​Blenheim und Marlborough Sounds

Tag 127: Als wir entspannt beim Frühstück in unserem Camper saßen, wurde das Geheimnis hinter Eddie, dem Aal gelüftet. Der Besitzer des Campingplatzes brachte eine große Tonne voller Küchenabfälle, die er in den kleinen Fluss kippte. Keine zwei Minuten später kamen die Aale zum Fressen. Ein gutes dutzend Enten waren schon vorher da. Offensichtlich haben sich alle Tiere in der Umgebung schon an das morgendliche Ritual angepasst. Wir haben unsere Zweifel, ob das besonders ökologisch ist, was er da tut, aber den Aalen hat es scheinbar geschmeckt.

Da der Tag ziemlich verregnet war, haben wir nur ein bisschen gefaulenzt und gekocht, um die Grundlage fürs Nachmittagsprogramm zu legen. Rebecca hat Niko zum Geburtstag nämlich eine Weinprobe in Blenheim geschenkt. Pünktlich um 13 Uhr wurden wir von Helen Na Clachan im Minivan abgeholt. Wie sich herausstellte waren wir die einzigen Teilnehmer der heutigen Tour, da alle anderen wegen des Erdbebens ihren Neuseelandurlaub gestrichen hatten. Pech für die anderen, großes Glück für uns. Helen hat den Tag sehr unterhaltsam gestaltet und uns vieles über den Wein und seine Geschichte in der Region um Blenheim erzählt. Insgesamt haben wir fünf verschiedene Weingüter besucht.

Eine unserer Verkostungsstationen

Mit Hunter`s haben wir angefangen. Ernie Hunter hat 1986 völlig überraschend (auch für ihn selbst) in London die Goldmedaille für den weltbesten Sauvignon Blanc gewonnen. Vorher hatten die Winzer in Blenheim sich an Müller-Thurgau versucht, der allerdings im Geschmack völlig unspektakulär war. Tatsächlich waren die meisten kurz davor das Experiment Weinanbau für gescheitert zu erklären, ihre Reben rauszureißen und zur Schafzucht zurückzukehren. Mit der Goldmedaille änderte sich das schlagartig und alle sind auf Sauvignon umgestiegen. Bis heute genießt der Blenheimer Sauvignon Blanc einen hervorragenden Ruf als einer der besten Weißweine der Welt. Zu Recht, wie wir nach diesem Tag behaupten können. Sein Duft erinnert an tropische Früchte wie Maracuja oder aber auch an Stachelbeere, ein äußerst fruchtiges Geschmackserlebnis. Andere Weine rochen nach Rosen, Kiwi Gold, Erdbeere, Honig, Kirsche, Rhabarber und – kein Witz – neuen Autoreifen. Dieser Gummigeruch entsteht, wenn der Riesling lange lagert. Die Duft- und Geschmacksrichtungen kommen übrigens nicht nur durch die verschiedenen Traubensorten sondern auch durch die Bodenbeschaffenheit zustande. Nach jedem Weingut wurde es schwieriger, die verschiedenen Duftkomponenten herauszuriechen. Man kennt es ja wahrscheinlich von einer Parfümprobe, nach mehr als drei Parfüms kann man nichts mehr riechen. Wahre Weinkenner trinken den Wein gar nicht, sondern spucken ihn aus und trinken zum Neutralisieren etwas Kaffee. 

In Blenheim gibt es natürlich nicht nur Weißwein. Hier probiert Niko gerade einen Pinot Noir.

Leider können wir ja nicht so viel Wein kaufen, da die Rucksäcke sonst zu schwer werden, aber eine Flasche Riesling aus Spy Valley, einem der anderen Weingüter, haben wir uns doch gegönnt. Die Abende im Camper sind sonst einfach zu lang und trocken… Spy Valley hieß ursprünglich Johnson Estates, aber das klang dann doch zu nichtssagend. Also hat sich Mr. Johnson an die antennengespickte Abhörstation weiter hinten an der Straße erinnert, die Teil des internationalen Echelon-Netzwerks ist. Noch kurz einen Brief an die Regierung geschrieben, ob es ein rechtliches Problem sei, wenn er sein Weingut Spy Valley nennen würde (Antwort der Regierung: nein, da sie ja keine Spione sind) und schon war die neue Marketingstrategie geboren. Die geht sogar soweit, dass neben den James Bond-Postern im Schankraum SPY in Morsecode auf den Flaschen und dem Gebäude der Winzerei gedruckt ist.

