​On The Road Again

Auch wenn uns Melbourne so gut gefallen hat, dass wir locker noch ein paar Tage länger hätten bleiben können, war es irgendwann an der Zeit weiterzuziehen. ¨Irgendwann¨ war der 20. Dezember 2016, der 152. Tag unserer Reise.

Tag 152: Um von Melbourne nach Sydney zu kommen, haben wir uns ein Auto gemietet. Die beiden Städte trennen rund 880 Kilometer, zumindest wenn man den direkten Weg nimmt. Haben wir natürlich nicht, da wir ja etwas von der Gegend sehen wollten außer endloser Autobahn. Daher haben wir den längeren, aber sehr viel szenischeren Weg entlang der Küste gewählt. Am ersten Tag haben wir es recht ruhig angehen lassen und sind nach kurzem Abstecher auf die Mornington Halbinsel zum Mittagessen in Sorrento nur bis Phillip Island gefahren, wo wir in Cowes ein nettes Motel zum Übernachten gefunden haben.

Am Meer in Sorrento. Dort haben wir uns später Fish & Chips gegönnt.

Tag 153: Phillip Island ist in erster Linie für drei Dinge bekannt: die allabendliche Pinguin-Parade, die Grand-Prix-Strecke und The Nobbies. Die Pinguine hatten wir bereits in Melbourne gesehen und uns das recht teure Spektakel am Abend geschenkt und an Grand Prix haben wir beide kein Interesse. Blieben also nur die Nobbies, unsere erste Station nach dem Frühstück. Dort gibt es einen kurzen, aber netten Plankenweg die Küste entlang mit spektakulärer Aussicht auf die Felsen im Meer. Angeblich lebt auch eine Seehundkolonie in der Gegend, aber wir haben zumindest mit bloßem Auge keinen davon gesehen. Dafür aber einen Pinguin in seinem Bretterverschlag. Die wurden in der ganzen Gegend von den Rangern aufgestellt, damit die Pinguine geschützte Plätze zum Nisten haben. Scheinbar nehmen sie das Angebot gerne an.

Die Brandung war ganz schön wild an den Nobbies
Uns hat es sichtlich gut gefallen
Das Farbenspiel auf den Klippen war wunderschön

Erfrischt vom kräftigen Meereswind haben wir uns auf den knapp zweistündigen Weg zum Wilson Promontory Nationalpark gemacht. Das ist ein ziemlich großer Nationalpark mit viel Wald und schönen Küstenabschnitten und außerdem der südlichste Punkt des australischen Festlands. Im Park gibt es dutzende Kilometer an Wanderwegen und wir mussten uns mangels Zeit für einige wenige entscheiden. Die Wahl fiel auf den Lilly Pilly Gully Nature Walk. Allein bei dem Namen musste der ja einfach spektakulär sein! Irgendwann auf dem Weg kam uns eine Frau entgegen, die ganz aufgeregt fragte, ob wir Australier seien. Sie war etwas enttäuscht, als wir verneinten, da sie weiter hinten auf dem Weg eine Schlange entdeckt hatte und gerne wissen wollte, um welche es sich handelte. Wir hatten während der Fahrt auch schon eine gesehen, die sich über die Straße geschlängelt hat, aber so von Nahem wäre natürlich noch viel besser. Also sind wir der Beschreibung der Frau gefolgt, haben aber leider weit und breit keine Schlange entdeckt.

Die Landschaft war geprägt von Eukalyptus- und Birkenwäldern

Etwas enttäuscht waren wir schon wieder auf dem Rückweg als kurz nach einer Wegbiegung plötzlich ein Känguru (genauer: ein Wallaby, eine kleinere Känguruart) vor uns stand. Das niedliche Tierchen hat sich auch gar nicht weiter von uns stören lassen, obwohl wir keine fünf Meter weg waren, und hat weiter vor sich hin gefuttert. Nach ein paar Minuten waren wir schon kurz davor wieder umzudrehen, da es keine Anstalten machte aus dem Weg zu gehen. Dann kamen allerdings noch vier Franzosen hinzu und das war ihm dann wohl doch zu viel Trubel. Hopp, hopp, weg war es. Ein paar Meter weiter sprang dann noch ein zweites über den Weg hinterher. Trägt der Nature Walk seinen Namen also doch zu recht!

