Abel Tasman und Nelson: die Sonnenseite Neuseelands

Tag 120: Heute wollten wir endlich mal ein paar Stunden mit unserem Camper an der gleichen Stelle stehen, also nicht kreuz und quer durchs Land fahren so wie die letzten Tage. Während unser rollendes Zuhause sich also die Räder ausruhen konnte, hatten wir eine Wanderung durch den Abel Tasman Nationalpark geplant. Zuvor wollten wir schnell noch dumpen gehen, also Abwasser ablassen und Frischwasser auftanken.

So sieht dumpen aus

Normalerweise steht ein Frischwasserhahn neben jeder Dump Station, nicht aber in Motueka. Auch alle anderen Frischwasserhähne, die uns von der deutschen Mitarbeitern der i-Site, dem Fremdenverkehrsamt, das es in jedem kleinsten Dörfchen gibt, empfohlen wurden, standen auf einer grünen Wiese. Auf die kamen wir mit dem Auto nicht oder unser Schlauch war einfach zu kurz, wie man’s nimmt. Selbst auf unsere Übernachtungsstelle hatte uns die Mitarbeiterin wieder geschickt, aber auch dort wurde unser Schlauch einfach nicht länger. Niko war schon ganz verzweifelt vom vielen Hin- und Herfahren, denn seine Wanderung, auf die er sich so gefreut hatte, rückte immer weiter nach hinten im Tag. 

Irgendwann haben wir die Suche einfach aufgegeben und sind Richtung Nationalpark durch viele Weinfelder und kurvige Bergstraßen gefahren. Das kleine Örtchen Marahau bildet den Eingang zum Park. Hier kann man sich noch vor der großen Wanderung stärken oder aber ein Kajak mieten, mit dem man zu den Buchten paddeln kann. Leider sind die Buchten aber relativ weit von den Kajakstationen entfernt, so dass wir die 16 km hin und zurück lieber gelaufen sind.

Auf dem Abel Tasman Coastal Track
Der Weg geht von einer Bucht zur nächsten

Wir haben uns den Abel Tasman Coastal Track, einer der Great Walks Neuseelands, als Wanderweg ausgesucht, der die ganze Zeit über dem Meer durch Farnwälder an der Küste vorbeiführte. Zwischendurch gab es kurze, steile Wege, die zu einer Bucht hinunterführten, manche Strände konnte man wegen Flut aber nur schwimmend erreichen. Wir haben es beim von oben drauf gucken und staunen belassen.

Rebecca hat es sehr gefallen, da der Weg meistens flach war
An einer der Buchten

Unsere Mittagspause haben wir auf einem Aussichtsfelsen verbracht, allerdings wurde uns so schnell vom Sitzen kalt, dass es nur bei einer kurzen Pause blieb und wir uns schnell wieder warm laufen wollten.

Viele erkunden den Nationalpark auch per Kajak
Wie überall durfte auch hier der Farn, Neuseelands Nationalpflanze, nicht fehlen

Unser Nachtlager haben wir in Richmond romantisch hinter einer Recyclingfabrik aufgeschlagen. Wir hatten aber den Camper so gestellt, dass wir immerhin auf das Meer bei Ebbe schauen konnten. Am nächsten Morgen würden wir bestimmt das Meer sehen. Da wir keine Schilder gefunden hatten, ob Freedom Camping dort wirklich erlaubt war, hat Rebecca einen älteren Kiwi-Camperkollegen angesprochen. Er nahm es anscheinend nicht so ernst wie wir, ob dies denn wirklich eine erlaubte Stelle zum Campen wäre. Das Schild für die Dump Station hat er mit einem Schild für Freedom Camping verwechselt, so sei das Campen hier sicherlich erlaubt. Wir könnten aber auch wieder fahren und später wiederkommen und wenn alle anderen Camper nicht abgeschleppt worden seien, wäre die Stelle bestimmt sicher!