Helen zeigt Rebecca, wo genau am Gebäude SPY in Morsecode steht

Ein Problem mit dem die Blenheimer Winzer regelmäßig zu kämpfen haben ist Bodenfrost im Frühjahr. Damit er die Jahresernte nicht zerstört, haben sie sich einige ausgefeilte Gegenmaßnahmen ausgedacht. In der Gegend ist Frost wohl fast ausschließlich ein Inversionseffekt, d.h. die kalte Luft am Boden wird von einer warmen Luftschicht darüber überdeckt. Einige Weingüter in den höheren Lagen haben sich daher große Propeller an langen Masten zugelegt, die die wärmere Luft nach unten drücken können. In den tieferen Lagen kommt Frost nicht so häufig vor, dass sich die Anschaffung solcher Propeller lohnen würde. Dort wird die Luft mit Hilfe von Hubschraubern nach unten gedrückt. Das kann dazu führen, dass im Extremfall über 100 Hubschrauber, die in ganz Neuseeland zusammen gesammelt werden, nachts über dem Tal schweben. Einer kostet pro Nacht etwa 20.000 NZD. Das ist aber natürlich nichts gegen einen Totalausfall der Jahresernte.

Natürlich haben wir uns auch den Ursprung des Weines angesehen

Am Ende des Tages waren wir ziemlich betüdelt, so dass wir, wieder im Camper angekommen, erstmal unseren Rausch ausgeschlafen haben.

Tag 128: An unserem letzten vollen Tag auf der Südinsel haben wir die Marlborough Sounds besucht, genauer gesagt das Städtchen Picton. Bekannnt ist die Stadt vor allem dafür, dass die Fähre von der Nord- zur Südinsel hier ankommt bzw. abfährt. Wenn gerade keine Fähre vor Ort ist, geht es hingegen sehr entspannt und verschlafen zu. Wir haben den Ort als Ausgangspunkt für eine mehrstündige Wanderung entlang des Queen Charlotte Sounds genutzt. Genau den werden wir morgen mit der Fähre auf dem Weg nach Wellington durchfahren. Er ist sehr viel größer als der Milford Sound und fast ebenso beeindruckend. Auch das Wetter hat sich wieder von seiner besten Seite gezeigt, nachdem wir uns morgens beim Frühstück noch über die erfolglosen Versuche unserer Campingplatznachbarn ihr Zelt im Regen abzubauen amüsiert hatten.

Niko blickt auf den Queen Charlotte Sound
Dort unten fahren wir morgen mit der Fähre entlang Richtung Nordinsel

Um noch etwas mehr von den Sounds zu sehen und weil wir von einer i-Site Mitarbeiterin den Hinweis bekommen hatten, dass man dort schön und legal Freedom Campen kann, haben wir beschlossen, den Queen Charlotte Drive (nicht zu verwechseln mit dem Queen Charlotte Track, dem bekanntesten Wanderweg der Region) zu fahren. Wir dachten uns könnte nach drei Wochen Südinsel keine Straße mehr schocken, aber sowas schmales und kurviges ist uns tatsächlich noch nicht untergekommen. Vielleicht scheint es aber auch nur so, weil der neue Camper so groß ist. Auf jeden Fall war Niko viel zu sehr mit Lenkrad drehen beschäftigt, um allzu sehr auf die wunderbare Aussicht achten zu können. Rebecca hat die Zeit hingegen fest an ihren Sitz geklammert damit verbracht, ganz entsetzt die Straßen- , Erdrutschschäden und die Abgründe neben der Straße anzustarren. Für die knapp 19 Kilometer haben wir daher auch fast eine Stunde gebraucht. Zur Belohung hat sich der Übernachtungsplatz direkt am Meer aber tatsächlich als sehr schön erwiesen.

