​Von Vulkanen und ihren Ausdünstungen

Tag 135: Nachdem wir in der Dumpstation (einige Camper hatten dort ihr Geschirr gewaschen) unser Abwasser abgelassen hatten, wurde der Parkplatz bis auf weiteres zum Übernachten geschlossen. Zwei Camper hatten sich ins Halteverbot gestellt, Müll wurde trotz Verbotes da gelassen und es wurde direkt unter dem Geschirr-waschen-verboten-Schild das Frühstücksgeschirr gewaschen. Kein Wunder also. 

Diesen schönen Übernachtungsplatz direkt am Lake Taupo wird es in Zukunft nicht mehr geben

Wir sind ins Whakapapa Village im Tongariro National Park gefahren und haben dort wieder einmal festgestellt, dass wir für das Tongariro Alpine Crossing nicht richtig ausgerüstet sind. Mehrere Zeitungsartikel warnten Wanderer davor, ohne passendes Schuhwerk und im Winter Eispickel und sehr warmer Kleidung loszuziehen, da es in diesem Jahr einige Touristen nicht geschafft haben, den Vulkan zu umrunden, sogar in den Krater gefallen sind und gerettet werden mussten. Zwar war momentan kein Winter, aber mit unseren Turnschuhen hätten wir uns in alpiner Umgebung auch nicht wirklich wohlgefühlt. Zudem machte der bewölkte Himmel keine große Lust auf eine 19 km lange Wanderung, die sich die letzten 10 km ganz schön ziehen sollte. Trotzdem wird sie als eine der besten Wanderungen der Welt gepriesen, denn bei gutem Wetter muss die Aussicht ganz fantastisch sein und der türkisgrüne Kratersee belohnt für die Strapazen.

Im Tongariro Nationalpark
Das Wetter passte gut zur rauen Landschaft

Die Gegend ist natürlich auch aus Herr der Ringe bekannt. Die meisten Mordor-Szenen wurden hier gedreht und einer der drei Vulkane, Mt. Ngauruhoe, spielt Mount Doom. Ein bisschen von der Gegend wollten daher auf jeden Fall noch sehen und so sind wir zu den Taranaki Falls gewandert, der Weg dorthin wird ähnlich dem des Alpine Crossing Abstiegs sein. Er führte durch karges Vulkanwüstenland, in das sich nur die härtesten aller Pflanzen trauen. Ganz zum Schluss haben wir aber doch kurz Mount Ngauruhoe zu Gesicht bekommen und wahrscheinlich hatten wir an diesem Tag von unten die bessere Sicht als von oben. [Nachtrag: So war es tatsächlich, wie uns ein holländisches Paar, das wir ein paar Tage später kennengelernt haben, bestätigt hat. Die beiden haben sich den Berg hochgequält, nur um dann exakt nichts außer Nebel zu sehen.]

Rebecca vor den Taranaki Falls

Unser Nachtlager haben wir im Spa Hotel in Taupo aufgeschlagen. Dieses Etablissement, das 1889 ins Leben gerufen und seitdem nie wieder verändert wurde, bietet unschlagbar günstige Plätze mit Stromversorgung, aber dafür weder Toiletten noch Duschen. Das Gelände sieht ein bisschen nach Wildwest aus und die Attraktion ist neben dem grummeligen Besitzer günstiges Bier und ein Thermalpool in einer kleinen Hütte. Das Wasser ist so heiß, dass man meint, man würde sich verbrennen, hat unseren geschundenen Muskeln aber die benötigte Entspannung nach den Wanderungen der letzten Wochen gegeben. 

Als einzige Campergäste haben wir in dem kleinen Wildweststädtchen übernachtet

Tag 136: Den Morgen haben wir mit einem Spaziergang entlang der Uferpromenade von Taupo am gleichnamigen See verbracht. Das Wasser ist sehr klar und auch das Wetter hat mitgespielt. Man kann natürlich alle möglichen Arten von Wassersport betreiben, am meisten hat uns aber das Hole-in-one Spiel gefallen. Dabei muss man mit einem Golfball ein Hole in One schlagen. Die Plattform mit dem Loch ist aber gute 100 Meter vom Ufer weg im See verankert. Wer trifft bekommt dafür 10.000 NZD. Angeblich schafft es im Schnitt alle zwei Wochen jemand, das Loch tatsächlich zu treffen. Damit es nicht ganz so schwer ist, überhaupt etwas zu gewinnen, gibt es auch noch zwei Sandbunker mit 30 bzw. 50 Zentimeter Durchmesser. Wer einen von den beiden trifft, bekommt die Auswahl zwischen einigen Trostpreisen, z.B. eine Übernachtung im örtlichen Hilton. Solange wir zugeschaut haben, hat allerdings keiner auch nur in die Nähe der Plattform getroffen. Echt eine coole Idee, die wir so noch nirgendwo anders gesehen haben. Am Düsseldorfer Altstadtufer würde sie sicherlich gut ankommen!

Lake Taupo ist der größte See Neuseelands
Na, wer glaubt, dass er oder sie das Loch treffen würde?

Da wir immer noch nicht genug von Wasserfällen bekommen können, war der nächste Programmpunkt eine Wanderung zu den Huka Falls in der Nähe von Taupo. Eine gute Entscheidung, denn sie hat sich als eine der schönsten Wanderungen entpuppt, die wir bisher auf der Nordinsel gemacht haben. Sie führt entlang Neuseelands größtem Fluss, dem Waikato, an dessen blauer Farbe man sich kaum satt sehen kann. Unterwegs mündet eine der heißen Quellen in den Fluss, eine sehr beliebte Stelle zum im Wasser entspannen. Vor allem auch eine der wenigen Gelegenheiten in der Gegend eine heiße Quelle umsonst benutzen zu können. Entsprechend überfüllt war die Stelle, so dass wir es bei einem kurzen Blick beließen und weiter gewandert sind. Die Huka Falls selbst waren sehr beeindruckend. Neben ihrer offensichtlich enormen Kraft war auch hier das Farbenspiel zwischen kristallklarem Wasser und dem blütenweißen Schaum fantastisch.

