​Das Ende unseres Camperlebens

Tag 140: Heute hat es die ganze Nacht und den ganzen Tag während der Fahrt geregnet. Wir sind deshalb nur kurz zum Dumpen in Thames ausgestiegen, wo uns ein lustiger älterer Camperkollege lauthals begrüßt und Niko stolz seinen riesigen Wohnwagen mit an der Tür begrüßender Katze vorgeführt hat. Respekt, so ein tolles Teil will ich auch mal haben, wenn ich alt bin, hat sich Niko da gedacht. 

Bis nach Auckland waren es nur knapp zwei Stunden, aber um aus Auckland wieder rauszukommen, haben wir bestimmt noch einmal eine Stunde gebraucht. Wieso die Neuseeländer nur eine riesige Stadt bauen und der Rest des Landes leer ist, wissen sie bestimmt selbst nicht. Als wir endlich in der nächsten Kleinstadt angekommen sind, haben wir eine kurze Verschnaufpause inklusive Strandspaziergang eingelegt. Auch hier blühten riesige neuseeländische Weihnachtsbäume. Auf dem Parkplatz wurde endlich auch mal unser Camper anerkennend bestaunt. Unsere Parknachbarn hatten allerdings auch nur einen Kombi gemietet, in dem sie fahren, kochen und schlafen mussten.

Weiter ging es die Ostküste hinauf bis Marsden Point. Unsere App Campermate hatte uns hier einen Freedom Campingplatz zwar im Ort, aber dafür direkt am Meer vorgeschlagen. Da wir jedoch keine Schilder gefunden haben, die das Campen explizit erlaubt hätten, haben wir uns bis auf eine Klopause nicht getraut, die Nacht dort zu verbringen.

Unser Beinahe-Übernachtungsplatz in Marsden Point

Ähnlich sollte es auch auf anderen Freedom Campingplätzen aussehen und so haben wir, um auf Nummer Sicher zu gehen, den nächsten Bezahlplatz in Waipu angesteuert. Nicht so szenisch, aber dafür legal im Garten eines Pubs, der gegen Abend ziemlich vollgeparkt war. Wir werden hoffentlich noch herausfinden, ob es für die 50 Mann tatsächlich nur ein Klo und eine Dusche gibt…

Tag 141: Es gab wohl noch ein paar versteckte sanitäre Anlagen, aber wir haben uns trotzdem aus dem Staub gemacht, als wir nicht mehr zugeparkt waren. In Waipu Cove wollten wir den Coastal Walkway entlang wandern, haben aber den Anfang nicht gefunden. So sind wir einfach so fast zwei Stunden am Strand gelaufen; einige Surfer und ein Angler waren schon da, ansonsten war der Strand menschenleer. Als wir wieder an unserem Startpunkt angekommen waren, hat Niko doch noch den Anfang des Walkways entdeckt. Er ging genau in die entgegengesetzte Richtung. Viel mehr als Meer hätten wir dort aber bestimmt auch nicht gesehen.

Rebecca lässt ihre Muschelsammlung frei. Sie hatte vergeblich versucht sie per Brief nach Deutschland zu schmuggeln, ist aber leider an einer aufmerksamen neuseeländischen Postmitarbeiterin gescheitert.
Viel Glück da draußen in der Welt, ihr Kleinen!
Dafür dass wir in die falsche Richtung gelaufen sind, war der Strand trotzdem sehr schön

Nun wollten wir noch die Waipu Caves besichtigen. Als die geteerte Straße aufhörte und es immer noch fünf Kilometer zu den Höhlen waren, haben wir wieder kehrt gemacht, denn wir durften ja mit unserem neuen Camper leider keine Schotterpisten fahren. Gut, dass es bei unserem letzten Camper keine Einschränkungen gab, sonst hätten wir auf der Südinsel eine Menge schöner Landschaften und Sehenswürdigkeiten fernab der Zivilisation verpasst.

In der Zwischenzeit fing es wieder an zu regnen und wir wussten nicht so recht wohin mit uns. Was macht man auch in einem Land, das für seine Outdoor Aktivitäten berühmt ist… Weiter nördlich sollte es ein nettes Städtchen geben (und das einzige des äußersten Nordens), namens Whangarei. Wir sind also zunächst zur dortigen i-Site gefahren und haben überlegt, was wir in der Stadt machen können. Hier sollte man vorzüglich wandern können, doch da es wieder nieselte, konnten wir uns zu einer Wanderung nicht aufraffen. In einem stillgelegten Steinbruch hatte sich die hiesige Kunstszene mit Galerien und Ateliers etabliert. In einem anderen Steinbruch sollte es einen tropischen Garten geben. Wir haben uns für den Garten entschieden, aber unsere Lebensgeister zunächst mit einem Kaffee geweckt, denn das Café dort schloss bereits um 15 Uhr, noch früher als andere Cafés in Neuseeland. Der Garten war von Freiwilligen angelegt worden und führte über teils steile Wege zu Aussichtspunkten, von denen man Whangarei und den Rest des Gartens sehen konnte. Dafür dass er von Freiwilligen angelegt wurde, ein echtes kleines Prunkstück in Whangarei.

