​Arthur’s Pass

Tag 122: Da wir aufgrund unserer akuten Geldnot die Campingplätze nicht bezahlen konnten und so den Lake Rotoiti links liegen lassen mussten, sind wir am nächsten Tag zum zweiten See des Nelson Lakes National Park gefahren, dem Lake Rotoroa (Route). Rotoroa war sogar noch größer als sein kleiner Bruder Rotoiti, nur etwas schwerer zugänglich, sodass wir bei unserer Wanderung im Wald bis auf die letzten 100 Meter alleine waren. Leider hat sich mal wieder gezeigt, wie schlecht unser Schuhwerk auf Neuseeland abgestimmt ist und so haben wir uns auf dem Weg zum Wasserfall nasse, matschige Füße (der Matsch kam durch die Poren unserer leichten Turnschühchen) geholt.

Lake Rotoroa hatte Hochwasser
Der Weg wird scheinbar nicht so oft gewandert

Wieder am Parkplatz angekommen, musste Rebecca erst einmal Socken waschen. Leider hatte sie ihr letztes sauberes Paar erst an diesem Morgen angezogen. So kam gleich auch ihr verschwitztes T-Shirt ins Wasser. Zu dem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, dass ihre Wascheinlage böse Folgen haben sollte.
Während Rebecca vor sich hin wusch, hatte Niko Zeit, die gesamte geplante Tagesroute umzuwerfen. Eigentlich stand die Überquerung der südlichen Alpen über den Lewis-Pass auf dem Programm. Da die für die Rückfahrt aus Christchurch eigentlich geplante Küstenroute immer noch wegen Erdbebenschäden gesperrt war, müssten wir allerdings mit dem neuen Camper auf dem Weg nach Norden ebenfalls durch diesen Pass. Also hat Niko beschlossen, dass wir für den Weg nach Christchurch die etwas weitere Strecke über den Arthur´s Pass nehmen.
Unterwegs haben wir in Reefton, der City of Light, Rast gemacht. Das kleine Örtchen war das erste, das mit staatlicher Elektrizität versorgt wurde. Der Anschluss kostete vor rund 150 Jahren 1 Pfund, der Jahresbeitrag betrug pauschal 3 Pfund. Interessant war wieder einmal zu sehen, wie die Kiwis es schaffen, einem so kleinen Dorf (knapp 1.000 Einwohner) Leben einzuhauchen. Neben zwei Supermärkten, einem Secondandladen, Cafés und Restaurants, gab es auf der Hauptstraße sogar mehrere Gallerien und die Atmosphäre war entspannt kreativ. Vor allem aber die Tankstelle hat Niko gut gefallen, denn hier hat er günstiger als zuvor in Murchison (dort waren wir auch schon einmal vor zwei Tagen) getankt. 
Am Lake Brunner haben wir kurzen Foto-Halt gemacht, für einen längeren Aufenthalt war es einfach zu stürmisch.

Rebecca versucht tapfer dem kalten Wind am Lake Brunner standzuhalten

Nun ging es schnurstracks in die Berge. Vorher wollten wir allerdings an einem Campingplatz noch schnell dumpen und Frischwasser auffüllen. Dafür hätten wir auch gerne bezahlt. Aber Pustekuchen. Nur für zahlende Übernachtungsgäste. Die nächste Dumpstation sei in Christchurch, etwa 150 km entfernt… Wer weiß wieviel Rebecca zum Waschen ihrer Socken verbraten hatte, frage sich Niko besorgt…

Der Arthur´s Pass liegt in einer spektakulären Bergkulisse. Nur vom Regen wurden wir nicht verschont, dafür aber mit einem Regenbogen belohnt, der fast zum Greifen nah war. Mit der Überquerung des Passes haben wir auch den Regen auf der Westseite der Alpen hinter uns gelassen.

Der Anstieg zum Arthur’s Pass. Selbst Wasserfälle wurden für die Straße umgeleitet.

Arthur´s Pass Village ist mit seinen 900 m die höchst gelegene Ortschaft Neuseelands. Von hier aus führen Bergwanderungen durch die südlichen Alpen. Wir sind noch ein Stückchen weiter gefahren und haben einen kostenlosen Campingplatz mit Dixieklo und zwei frei herumlaufenden stolz gackernden Hähnen gefunden. Woher die beiden so fernab jeder Zivilisation kamen, konnten wir auch nur raten. Vielleicht wurden sie aufgrund ihrer Homosexualität von ihrem Hof verstoßen und schlagen sich jetzt mit den Almosen der Touristen durchs Leben.

