frei bzw. muss sich vom Kavarausch der Nacht zuvor erholen. Kava ist ein Getränk, das aus einer Wurzel gewonnen wird und für Fidschianer extem große rituelle Bedeutung hat. Wir haben es auch einmal probiert. Es sieht aus wie schlammiges Wasser und schmeckt auch so ähnlich. Bereits nach den ersten Schlucken betäubt es die Zunge. Wenn man zuviel trinkt wird man sehr müde und träge. Das konnten wir im Dorf beobachten, da die meisten Leute einfach nur rumlagen und sich kaum bewegten. Im Dorf ist Alkohol verboten und deshalb trinkt man hier samstagabends nur Kava.

So wohnt man in einem Fidschidorf
Immerhin mit Solarzellen. Und diese Posen haben sich die beiden bestimmt im Internet abgeguckt.
Bula, rief man uns schon von weitem entgegen
Rebecca am Strand vorm Dorf
Überall schliefen die Kava-Leichen…
… was die Kinder freute

Zurück auf der Seaspray durften wir nochmal kurz ins Meer springen, um uns abzukühlen. Während wir in der Karibik das tollste türkisfarbene Wasser gesehen haben, ist es in Fidschi ein mindestens ebenso beeindruckendes klares königsblau. Zurück auf Mana Island fing es pünktlich zum Ende des Ausflugs so richtig an zu schütten und hat auch bis zum nächsten Morgen nicht mehr aufgehört. Gerade noch mal Glück gehabt.

Perfekter Abschluss eines perfekten Tages

Der nächste Morgen war auch schon unser letzter in unserem Luxusresort, da wir die letzte Nacht auf Fidschi in einer Airbnb-Unterkunft in der Nähe des Flughafens verbracht haben. Wir hatten ein eigenes Apartment direkt unter der Wohnung unserer Vermieter. Ihre Vorfahren stammen aus Indien und so wurden wir auch mit sehr leckerem indischem Essen verwöhnt. Neben dem leiblichen Wohl wollten sie uns außerdem davon überzeugen, dass wir viel zu kurz auf Fidschi waren (als ob wir davon überzeugt werden mussten) und haben uns zu einigen Sehenswürdigkeiten in der Gegend gefahren. So haben wir ein weiteres Dorf der eingeborenen Fidschianer besucht. Wie wir von unserem Führer in dem Dorf Vuda und unseren Vermietern gelernt haben, gibt es ziemlich große Unterschiede zwischen den Rassen in Fidschi. Die Vorfahren unserer Vermieter sind schon vor über 120 Jahren nach Fidschi gekommen, trotzdem gelten sie noch nicht als echte Fidschianer. Insbesondere dürften sie beispielsweise nicht in Vuda wohnen. Die indigenen Fidschis besitzen das ganze Land, das die indischstämmigen Einwohner nur zeitweise pachten dürfen.

Unser Führer in der Kirche von Vuda, kurz bevor er Amazing Grace anstimmte

Leider hatte es wieder angefangen zu regnen, so dass es bei den folgenden Sehenswürdigkeiten größtenteils bei einem kurzen Blick aus dem Auto blieb. Direkt am Hang einer kleinen Gebirgskette namens Sleeping Giant gibt es einen schön angelegten Garten. Ganz in der Nähe liegen natürliche heiße Quellen, in denen man baden kann. Erst bei der letzten Station, dem Hindutempel in Nadi, hatte der Regen wieder aufgehört, so dass wir zumindest den auch von innen besichtigen konnten.

Nein, Niko ist nicht zum Hinduismus konvertiert

Zufälligerweise war am Vortag gerade Diwali, das hinduistische Lichterfest. Das wird ähnlich gefeiert wie bei uns Silvester, also mit großem Feuerwerk. Da es am Vortag abends zu stark geregnet hatte, haben die Hindus das ganze einfach eine Nacht später nachgeholt. Von der Dachterasse hatten wir einen tollen Blick über die Stadt und das Feuerwerk. Nur an Schlaf war wegen der Knallerei nicht zu denken. Da wir schon um 6 Uhr am Flughafen sein mussten war unsere letzte Nacht in Fidschi daher leider eine sehr kurze.

Von der Dachterrasse hatte man einen hervorragenden Blick über die Stadt und das Feuerwerk
Unsere Gastgeberin, das leckere Essen und wir

Wobei das eigentlich für unsere gesamte Zeit dort gilt. Rebecca wollte unbedingt noch ein paar Nächte in einem Dorf verbringen und Niko wollte gerne noch einige andere Inseln sehen. Wir hätten also locker noch mindestens eine Woche gebraucht. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund hatten wir aber bei der Flugbuchung scheinbar einen kleinen Blackout und haben uns für viel zu wenig Tage entschieden. Somit kommt ein weiteres Land auf unsere Urlaubs-to-do-Liste. Verdammt blöd nur, dass man für die Anreise von Deutschland aus mehr als einen vollen Tag benötigt. Andererseits ist Fidschi auch ein sehr teures Reiseland, genau genommen das zweitteuerste nach den USA auf unserer bisherigen Reise. Wir sind mit Tagesausgaben von knapp 89 Euro zwar unter unserem Budget von 116 Euro geblieben. Aber auch nur deshalb, weil wir bis auf die letzte Nacht nicht für die Unterkunft zahlen mussten. Hätten wir das Hotel selbst gezahlt wären die Tagesausgaben ein vielfaches gewesen.

Der Sleeping Giant im Abendlicht: ein wehmütiger Abschied
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