​Südinsel hui, Nordinsel pfui?

Tag 131: Ein ziemlich unspektakulärer Tag. Wir haben Wellington Richtung Norden verlassen (Route). Als erste Anlaufstelle hatten wir uns den Kaitoke Regional Park ausgesucht. Dort gibt es einen sehr schönen Wald und – der eigentliche Grund für unseren Besuch – die Rivendell (Bruchtal) Szenen vom Herrn der Ringe wurden hier gedreht. Da Rivendell im Film so traumhaft aussah, wollten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen. Nun, was zu schön aussieht, um wahr zu sein, ist es meistens auch. Rivendell wurde nämlich aus verschiedenen Landschaften zusammengeschnitten. Nur der Wald im Vordergrund ist tatsächlich in Kaitoke. Die Felsen und Wasserfälle im Hintergrund der Stadt wurden auf der Südinsel gefilmt. Auch die Filmkulissenhäuser wurden natürlich nach den Dreharbeiten wieder abgebaut, so dass sich lediglich ein paar Bäume aus den Filmsequenzen wiedererkennen ließen.

Da böse Zungen immer mal wieder behaupten, dass Niko nur Hobbitgröße hätte: hier ist der Gegenbeweis!
Das Tor, durch das die Gefährten Rivendell verlassen, wurde später nochmal aufgebaut, allerdings nur halb so groß wie das Original

Danach ging es ab zur Westküste, wo Rebecca erstmal ihre Erschöpfung bei einem Mittagsschlaf auskurieren musste. Derweil ist Niko im Queen Elizabeth Park durch die wunderschöne Dünenlandschaft gewandert. Es war ziemlich bewölkt und windig, aber irgendwie hat das auch gut zur rauen Landschaft gepasst.

Die Dünen im Queen Elizabeth Park

Blick auf die Küste

Nachdem Rebecca wieder fit war, ging es weiter die Küste an einigen wirklich nicht besonders sehenswerten Küstenörtchen vorbei. In Whanganui haben wir direkt am gleichnamigen Fluss unser Nachtquartier aufgeschlagen. Neben uns teilten sich zwei deutsche Mädchen einen Kofferraum, in dem sie essen, trinken und schlafen mussten. Im Vergleich dazu leben wir wahrhaft luxuriös. Morgen müssen wir entscheiden, ob wir weiter zum Mt. Taranaki oder zum Tongariro National Park fahren. Bisher hat uns die Nordinsel landschaftlich noch nicht so richtig überzeugen können, aber diese beiden Orte sollten das hoffentlich ändern.

An unserem Übernachtungsplatz in Whanganui

Tag 132: Die gestrige Hoffnung hat sich leider nicht bestätigt und der Tag wurde sogar noch unspektakulärer. Fairerweise muss man aber das Wetter dafür verantwortlich machen. Irgendwann nachts hat es angefangen zu regnen und den ganzen Tag bis auf wenige Pausen nicht aufgehört. So haben wir den Tag erstmal in der trockenen i-Site damit begonnen, unsere Akkus zu laden und anschließend noch ein bisschen Whanganui anzusehen. Bis auf die Tatsache, dass man sich im Ort nicht einig ist, ob man nun mit oder ohne H geschrieben werden möchte, gibt es dazu nicht viel zu sagen (obwohl unser Reiseführer das ein wenig anders sieht).

Whanganui vom Flussufer aus gesehen

Also haben wir uns kurz nach Mittag auf den Weg zum Mt. Taranaki gemacht. Eigentlich ist das ein ziemlich hoher und beeindruckender Berg, aber dank der vielen Wolken haben wir ihn noch nicht zu Gesicht bekommen. In Hawera hat uns die freundliche i-Site Mitarbeiterin aber Hoffnung gemacht: das Wetter soll morgen viel besser werden.

Hundert Jahre Hawera Wasserturm war auch für uns genug Grund zu feiern

Außerdem hat sie uns einen guten Freedom Camping Platz in der Nähe in einem Landschaftsschutzgebiet an einem See empfohlen. Nach kurzer Diskussion haben wir beschlossen, dass es keinen Sinn macht, bei dem Wetter weiterzumachen, da man erstens eh nix sieht und es zweitens auch zu ungemütlich zum Wandern war. So waren wir um kurz vor 16 Uhr schon an der empfohlenen Übernachtungsstelle und haben Feierabend gemacht.

Immerhin konnten wir in unserem Camper den Regen bei guter Aussicht aussitzen

Tag 133: Gleich morgens beim Blick aus dem Fenster begrüßte uns Sonne und strahlend blauer Himmel. Naja, zumindest Niko, da Rebecca nicht gut geschlafen hatte und beschloss noch etwas länger liegen zu bleiben. Um sie nicht zu stören, hat er sich (ohne Frühstück!) auf den Weg zum höchsten Punkt des Schutzgebiets gemacht. Von da aus war er endlich zu sehen: Mt. Taranaki in seiner ganzen Pracht.

Mt. Taranaki erinnert stark an Fuji
In diesem schönen Schutzgebiet haben wir genächtigt. Links sieht man den Zaun, der sich um das ganze Gebiet zieht und Schädlinge fernhalten soll.

Auch der Blick über den See und seine Umgebung war herrlich. Während außerhalb des Zauns um das Schutzgebiet grüne Hügel lagen soweit das Auge reichte, ist das Gebiet selbst von Wald bewachsen. Bevor die Europäer in Neuseeland ankamen, hat das ganze Land so ausgesehen, wie wir seit unserem Besuch in Te Papa wissen. Zurück im Camper war Rebecca mittlerweile auch auf den Beinen und nach sonnigem Frühstück haben wir gemeinsam eine Runde um den See gedreht, bevor es weiter nach Stratford ging. Die Stadt ist nach dem Shakespeare Stratford-upon-Avon benannt und ihr markantestes Merkmal ist der Turm mit dem größten Glockenspiel Neuseelands. Wir haben es leider gerade verpasst und da wir nicht der Meinung waren, dass es sich lohnen würde, zwei Stunden bis zur nächsten Vorführung zu warten, haben wir das Städtchen auch gleich wieder Richtung Dawson Falls im Egmont National Park verlassen.