Das Tal des Waikato Flusses war wirklich wunderschön
Der Pohutukawa, Neuseelands Weihnachtsbaum, war allgegenwärtig
Hier mündet die heiße Quelle in den Fluss
Die Huka Falls von der einen…
…und der anderen Seite

Anschließend war es auch schon an der Zeit Taupo und den See wieder zu verlassen und weiter nach Rotorua, eine Autostunde entfernt, zu fahren. Die Stadt besichtigen wir zwar erst morgen, aber beim ersten Öffnen der Autotür an unserem Übernachtungsplatz ist uns direkt der markante Duft nach faulen Eiern in die Nase gestiegen. Die Gegend um Rotorua ist eine der vulkanisch aktivsten in Neuseeland und daher brodelt und dampft es überall um uns herum.

Überall in Rotorua befinden sich dampfende, brodelnde Löcher
Wir, vor Rotoruas Stadtmuseum

Tag 137: Auch in der Nacht wurden wir regelmäßig durch den Gestank wach. Zumindest Niko hat sich im Laufe des Tages aber daran gewöhnt, so dass er ihn nicht mehr ganz so abartig fand. Den Vormittag haben wir damit verbracht den botanischen Garten, hier Government Garden genannt, und die direkt daneben liegenden thermisch aktiven Bereiche anzusehen.

Während der botanische Garten noch nach blühenden Landschaften aussieht…
…erwartet einen nur wenige hundert Meter weiter eine Mondlandschaft

Im Kuirau Park auf der anderen Seite der Innenstadt ging es weiter mit dem Erkunden der heißen Quellen. Soviele dampfende, dreckige Löcher haben wir vorher noch nie fotografiert. Zum Baden sind die meisten allerdings viel zu heiß. Man sollte noch nicht mal in ihre Nähe gehen, da der Boden dort oft nur zentimeterdünn ist, auch wenn er stabil aussieht. Wenn man Pech hat und einbricht wird man im hundert Grad heißen Wasser oder Schlamm gekocht. Keine sehr schönen Aussichten, also sind wir meist brav auf den Wegen geblieben. Wohlgemerkt befinden sich alle diese Löcher mitten in der Stadt, keine zweihundert Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt. Wir fanden es ziemlich kurios und haben uns gefragt, was wohl passiert, wenn sich so ein heißes Loch mitten in unserem Wohnzimmer bilden würde…

Diesen Löchern sollte man nicht zu nahe kommen
Leider konnten wir den Geruch nicht fotografieren. Wer ihn zuhause nachbauen möchte, nehme ein rohes, offenes Ei und lasse es zwei Wochen in der Sonne liegen: et voilá
Man kann kaum glauben, dass direkt neben dem Gebrodel Menschen wohnen

Nach soviel dampfenden, blubbernden und stinkenden Löchern war uns nach etwas Abwechslung und so haben wir uns auf den Weg zu den Redwoods gemacht. Die wurden vor langer Zeit aus Kalifornien importiert, als man noch getestet hat, welche Bäume sich am besten für den Anbau in Neuseeland eignen. Das Rennen hat am Ende eine Pinienart gemacht, aber der kleine Redwoods-Wald hat zum Glück die Zeit überstanden und ist heute eine Touristenattraktion. Also sind auch wir zwischen den Baumriesen umher gewandelt und haben nach dem vielen Schwefelgestank die wirklich frische Waldluft genossen.

Rebecca war erkennbar von den Riesen fasziniert
Das Gebiet, in dem die Redwoods stehen, war nicht sehr groß, aber schön

Letzte Station des Tages sollte eine Wanderung entlang eines kleinen Sees, Lake Okareka, in der Nähe werden. Dort angekommen fanden wir den See aber wenig spektakulär und haben nur den Picknickbereich für einen kleinen Snack benutzt. Direkt anschließend haben wir Rotorua in Richtung des 80 Kilometer entfernten Matamata verlassen. Wenige Orte in der Welt dürften so stark dadurch verändert worden sein, dass sie in einem Film als Filmkulisse gedient haben, wie Matamata. Im Herrn der Ringe war hier nämlich das Auenland, genauer das kleine Dörfchen Hobbiton (oder auf deutsch: Hobbingen). Während im Rest des Landes alle Filmkulissen – angeblich aus Copyright-Gründen – wieder abgebaut wurden, so haben die schlauen Bauern von Matamata irgendwie ausgehandelt, dass sie ihre Hobbit-Höhlen behalten durften. Seitdem zieht es unzählige Fans in den kleinen beschaulichen Ort, der vorher wohl mit keinem Touristenauge auch nur eine Sekunde betrachtet worden wäre. Das geht soweit, dass es sogar ein Referendum gab, die Stadt in Hobbiton umzubenennen – es wurde allerdings abgelehnt. Auch die i-Site wurde aufwändig und standesgemäß herausgeputzt. Heute war es allerdings schon etwas spät, um die Hobbits zu besuchen, daher haben wir uns nur das Städtchen selbst ein bisschen angeschaut und sind dann auf unseren Übernachtungsplatz am Firth Tower Museum gefahren, wo wir so günstig wie nie einen Platz mit Stromanschluss ergattert haben.

Matamatas i-Site, die Touristeninformation
Rebecca beim Kochen neben dem Firth Museum, unserem Übernachtungsplatz
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