Was stören die mich denn beim Fressen, wird sich das kleine Wallaby wohl gedacht haben

Ein kurzer Abstecher nach Tidal River, dem einzigen Dorf im Nationalpark, haben wir zu kleiner Stärkung und dem Aussitzen eines Regenschauers genutzt. Gleich anschließend sind wir bei wieder strahlend schönem Wetter noch zum Squeaky Beach gefahren. Der Strand heißt so, weil der sehr, sehr feine Sand tatsächlich quietscht, wenn man drüber läuft. Ein absoluter Traumstrand auf jeden Fall, nur leider bei rund 20 Grad Lufttemperatur immer noch etwas zu kalt zum Schwimmen. So haben wir den Park wieder verlassen und in Foster ein Motel bezogen.

Niko macht Faxen am Squeaky Beach
Rebecca versucht den Strand trockenen Fußes zu erreichen
Felsformation am Squeaky Beach

Tag 154: Zunächst haben wir die Küste wieder ein bisschen Richtung Inland verlassen, um den Tarra-Buga Nationalpark zu besichtigen. Dort gibt es ausgedehnte Waldgebiete mit vielen riesigen Farnbäumen. Wir haben uns bei den beiden Wanderungen, die wir gemacht haben sehr an Neuseeland erinnert gefühlt. Die erste führte zu einem kleinen Wasserfall, der im Vergleich zu denen, die wir schon gesehen hatten, aber tatsächlich mickrig war. Man merkt, dass es in Australien weniger regnet.

Die Farnbäume sind sehr hoch gewachsen
Schön, aber im Vergleich zu anderen Wasserfällen eher mickrig

Der zweite war nach dem lustig aussehenden Vogel Lyrebird benannt. Leider waren unsere Augen nicht gut genug bzw. hätten wir wohl ein Fernglas gebraucht, um ihn zu Gesicht zu bekommen. Nur hören konnte man ihn immer mal wieder. Zum Ausgleich hatten wir beim Mittagessen dafür Besuch von einem ganzen Schwarm frecher Papageien.

Insbesondere der Papagei rechts im Bild hatte Niko die ganze Zeit über genau im Blick

Heute war Rebeccas Geburtstag. Nachdem wir gestern ja schon Kängurus erlebt hatten, hat sie sich gewünscht nun auch Koalas in freier Wildbahn zu sehen. Wir hatten gelesen, dass es auf Raymond Island wohl sehr leicht sein soll, die Tierchen zu beobachten. Also haben wir uns nachmittags auf den Weg dorthin gemacht. Raymond Island ist, wie der Name schon sagt, eine Insel, die aber gerade mal 100 Meter vom Festland entfernt liegt. Praktischerweise gibt es alle 20 Minuten eine Fährverbindung und Fußgänger dürfen sogar umsonst mitfahren.

Beim Warten auf die Fähre nach Raymond Island. Sie ist gerade am anderen Ufer zu sehen.

Direkt am Anleger der Fähre beginnt der Koala Walk und tatsächlich sind wir noch keine 50 Meter gelaufen, bis wir den ersten im Baum entdeckt hatten. Koalas schlafen etwa 18 Stunden am Tag und erinnern uns daher sehr an die Faultiere in Costa Rica. Entlang des Weges haben wir einige Exemplare gesehen. Sie sehen wirklich sehr flauschig aus, aber auch ihre Krallen schinden einigen Eindruck. Umarmen sollte man sie jedenfalls nicht, auch wenn einige tief genug hingen, dass man es locker geschafft hätte.

So ein Leben wünscht sich Niko auch
Was er wohl über unsere Foto-Session dachte?

Der Weg führte meistens mitten durch Wohngebiet. Zweimal ist uns dabei auch ein riesiges Känguru über den Weg gehoppelt. Wir sind mit einem der Anwohner ins Gespräch gekommen und er meinte, dass es jede Menge davon gäbe, dass sie meistens aber erst nachts rauskämen. So viele tote Kängurus wie wir während der Fahrt auf der Straße gesehen haben, können wir das leider bestätigen.

Känguru im Garten gehört in Australien zum Alltag

Zurück von der Insel war es schon recht spät und wir sind nur noch bis ins 15 Kilometer entfernte Bairnsdale gefahren. Im örtlichen Segelclub haben wir mit gutem australischen Rotwein und durchschnittlichem Essen Rebeccas Geburtstag gebührend gefeiert.

