​Hobbits und mehr Meer

Tag 138: Um Punkt zehn Uhr morgens waren wir am Eingang der Filmkulisse von Hobbiton, oder zu deutsch: Hobbingen. Die Parkplätze waren schon sehr voll und wir hatten ja im voraus keine Tour gebucht, so wie wahrscheinlich alle anderen. Doch wir hatten Glück und konnten nach etwa einer Stunde Wartezeit eine der Touren, die im 15 Minutentakt stattfinden, mitmachen. So saßen wir um kurz nach elf in einem Bus voller Touristen und wurden in eine hügelige Farmgegend gefahren. Während der kurzen Fahrtzeit lief ein Video mit Erklärungen zum Drehort. Peter Jackson, der Regisseur, kam auch zu Wort. Als er damals Neuseeland mit einem Hubschrauber überflog, um nach einer geeigneten Kulisse für sein Hobbitdorf zu suchen, fiel ihm das Farmgelände ins Auge. Als das Dorf nach den Dreharbeiten wieder abgebaut werden sollte, kam ein Unwetter dazwischen und so blieben die Hobbitlöcher bestehen. Der Bauer lacht sich wahrscheinlich heute noch ins Fäustchen, soviel Geld wie ihm die Touristenmassen bringen, hätte er niemals mit seiner Schafzucht verdienen können. 

Wir waren nicht die einzigen, die sich die weltberühmte Filmkulisse ansehen wollten
Alles ist immer noch sehr mit Liebe zum Detail eingerichtet. So als würde jeden Moment ein Hobbit um die Ecke kommen.

Bevor wir aber das Dörfchen betreten durften, wurden wir von unserer Führerin Becca über die Sicherheitsmaßnahmen zum Erhalt der Filmstätte belehrt. Nichts anfassen, nirgendwo reingehen, nicht auf die Wiese treten usw. Interessant war, dass es drei verschiedene Türgrößen der Hobbitlöcher gab. Nur in die großen Türen gingen die Hobbit-Schauspieler rein oder kamen hinaus. An den kleineren gingen die Nicht-Hobbits in diversen Kameraeinstellungen vorbei und sahen so im Vergleich riesig aus.

Absolute Idylle im kleinen Dörfchen, hier würden wir wir auch gerne leben!
Vor den kleineren Türen sah selbst Rebecca riesig aus

Der Drehort wird immer noch sehr liebevoll erhalten, überall blühen Blumen, Sträucher und ein kleiner Selbstversorgergarten ist auch vorhanden. Die Ernte dürfen sich die Gärtner abends mit nach Hause nehmen. Auch der Aufwand zur Errichtung des Dorfes für die Filme war enorm. Selbst die neuseeländische Armee hat geholfen. Der große Baum auf Bilbos Haus wurde nach den Dreharbeiten für Herr der Ringe abgebaut. Da man ihn für den Hobbit wieder brauchte, wurde er kurzerhand aus Stahl rekonstruiert. Die Blätter sind extra in Taiwan gefertigt worden und wurden einzeln angetackert. 

Niko vor Bilbos Haus. Oben ist ein Teil des künstlichen Baums zu sehen.

Schade ist nur, dass wirklich Massen durch die Kulisse geschoben werden, deren Hauptziel es ist, möglichst viele Selfies von sich und den Hobbithäusern zu bekommen. Man merkte Becca außerdem an, dass sie wenig Spaß an der Arbeit hatte und bei dem herrlichen Wetter lieber am See liegen würde. Für uns war es ein schöner warmer Frühlingstag, für sie anscheinend tropische Temperaturen. Gerne hätte sie sich mit einem Bierchen abgekühlt, dass es am Ende der Tour für die Teilnehmer im sehr urigen Green Dragon Inn gab, aber für sie gab es nur Wasser. So kam der Applaus auch nur zögerlich zustande, als sie sich im Bus von uns verabschiedete. Mit einer engagierten Führung hätte die Tour sicherlich sehr viel mehr Spaß gemacht, denn die Kulisse an sich war fantastisch und hat selbst Rebecca, die weder Filme noch Bücher des Mehrteilers kennt, überzeugt.

Im urigen Green Dragon Inn ging die Tour zu Ende

Da Niko ein kühles Blondes im Green Dragon Inn zu sich genommen hatte, haben wir noch kurze Rast auf unserem Parkplatz gemacht. Das war auch gut so, denn danach ging es durch kurvige Straßen Richtung Küste. Im Örtchen Waihi Beach haben wir, wie könnte es anders sein, einen kleinen Strandspaziergang am herrlich leeren Strand gemacht. 