Stratfords Glockenturm passt nur bedingt zum Rest der Stadt

Wie gut, dass Niko morgens seinen Spaziergang gemacht hat: der Berg war nämlich mittlerweile wieder von Wolken umgeben und die sollte er auch den ganzen Tag über behalten. Rebecca hat ihn kein einziges Mal wolkenfrei gesehen. Trotzdem konnten wir auf seinen Hängen eine schöne Wanderung am Dawson Falls Wasserfall vorbei machen.

Der Wald an den Hängen des Berges sah teils ziemlich verwunschen aus
Die Dawson Falls gehören zu den beeindruckenderen Wasserfällen, die wir bisher gesehen haben

Nächster Programmpunkt war der Surf-Highway 45, der sich einmal im Halbkreis um den Berg herum erstreckt. Auf der einen Seite hatten wir die ganze Zeit den wolkenverhangenen Berg im Blick, auf der anderen das Meer (meistens etwas weiter entfernt). Wir haben einige Zwischenstopps zum Sightseeing eingelegt, aber insgesamt war es im Vergleich zu den Scenic Routes auf der Südinsel eher enttäuschend.

So haben wir uns die Nordinsel nicht vorgestellt
Kleiner Strandspaziergang zur Stimmungsaufhellung
Leuchttürme dürfen an der Küste natürlich auch nicht fehlen

Abends haben wir zum Übernachten einen Parkplatz in New Plymouth in der Nähe eines Sees gefunden. Dort konnten wir entspannt unseren leckeren Spy Valley Wein aus Blenheim genießen und den jugendlichen Jetski-Fahrern auf dem See zusehen.

Tag 134: Am Morgen wollte Niko Rebecca unbedingt noch Mount Taranaki zeigen, der sich ja immer erfolgreich hinter den Wolken versteckte. Morgens und abends, so sagte er, seien die Chancen besser ihn zu sehen. So sind wir gleich nach dem Frühstück aufgebrochen und haben uns Richtung Te Rewa Rewa Brücke aufgemacht, die am Coastal Walkway nur wenige Minuten von unserem Parkplatz entfernt lag und den Berg durch ihre gekrümmte Form wie ein Rahmen umschließen soll. Es waren schon einige morgendliche Paddler, Gassigeher und Senioren auf ihren Fahrrädern unterwegs. Kein Wunder bei dem schönen Wetter. Als wir an der Brücke angekommen waren, kam die Ernüchterung. Hatten wir den Berg zuvor immer nur von oben in Wolken eingepackt gesehen, war er nun von unten eingepackt und nur die Spitze lag frei.

Wenn man genau hinsieht, erkennt man gerade so die Spitze von Mt. Taranaki
Zumindest auf den Strand war Verlass, wo der Berg uns schon im Stich gelassen hatte

Geübte Photoshopper könnten die beiden Teile bestimmt auseinanderschneiden und eins draus machen. Das ist uns aber zu viel Arbeit und so belassen wir es bei Nikos schönem Foto vom Morgen davor. Welch ein Glück für ihn, dass Rebecca in der Nacht so schlecht geschlafen hatte, denn sonst hätte er sich niemals ohne Frühstück die 500 Treppenstufen hoch getraut, um den Berg in all seiner Pracht in der Morgensonne zu Gesicht zu bekommen.
Nachdem wir noch ein wenig Richtung Strand geschlendert sind, haben wir uns auf den Rückweg gemacht, denn wir hatten noch einiges vor an diesem Tag. Über 300 km gen Osten wollte Niko noch schaffen. Unser nächster Halt war der White Cliffs Walkway. Hörte sich gut an, nur war er bei Flut nicht zu laufen und es war gerade Flut. Damit wir die kurvige enge Straße dorthin nicht umsonst gefahren waren, sind wir noch ein paar Minuten über dem Wanderweg am Meer gelaufen und haben mal wieder bestaunt, in welch abgelegene Gegenden die Neuseeländer freiwillig ziehen. Ein Foto der Klippen, die fast so schön sein sollen wie die in Dover, haben wir trotzdem noch bekommen.

Die White Cliffs. Der Weg wäre unten an den Klippen vorbei gegangen.

Nächster Halt: The Three Sisters. Nächstes Problem: Es war immer noch Flut und der Weg am Strand war nicht zu laufen. Noch nicht einmal ein Foto von den Felsformationen haben wir bekommen, denn sie waren hinter einer Klippe versteckt. Dafür haben wir unser Mittagessen vorgezogen und sind schnell wieder weitergefahren. 
Im weltberühmten Mokau wollten wir uns wieder einmal ein wenig die Füße vertreten, leider gab es nichts zu sehen und so sind wir bis Taumarunui, dem nächsten unspektakulären Ort weitergefahren. In der i-Site machte man uns wenig Hoffnung auf ein Freedom Campingplätzchen in der Nähe des aber nun wirklich weltberühmten Tongariro Vulkans. Nun gut, unsere sehr nützliche App Campermate hat uns ein Plätzchen am Lake Taupo empfohlen. Von dort müssen wir zwar wieder einige Kilometer zurückfahren, aber die Abendstimmung am See hat den kleinen Umweg wieder wett gemacht.

Ein kleiner Vorgeschmack auf den folgenden Tag: der Tongariro Nationalpark
Küsschen an unserem Übernachtungsplatz am Lake Taupo
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