Der Garten im Steinbruch war wirklich sehr schön angelegt
Überall blühte und gedeihte es prächtig

Nun war es Zeit wieder Richtung Auckland zu fahren und uns einen Übernachtungsplatz zu suchen. In Port Albert haben wir ihn gefunden. Ein Freedom Campingplatz direkt an einer Bucht. Endlich schien auch wieder die Sonne, so dass wir zum ersten Mal in den letzten fünf Wochen noch einige Zeit des Abends draußen verbracht haben.

Wir konnten kaum glauben, dass wir nach soviel Regen tagsüber noch so einen tollen Abend haben würden
Unser letzter Sonnenuntergang als freie Freedom Camper

Tag 142: Leider hatte das Wetter auch an unserem letzten vollen Campertag kein Erbarmen mit uns und wir wurden morgens von grauem Himmel und Nieselregen begrüßt. Der Regen sollte uns bis zum Abend nur wenige Pausen gönnen. Trotzdem haben wir uns auf den Weg zum Muriwai Beach gemacht. Eine der Regenpausen haben wir für einen kurzen Strandspaziergang und einen Ausflug zur hiesigen Tölpelkolonie gemacht. Die Vögel haben auf ein paar Felsen über dem Meer jeden noch so kleinen Platz zum Nisten besetzt und man kann auf Aussichtsplattformen bis auf wenige Meter an sie rangehen. Bereits optisch sind sie recht beeindruckend. Noch beeindruckter waren wir als wir erfahren haben, dass die Jungvögel sich bereits einige Wochen nach dem Schlüpfen alleine auf den langen Weg nach Australien machen. Dort bleiben sie dann ein paar Jahre, um anschließend wie ein anständiger Neuseeländer wieder zurück nach Hause zu kommen, sich ein kleines Nistgrundstück am Meer zu suchen, sich um den Nachwuchs zu kümmern und nie wieder das Land zu verlassen.

Den Platz nutzen die Tierchen perfekt aus und sind damit genau eine Tölpel-Pick-Länge voneinander entfernt
Auch von nahem beeindruckende Tiere, die ihrem deutschen Namen keine Ehre machen

Nächster und dank Wetter auch letzter Strand des Tages war Piha. Er gilt als einer der gefährlichsten Strände Neuseelands, so dass es sogar eine eigene Reality-TV-Show gibt, wo man den Rettern quasi live über die Schulter sehen kann. Wir haben nur ein paar Minuten am Strand verbracht und ans Schwimmen war bei dem Wetter eh nicht zu denken.

Das Örtchen Piha…
…und der dazugehörige Strand im Regen

Der Regen wurde immer stärker und so blieb uns nichts anderes als die Flucht in den Camper. Wobei auch der mit der Regenflut zu kämpfen hatte. An drei Stellen war er undicht und es tropfte. Zum Glück sollten wir ihn ja am nächsten Tag los sein. Um uns in Ruhe um die Endreinigung kümmern zu können, haben wir einen Campingplatz in Ramarama etwa 20 Kilometer von Auckland entfernt für die Nacht angefahren.

Tag 143: Das Ende unserer Camperzeit war gekommen. Einerseits schade, weil uns das Leben im Camper wirklich gut gefallen hat. Andererseits aber auch irgendwie erleichternd, da wir in den letzten Wochen doch arg viel unternommen haben, um die Zeit in der wir das Fahrzeug hatten, so intensiv wie möglich auszunutzen. Mit dem zweiten Camper sind wir auch fast 3000 Kilometer gefahren. Somit haben wir in den letzten knapp 5 Wochen an die 6500 Kilometer in den beiden Campern zurückgelegt, ungefähr die Strecke von Düsseldorf nach Dubai. Wir freuen uns nun auf ein paar erholsame und entspannte Tage in Auckland, bevor es weiter nach Australien geht.

Zum Abschluss noch ein paar Eindrücke von unserem Camper
Unser Klo, davor die Dusche. Eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem kleinen tragbaren Teil im ersten Camper.
So sah der Camper(fahrer) im Schlafmodus aus
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