Auferstanden aus Ruinen: Christchurch

In Neuseeland wollten wir mal etwas – zumindest für uns – neues ausprobieren: einen Roadtrip im Camper. Wir haben den guten Tipp bekommen einen solchen Trip auf jeden Fall in Christchurch auf der Südinsel zu beginnen und in Auckland zu beenden. Die meisten Touristen fahren nämlich genau in die umgekehrte Richtung und da die Camper ja irgendwie wieder zurück nach Auckland müssen, bekommt man für die Süd- nach Nordrichtung sehr viel bessere Angebote. Im Prinzip können wir das bestätigen, aber da wir erst relativ spät wussten, wann wir genau in Neuseeland sein würden, hat sich die Suche nach einem passenden Camper recht schwierig gestaltet, da viele schon ausgebucht waren. Nach langer Suche haben wir aber doch noch zwei gefunden, die zu unseren Vorstellungen passen. Den ersten haben wir für etwa drei Wochen zur Erkundung von Neuseelands Südinsel; den zweiten bekommen wir gleich im Anschluss und wir werden uns mit ihm auf den Weg zur Nordinsel machen, um unsere Neuseelandreise schließlich in Auckland zu beenden. Ein einziger wäre uns lieber gewesen, da wir dann nicht nochmal zum Tausch nach Christchurch müssten, aber letztlich sind wir dankbar überhaupt noch einen fahrbaren Untersatz bekommen zu haben.

Unseren ersten Camper konnten wir erst drei Tage nach unserer Ankunft in Christchurch abholen. Dadurch hatten wir etwas Zeit die Stadt intensiver zu erkunden. Wir haben wieder ein gutes Airbnb-Haus gefunden. Dave, unser Vermieter, ist Journalist im Ruhestand und ein waschechter Kiwi. Er konnte uns eine Vielzahl guter Tipps für den Roadtrip mit auf den Weg geben. Allerdings kann er von der Rente allein nicht so gut leben und hat sich daher noch einen Nebenjob auf einem Markt besorgt. Deswegen ist er meistens schon morgens um 5 Uhr aus dem Haus und abends entsprechend früh ins Bett, so dass wir ihn an den letzten beiden Tagen gar nicht so lange zu Gesicht bekommen haben.

Unser Zuhause in Christchurch

Die Stadt Christchurch ist klein, übersichtlich und immer noch ziemlich kaputt. Die beiden Erdbeben, durch die sie zerstört wurde, sind zwar schon gut 6 Jahre her, aber viele Gebäude sind noch nicht wieder aufgebaut. Zumindest sind die meisten kaputten Häuser mittlerweile abgerissen, aber man sieht auch noch genügend Trümmerhaufen, die oft sogar zum Verkauf stehen. Ein prominentes Beispiel für einen solchen Trümmerhaufen ist die Kathedrale, deren Glockenturm das Erdbeben nicht überstanden hat. Ein Hauptgrund wieso der Wiederaufbau so schleppend läuft, ist laut Dave, dass viele Versicherungen nicht zahlen wollen oder können. Mindestens eine musste vom neuseeländischen Staat gerettet werden, da sie durch die Auszahlung der Versicherungssummen sonst in den Bankrott gerutscht wäre.

Auf den Brachflächen gibt es viele Kunstprojekte. Hier versucht Niko gerade sich an seine Klavierstunden zu erinnern.
Christchurchs Kathedrale wurde durch die Erdbeben fast komplett zerstört
Diese Hausfassade wird nur von ein paar Containern aufrecht gehalten, 6 Jahre nach dem Beben!
Dafür gab es einen sehr netten Biergarten direkt an den Containern
Kunscht
Kunscht
Und noch mehr Kunscht

Die Einwohner von Christchurch lassen sich aber nicht unterkriegen und versuchen das beste aus der Situation zu machen. Es dauert zu lange bis ein neues Einkaufszentrum gebaut wird? Dann stellen sie einfach ein paar Container mit Geschäften zusammen und nennen das ganze Re:Start Mall. Die ganzen Lücken zwischen den Häusern sind unansehlich? Dann werden sie einfach mit Kunstprojekten gefüllt. Oder mit Parkplätzen, so haben dann zumindest die Autofahrer was davon. Die alte Kathedrale aufzubauen wird zu teuer? Dann bauen sie einfach eine neue – aus Pappe. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man zwar, dass unter der Pappe Stahlträger versteckt sind, aber welche Stadt kann sonst schon von sich behaupten eine Cardboard Cathedral zu haben?

Links sieht man die Container der Re:Start Mall, hinten wird eine etwas Permantere gebaut
Christchurchs neue Cardboard Cathedral von außen…
… und von innen. Wir waren gerade zur Chorprobe da.

Der wunderschöne botanische Garten wurde vom Erdbeben verschont und hat uns so gut gefallen, dass wir ihn gleich an zwei Tagen besucht haben. Man bekommt einen schönen Vorgeschmack auf die Flora Neuseelands und wir konnten es kaum erwarten, die ganzen Farnwälder ¨in echt¨ zu sehen.

Wir kamen pünktlich zum Frühlingshöhepunkt und vollster Blütenpracht, Heuschnupfen inklusive.
Der Avon River fließt durch die Innenstadt von Christchurch
Wer zu faul zum selber paddeln ist, kann sich auch einen Fahrer mieten
Wir haben den wunderschönen Garten auch ohne Boot genossen.

Direkt neben Christchurch erheben sich die Port Hills, die den Hafen, der in Lyttelton liegt, von der Stadt trennen. Wenn man es sich einfach machen will, kann man mit einer Gondel hochfahren, um die fantastische Aussicht zu genießen. Wir haben den beschwerlicheren (aber deutlich günstigeren) Weg genommen und die Hügel zu Fuß erklommen. Der Weg war anfangs recht steil, aber wenn man erstmal den Kamm erklommen hat, wird man durch den Blick auf die Stadt auf der einen bzw. die Banks Peninsula und die Bucht von Lyttelton auf der anderen Seite mehr als entschädigt. In der Gondelstation auf dem Hügel haben wir uns mit Pommes noch kurz für den Abstieg nach Lyttelton gestärkt, um dann schnell vor dem aufziehenden Gewitter zu flüchten. Mehr als ein paar Tropfen haben wir zum Glück nicht abbekommen.

Wandern über die Port Hills
Im Hintergrund Lyttelton mit seinem Hafen
Blick auf Christchurch und das nahende Gewitter von der Gondelstation

Lyttelton ist ein sehr überschaubares Städtchen, das aber trotz oder vielleicht auch wegen des großen Hafens einen netten Charme hat. Vielleicht sind wir aber auch nur glücklich darüber, dort endlich mal nachmittags ein geöffnetes Café vorzufinden. Wenn man deutsche Öffnungszeiten gewohnt ist, wirkt Neuseeland nämlich gelegentlich wie eine ziemliche Servicewüste. Die meisten Geschäfte, selbst in den Einkaufszentren, machen spätestens zwischen 17 und 17:30 Uhr zu. Viele Cafés sogar schon früher. Natürlich gut für die Angestellten und sicherlich mit ein Grund dafür, dass das Arbeitsleben in Neuseeland als recht entspannt gilt. Für übermüdete Touristen wie uns kann das aber gelegentlich auch ziemlich Frust bedeuten, wenn man durch die halbe Stadt läuft nur um dann vorm fünften geschlossenen Café zu stehen.

Auf Neuseelands Südinsel ist man sehr weit weg von so ziemlich überall
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