Unsere beiden schwulen Haushähne
Übernachten in atemberaubender Kulisse

Es wurde Zeit für das Abendessen, wir hatten weder Abwasser abgelassen noch neues hinzugefügt. So schickte Rebecca Niko wie damals zum Wasserholen an den nahen Gebirgsbach. Hinterher sagte Niko, dass es ihm heute besonders gut geschmeckt hätte. Lag bestimmt an der Gebirgsbachwürze.

Der Wasserträger bei der Arbeit
Der Gebirgsbachkaffee machte gute Laune. Man beachte auch unseren improvisierten Eierbecher.

Tag 123: Wir sind wirklich froh über die Entscheidung, den Umweg über den Arthur`s Pass genommen zu haben. Am nächsten Morgen begrüßte uns die Sonne in der wahrscheinlich spektakulärsten Landschaft, die wir bisher in Neuseeland gesehen haben. Nicht vorzustellen, wenn wir das verpasst hätten! Wobei die beiden Hähne mit ihrem Krähen direkt neben unserem Auto dafür gesorgt haben, dass wir den Sonnenaufgang auch ja nicht verpassen. Gleich nach dem Frühstück (natürlich mit Kaffeewasser aus dem Gebirgsbach) haben wir uns auf den Weg zur ersten Wanderung gemacht, die praktischerweise direkt auf der anderen Straßenseite begann. Sie führte durch das schöne Waimakariri Flusstal. Nach mehreren Bachüberquerungen standen wir aber vor einem größeren Flüsschen, über das wir nicht trocken gekommen wären.

Rebecca in voller Arktismontur
Wirkliche Wege gab es in dem Tal nicht. Wir haben uns unseren eigenen gebahnt.

Also haben wir es bei dem kurzen Ausflug gelassen und sind einige Kilometer weitergefahren zum Start des Bealey Spur Tracks. Im Nachhinein würden wir sagen, dass dieser neben dem Kepler Track der schönste Wanderweg auf der Südinsel ist, zumindest von denen auf denen wir gewandert sind. Peter Jackson hat die Faszination dieser Umgebung natürlich auch erkannt und hat sie im Herrn der Ringe für die Reitersteppen von Rohan verwendet.

Das Tal von oben. Dort wo die Straße unten in den Wald mündet, war unser Übernachtungsplatz. Rechts daneben der Bach mit unserem Frischwasser.
Am höchsten Punkt des Weges posiert der stolze Wanderer

Unten angekommen ging es nach einer kurzen Mittagspause weiter Richtung Christchurch. Bereits morgens ist uns ein seltsamer Geruch nach faulen Eiern in der Fahrerkabine aufgefallen, der nun erneut da war. Nachdem wir uns gegenseitig versichert haben, nicht unter Verdauungsproblemem zu leiden, haben wir uns auf Ursachensuche begeben. Wir wollten auf keinen Fall auf der wirklich sehr schmalen, steilen, kurvigen Straße, wo es teilweise direkt daneben senkrecht abwärts ging, mit unserem Auto liegenbleiben. Also haben wir es auf den Kopf gestellt, aber die Geruchsquelle nicht gefunden. So blieb uns nur die Hoffnung, trotzdem noch irgendwie nach Christchurch zu kommen, wo wir den Wagen ja eh zwei Tage später abgeben würden. Daher war die weitere Fahrt nicht ganz so entspannt wie sie hätte sein können, aber wir haben trotzdem noch ein paar Stops zum Sightseeing eingelegt.

Eine Landschaftsimpression
Noch eine

Neben Castle Hill mit Felsformationen, die der Kulisse des Herrn der Ringe entsprungen sein könnten, ist Springfield noch eine Erwähnung wert. Das kleine Dörfchen hat sich nämlich zur Feier des Simpsons-Films eine neue Sehenswürdigkeit spendiert: eine riesige Donut-Statue. Homer wäre sicher stolz gewesen. Auch nachdem der Film längst nicht mehr in den Kinos war, hat die Stadt ihn zum Glück nicht abgebaut, da sie wohl den Touristen nicht den einzigen Grund nehmen wollte, überhaupt im Städtchen zu halten. Tatsächlich mussten wir (kurz) Schlange stehen, um unser Foto des Donuts zu ergattern.

Sieht aus als wäre eine Festung aus Herr der Ringe stehengeblieben
Da bekommt man doch gleich Lust auf Donuts

Trotz Gestank haben wir es gut bis nach Christchurch geschafft und uns dort in einem Campingplatz in der Nähe des Strandes für die nächsten zwei Tage eingemietet.

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