So und schlimmer sah die Straße an einigen Stellen aus. Da kann man nur hoffen, dass man nicht gerade dort fährt, wenn sie abrutscht.
Abendstimmung an unserem Übernachtungsplatz an der Ohingaroa Bay

Tag 129: So schön, dass wir abends vom Wind sanft in den Schlaf geschaukelt wurden. Aber oh, was war das? Gegen ein Uhr waren wir beide wieder hellwach und es sollte noch für einige Stunden so weitergehen. Aus dem kleinen Windchen wurde ein ausgewachsener Sturm, der es in sich hatte. Er hat das Auto so stark hin- und hergeschüttelt, das Rebecca zeitweise dachte, wir würden umkippen. Auch um den nicht zugedrehten Gashahn machte sie sich etwas Sorgen… Später kam ein starker Regen dazu und an Schlaf war für lange Zeit nicht mehr zu denken. Als es gegen Morgen endlich etwas besser wurde, haben wir uns aber auch nicht getraut, auszuschlafen. Noch in dieser Nacht hatten wir uns überlegt, nicht mehr die szenische Straße zurück nach Picton mit den 120 Kurven zu nehmen, im Regen und direkt am Abhang hätten wir wahrscheinlich am frühen Morgen einen Herzinfarkt bekommen. Um dies zu vermeiden, haben wir also einen knapp 70 km langen Umweg über das berühmte Havelock gemacht (Route). Berühmt deshalb, weil es dort die weltbesten haarigen Muscheln gibt. Und die fröhliche Deutsche Silke, die in der hiesigen i-Site arbeitet. Das war es aber wahrscheinlich schon an Sehenswürdigkeiten und so sind wir weiter Richtung Picton gedüst. Wir sind auch wieder an unserem alten Campingplatz in Blenheim vorbeigekommen. Was macht man nicht alles macht, um Kurven zu vermeiden. 

Der Hafen in Picton lädt zum Entspannen ein

In Picton haben wir noch schnell ein paar Einkäufe erledigt und dann gespannt auf ein Uhr gewartet, die Zeit, zu der wir auf der Fähre zur Nordinsel einchecken durften. Niko war schon ganz aufgeregt, denn insgeheim dachte er, er müsste mit unserem Camperpanzer rückwärts auf die Fähre fahren, es gab nämlich nur eine Ladeklappe. Es ging schon mal vorwärts rein und puh, Glück gehabt, in der Fähre konnte gewendet werden, sodass alle Autos, Wohnmobile und LKW wieder vorwärts rausfahren konnten. 

Unser Camper im Bauch der Fähre

Auf der Fähre haben wir uns die besten Plätze auf dem Deck ergattert und hatten damit die beste Aussicht auf den nicht enden wollenden Sound. Mit uns gab es noch zwei bis drei andere Waghalsige, die das stürmische Deck aufgesucht hatten. Als die Sonne rauskam, fühlte man sich fast wie auf einem Ausflugdampfer, Wellengang gab es auch keinen. Die in der ganzen Fähre verteilten Kotztüten ließen nämlich Böses schwanen… Nach zwei Stunden ist Rebecca zum Geräteladen rein gegangen. Na ja, etwas kalt war ihr allerdings auch. Es gab nicht nur ein Restaurant, einen ¨stillen¨ Aufenthaltsraum, eine Krabbelgruppe, Zimmer mit Betten für die kurze Überfahrt, sondern auch ein Kino, um die Gäste ja bei Laune zu halten. Niko hat die Aussicht allerdings bestens bei Laune gehalten und so kam er erst ein paar Minuten vor Ankunft in Wellington von seinem Aussichtsplatz runter. 

Die letzten Ausblicke auf die Südinsel
Und schon kam die Nordinsel in Sicht

Bei der Verabschiedung durchs Mikro wurden wir gebeten, bitte nur 5 kmh auf dem Fährgelände zu fahren, so stark sei es vom Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen worden. 

Als wir endlich unseren Freedom Campingplatz gefunden hatten, war Niko heilfroh aus den kleinen Straßen Wellingtons heraus zu sein. An diesem Abend standen wir mit 40 bis 50 anderen Campern auf einem Parkplatz am Yachthafen. Zwar nicht schön und etwas laut durch die Nähe zum Flughafen, aber dafür durch den Schutz der anderen Camper hoffentlich nicht so stürmisch wie in unserer romantischen Bucht in der Nacht zuvor.

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