Unser Übernachtungsplatz in Richmond

Tag 121: Am nächsten Morgen die große Überraschung: immer noch kein Meer in Sicht. Unser neuer Kiwi-Camperfreund hat uns erzählt, dass er morgens um 5 Uhr mal kurz wach war und da war es da. Offenbar haben wir also die ganze Flut verschlafen. Erst abends als wir wieder an der gleichen Stelle vorbeigekommen sind, haben wir gesehen, wie schön die Bucht aussieht, wenn auch tatsächlich Wasser drin ist. Aber auch ohne Wasser haben wir gemütlich in der Sonne gefrühstückt – zum ersten Mal draußen, da es ein richtig schöner Sommertag war. Nach den vielen Natureindrücken wollten wir den Tag mal wieder für eine ¨Städtetour¨ nutzen. Da wir schon in Richmond übernachtet haben, wollten wir auch die einzige Sehenswürdigkeit des Ortes besuchen: die Mall. Hauptgrund war, dass es dort einen Handyreparaturservice gibt und wir die Hoffnung hatten, Nikos Handy endlich wieder zum Laufen zu bringen. Leider hat uns der Techniker enttäuschen müssen, da er das Modell nicht reparieren kann. Naja, macht nix, in Nelson, unserer nächsten Station, gibt es ja noch einen Laden, dachten wir. Nelson ist die größte Stadt an der Nordküste und für ihre entspannte Atmosphäre und das mittelmeerartige Klima bekannt. Soviel Regen wie die Westküste abbekommt, soviele Sonnentage gibt`s in Nelson. Wir sind ein bisschen durch die Stadt geschlendert und haben die Kathedrale (Niko fand sie schön, Rebecca fand sie durchschnittlich), den Queen`s Garden (klein, aber fein) und den Wochenendmarkt besucht. Nur der Handyladen hatte natürlich samstags zu.

Nelsons Kathedrale, die verwirrenderweise Christ Church heißt, von hinten…
…und von vorne
Picknick im Queen’s Garden

Der Markt mit seinen vielen sehr kreativen Ständen hat uns begeistert. Wir haben uns ordentlich mit Gemüse, Käse und Brot eingedeckt und erfahren, dass die Besitzerin der Bäckerei Deutsche sei. Nachdem sie nach Neuseeland ausgewandert war und laut Verkäuferin vom hiesigen Brot krank geworden war, fing sie an ihr eigenes Sauerteigbrot zu backen. Mittlerweile ist Rodrigos Bakery daraus geworden. Kann nicht ganz mit deutschem Bäckerbrot mithalten, aber eine Abwechslung zum weichen Supermarktbrot war es allemal. Außerdem haben wir an einem Stand zum ersten Mal die Spezialität der Südinsel – Whitebait – probiert. Das sind winzigkleine Fische, die in unserem Fall in einer Art Crêpe und Ei gebacken wurden. Sehen ein bisschen aus wie Sardellen, aber sind bei weitem nicht so salzig.

Unser Whitebait Snack

Anschließend ging es zum Tahuna-Strand, dem Stadtstrand von Nelson. Insbesondere im Sommer muss er aus allen Nähten platzen, da die halbe Südinsel zum Urlaub machen dahin kommt. Unser Vermieter Dave aus Christchurch wusste davon ein Liedchen zu singen! Heute war es allerdings noch ganz erträglich und wir haben die Sonnenstrahlen bei einem schönen Strandspaziergang genossen.

Niko beim Strandspaziergang

Morgen wollen wir zum Nelson Lakes Nationalpark. Da es noch nicht so spät war, wollten wir schon mal ein bisschen in die Richtung fahren (Route). Die Landschaft war so schön, dass wir am Ende einfach bis zum ersten der beiden Seen des Nationalparks durchgefahren waren. Dort kam so langsam Abendstimmung auf und der See glitzerte traumhaft in der Abendsonne. Leider haben wir keinen Platz zum Freedom Camping gefunden und der einzige offene Campingplatz musste in bar bezahlt werden. Wir Deppen hatten aber fast all unser Bargeld auf dem Markt gelassen und vergessen neues abzuheben. Wobei wir das damit entschuldigen können, dass man in Neuseeland praktisch alles mit Kreditkarte zahlen kann, selbst das Brot auf dem Markt. Einzige Ausnahme: DOC-Campingplätze. Am Ende nach einigen Ehrenrunden blieb uns keine andere Idee als einfach weiterzufahren und hoffentlich einen Campingplatz zu finden, der Kreditkarten akzeptiert, da es in der Nähe auch keine Geldautomaten gab. Nach fast 30 Kilometern Fahrt ohne Campingplatz ist die Straße in einen Highway gemündet und die Stelle kam uns plötzlich sehr bekannt vor. Das war nämlich genau dort, wo wir ein paar Tage zuvor die Wanderung entlang der stillgelegten Eisenbahnstrecke gemacht hatten. Und glücklicherweise gab es dort sogar einen sehr günstigen Campingplatz, den wir mit unseren paar zusammengekratzten Münzen gerade so bezahlen konnten.

Übernachtung an der alten Eisenbahnstrecke
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