Rebeccas Geburtstagsdinner

Tag 155: Die Nacht im Motel an der Hauptverkehrsstraße von Bairnsdale war genauso durchschnittlich wie der Rest des Ortes. Lustig und etwas schrullig war allerdings der Motelbesitzer. Nach seinem eigentlichen Berufsleben, das ihn vor allem nach Europa geführt hatte, unterhält er nun seine Gäste mit Anekdoten aus der Natur. Eines Tages hatte es ihn beruflich in die Nähe von Perth verschlagen, wo er sich in einer Bar mit einer Kollegin ein nichtalkoholisches Getränk gönnte. Ehe er sich versah, streckte ein Kamel seinen Kopf zwischen die beiden Kollegen. Es hatte ein Emu im Schlepptau, das ihm durch die Schwingtür in die Bar gefolgt sein musste. Leider gab es für das Kamel kein Feierabendbier, aber an der Wand hingen dutzende Schnappschnüsse von Kamel und Gästen, wie unserem Motelbesitzer später auffiel. Außerdem warnte er uns vor den roten Riesenkängurus, die seine Schwester bereits bösartig attackiert hätten, um ihr Territorium zu verteidigen. Da haben wir mit unseren etwas kleineren grauen Exemplaren auf Raymond Island ja noch richtig Glück gehabt…

Los ging es an diesem Morgen mit dem Örtchen Lake Entrance, von dem der 90 Mile Beach über eine Brücke erreicht werden kann. In der Gegend befindet sich Australiens größtes Seengebiet, in die zwar auch frisches Quellwasser fließt, aber die vor allem auch eine Verbindung zum Meer haben. Wir haben dort einen längeren Strandspaziergang gemacht und uns über den fast menschenleeren Strand gefreut. Zum Glück waren alle anderen Strandbesucher zu faul, um weiter als bis zum Eingang zu gehen und blieben direkt dort liegen. So hatten wir den Strand für unsere künstlerischen Aktivitäten für uns. Unser Weihnachtsbaum für den Weihnachtsartikel ist nämlich hier entstanden.

Nach dem Zeichnen des Weihnachtsbaums entspannt die Künstlerin bei einem Strandspaziergang

In Lake Entrance haben wir noch schnell Mittag gegessen, bevor es weiter nach Cape Conran ging. Ein Wanderweg führte zunächst in den Wald hinein, bis man das Meer sehen konnte und wir die Stufen runter zu einer Bucht genommen haben. Sehr beeindruckt hat uns die zerklüftete Felsenlandschaft und Rebecca, dass an jedem Strand scheinbar eine besondere Muschelspezies angespült wird. Um uns den Weg zurück nach oben zu ersparen, ist Niko tollkühnerweise über die Felsen geklettert und hat so tatsächlich den Boardwalk direkt entlang der Bucht und zurück zu unserem Parkplatz gefunden. 

Nicht nur Niko musste über Felsen kraxeln
Niko war über seine Strandentdeckung sehr glücklich

Schon war es wieder an der Zeit, einen Übernachtungsplatz zu finden. In Mallacoota sollte er sein, denn dies sei ein Ort, den jeder deutsche Tourist als Highlight seiner Australienreise empfinden würde, so der Reiseführer. Laut Internet waren alle Hotels bereits ausgebucht, aber in des Deutschen Australientraums angekommen, hat Niko heldenhaft noch ein freies Motelzimmer für uns aufgetrieben. Abends haben wir noch einen kurzen Spaziergang zum Meer gemacht, wir wollten aber noch den nächsten Tag abwarten, um ein Urteil zu fällen. Auf dem Rückweg haben wir ein älteres polnisches Paar kennengelernt, das in der Nähe von Sydney wohnt und dem Weihnachtsstress entflieht. Ursprünglich sind beide aus Danzig, dem Geburtsort von Rebeccas Opa. Wie sie von ihm immer erzählt bekommen hat, soll Danzig eine absolut tolle Stadt sein, dies bestätigten die beiden. Also ein weiterer Ort auf unserer Reiseliste… Bereits vor 30 Jahren kam der Mann nach Australien, damals war es anscheinend noch ein absolutes Kinderspiel, ein Visum zu bekommen, da Australien händeringend nach Arbeitskräften gesucht hatte. Selbst der Flug wurde ihm bezahlt. Glück gehabt, heutzutage müssen Einwanderer erst einmal beweisen, welche Vorteile sie dem Land bringen.

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