Ein ganzer Strand nur für uns

Auf dem Parkplatz, der zum Strand gehörte, hätten wir prima freedom campen können, ja sogar eine Dumpstation gab es und wir waren die einzigen Gäste. Es war aber erst 16 Uhr und Niko hatte noch genug Kraft um weiterzufahren, also ging es wieder auf die Straße. Unsere App Campermate hatte genügend Freedom Campingplätze in der Region angezeigt und so machten wir uns keine Sorgen. Pustekuchen! In Whangamata sind wir gleich zum Schönsten der Plätze direkt am Meer gefahren. Diese Idee hatten leider schon drei andere Camperkollegen vor uns und so waren alle Plätze besetzt. Wir fuhren ein paar Kilometer weiter zum nächsten Plätzchen am Strand und hier bot sich dasselbe Bild. Alle fünf verfügbaren Plätze belegt. Da blieb uns nichts mehr übrig, als zurück nach Whangamata auf einen Campingplatz zu fahren und unglaubliche 38 Dollar für einen überfüllten Platz auszugeben, auf dem man uns noch irgendwo zwischenquetschen wollte. Gott sei Dank hatten wir kein Bargeld dabei und Kreditkarten akzeptierte der füllige Herr an der Rezeption im Unterhemd nicht. Also fuhren wir kurz über den Platz und entschieden doch den Platz am Hafen zu nehmen, der zwar 5 Dollar kostete und den wir am nächsten Morgen um 7:30 Uhr räumen mussten, doch dafür hatten wir dort unsere Ruhe und konnten die Abendsonne noch genießen.
Tag 139: Für heute hatten wir uns die Besichtigung der Coromandel Halbinsel vorgenommen. Begonnen haben wir mit einer kleinen, schönen Wanderung am Opoutere Beach, die erst durch einen schönen Pinienwald und dann am Strand vorbei ging. Dort hat Rebecca ihrer Leidenschaft fürs Muschelsammeln gefrönt. Leider dürfen bzw. können wir ja keine mitnehmen, daher war das ganze eher nur ein kleiner Zeitvertreib.

Durch Sumpfgebiet ging es zum Strand

Nur ein paar Kilometer weiter haben wir den vielleicht berühmtesten Strand Neuseelands erreicht: den Hot Water Beach. Wenn man dort bei Ebbe ein Loch buddelt, stößt man auf bis zu 60 Grad heißes Wasser und kann sich so seine eigene heiße Quelle bauen. Passenderweise gibt es überall Spaten zu mieten. Wir waren allerdings zu früh dran und es hätte noch einige Stunden bis zur nächsten Ebbe gedauert. Nicht tragisch, dachten wir, da wir eh noch etwas weiter zur Cathedral Cove wollten und auf dem Rückweg nochmal am Hot Water Beach vorbeikommen würden.

Ein fleißiger Handbuddler

Cathedral Cove ist eine Felsformation am Strand etwas über 10 Kilometer von Hot Water Beach entfernt und zählt zu den Must-Do-Touristenattraktionen auf der Coromandel Halbinsel. Sie soll atemberaubend schön sein. Wir können es nicht bestätigen, da wir sie nie zu Gesicht bekommen haben. Das kleine Örtchen, in dem die Wanderung zur Cathedral Cove startet, war nämlich dermaßen von Touristen und ihren Fahrzeugen überfüllt, dass wir tatsächlich keinen Parkplatz für unseren Camper gefunden haben. Wild parken ist dort ebenfalls keine gute Idee, da die Polizei das Problem der viel zu wenigen Parkplätze kennt und entsprechend streng kontrolliert. Daher blieb uns schweren Herzens keine Wahl, als das Örtchen unverrichteter Dinge wieder zu verlassen. Naja, wer weiß wozu es gut war. Wenn in der Cathedral Cove soviele Leute rumlaufen wie wir Autos gesehen haben, dann wäre das wohl eh keine allzu tolle Erfahrung geworden. Natürlich war trotz längerer Parkplatzsuche auch noch nicht genug Zeit vergangen, so dass immer noch keine Ebbe war. Also haben wir auch den Hot Water Beach links liegen lassen und sind weiter zur Westküste der Halbinsel gefahren. Die Landschaft war spektakulär. Nur war die Straße wie so oft sehr eng, steil, kurvig und noch dazu hat es in Strömen geregnet, so dass wir nirgendwo anhalten konnten, um Fotos zu machen. Auf der anderen Seite war es dann aber wieder trocken und wir sind noch ein bisschen durch Kauriwälder spaziert, bevor wir uns die schöne Küstenstraße entlang auf die Suche nach einem Nachtquartier begeben haben. 

Über halsbrecherische Kurven ging es hinab

Entlang der Straße wachsen jede Menge Puhutukawa-Bäume, der ¨Weihnachtsbaum¨ Neuseelands. Im Dezember, pünktlich zu Weihnachten, fängt er sehr schön an in rot zu blühen und die ganze Straße ist davon gesäumt. Neben dem tollen Ausblick hatten wir heute auch mehr Glück als gestern und haben einen schönen Platz zum Freedom Camping direkt am Meer gefunden. 

Am nächsten Morgen hatten wir eine blutrote Windschutzscheibe

Dort wollte Rebecca wieder Muscheln sammeln gehen, diesmal allerdings lebendige fürs Abendessen. Die Pipi genannten Muscheln kommen in der Gegend sehr häufig vor und sollen sehr lecker sein. Nachdem sie sich extra mit Youtube-Videos das Muschelfangen beigebracht hat, ging es los. Als ihre Ausbeute jedoch nach einer halben Stunde nur aus einer kleinen Muschel und einem Regenwurm bestand, hat Niko sie doch noch überzeugen können, heute auf Meeresfrüchte zu verzichten.

Rebecca beim Pipimachen äh suchen
Sie zog eine Spur der Verwüstung hinter sich her… leider vergeblich
Interessanterweise hat ausgerechnet der Pohuketawa direkt über unserem Klo am schönsten geblüht
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