Sydney süßsauer

​Es hätte alles so schön werden können, aber Sydney machte es uns nicht leicht. Wir waren in einem tollen Hotel mitten in der Stadt untergebracht, konnten zu allen Wahrzeichen laufen, das Wetter war optimal, aber an irgendetwas fehlte es trotzdem. Sydney ist die Traumstadt vieler Menschen auf der ganzen Welt und sie bleibt auch in den Herzen derer, die eine Weile dort leben konnten. Vielleicht waren unsere Erwartungen deshalb zu hoch, aber mit Sydney sind wir einfach nicht warm geworden.

Mit unseren Rucksäcken kamen wir uns in der Hotellobby erst etwas deplatziert vor, wir haben uns aber sehr schnell wie zuhause gefühlt
Jeden Abend gab es kostenlosen Wein und Häppchen auf der Dachterrasse des Hotels – Nikos persönliches Schlaraffenland

Trotzdem ist die Stadt mit ihrer Lage am Meer, dem weltberühmten Opernhaus und der Harbour Bridge ein unumstrittener Touristenmagnet. Tausende Touristen schieben sich nebenan täglich durch The Rocks. Hier wurde Sydney gegründet und gut erhaltene viktorianische Häuser, die heute Restaurants oder Geschäfte beherbergen, zeugen von seiner Vergangenheit.

The Rocks mit der Harbour Bridge im Hintergrund. Auf dieser Straße weiter vorne haben wir Silvester gefeiert. 

Von der imposanten Harbour Bridge hat man die beste Sicht auf die Oper und man kann sogar eine Brückentour machen und die Aussicht wird noch besser. Ja, tatsächlich kann man auf die Brücke kraxeln, mit Sicherung versteht sich, dazu sollte man aber absolut schwindelfrei sein. Bei der Höhe sind wir es auch nicht mehr, bestimmt aber interessant für alle Abenteuerlustige, Kosten je nach Höhe liegen bei etwa 80 Euro. 

Da macht sich gerade ein Trupp auf den Weg auf die Brücke
Die Kraxler hatten noch eine bessere Aussicht als sie ohnehin schon war
Natürlich darf bei einem Artikel über Sydney ein Bild der Oper nicht fehlen

Nicht nur von der Brücke, sondern auch von vielen anderen Punkten, kann man die muschelförmige Oper, das Meisterwerk des dänischen Architekten Jørn Utzon aus einem immer neuen Blickwinkel bestaunen. Ein Highlight unseres Aufenthaltes war eine Führung durch die Oper, die Nikos Schwester ihm zum Geburtstag geschenkt hatte. Netterweise hat er Rebecca mitgenommen und sie konnte auch in den Genuss dieser einstündigen Tour kommen. Eigentlich stellt man sich die Oper immer weiß vor, tatsächlich ist sie beige und mit vielen kleinen, schmutzabweisenden Fliesen aus Schweden bestückt. Utzon wollte es den Betrachtern seines Bauwerks nicht antun, dass sie von einem riesigen weißen Kunstwerk in der Sonne Sydneys geblendet würden. Tatsächlich hat er die Oper zunächst nur als Konzept entworfen, um die Durchführbarkeit durften sich im Nachhinein einige Statiker und Ingenieure den Kopf zerbrechen.

Niko voller Vorfreude auf die Tour
Rebecca während unserer sehr unterhaltsamen Opernführung
So sieht das Dach der Oper von Nahem aus

Jeden Tag (außer am 25.12.) findet in der Oper mindestens eine Veranstaltung statt, dabei wird der jeweilige Saal von einem Veranstalter gemietet und es gibt bei Weitem nicht nur Opern. Im ersten und kleinsten Saal der Oper fand zurzeit eine Burleske-Show statt. Aber es geht auch noch experimentierfreudiger. Für eine andere Veranstaltung wurden Krankenhausbetten aufgestellt und es ging die nächsten 9 Stunden darum, in tiefste Träume zu fallen, während das Orchester die Gäste in den Schlaf zu spielen versuchte. Direkt am Wasser und mit Blick auf die Harbour Bridge gab es einen Veranstaltungsraum, der gerade für das Silvesterdinner dekoriert wurde. Das wäre natürlich DER Platz gewesen, um sich das Feuerwerk anzusehen, aber dort kam man nur mit persönlicher Einladung des Bürgermeisters rein und dazu reichten unsere Beziehungen zu Sydneys High Society leider noch nicht aus. 

Die Vorbereitungen auf das wohl exklusivste Silvesterdinner Australiens
Hier der Speisesaal von außen
Schauspieler bei der Pause

Direkt neben der Landzunge, auf die die Oper gebaut wurde, liegt der botanische Garten, der der meistbesuchte weltweit sein soll. Sehr groß ist er und man kann sicherlich ein paar Stunden dort verbringen, auch einfach nur zum Faulenzen und Erholen vom Sightseeing. Sehr beliebt waren einige Stellen im botanischen Garten, um das Feuerwerk anzusehen. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, durfte man seine Picknickdecke mitbringen und der Mitternacht entgegenfiebern.

Im botanischen Garten mit der Innenstadt im Hintergrund. Wir haben fast direkt unterm Westfield Turm links im Bild gewohnt.
Der botanische Garten war sehr schön angelegt

Auch in Darling Harbour hätten wir uns das Feuerwerk ansehen können, denn der kleinere Hafen hat ein eigenes Feuerwerk, doch als wir uns am 31.12. um etwa 20:30 Uhr auf den Weg machten, waren schon alle bis auf einen kostenlosen Aussichtspunkt voll. Dort haben wir zum Glück noch einen mehr oder minder guten Platz ergattert. Vor ein paar Tagen hatten wir uns den Hafen zum ersten Mal angesehen, außer einem Aquarium, einem Museum und einer Mall gab es für uns allerdings nichts Interessantes zu entdecken. Ein Food Court hatte Rebecca am Boxing Day (zweiter Weihnachtstag) zum Glück noch mit Essen versorgt, denn viele andere Geschäfte und Restaurants hatten an diesem Tag geschlossen. Natürlich gab es auch einige nett aussehende Restaurants direkt am Wasser, diese passten aber leider nicht in unser Weltreisebudget.

Blick über Darling Harbour. In der Mitte schwimmt schon das Feuerwerk.
Mit Sonne gleich viel freundlicher

Da uns die Innenstadt von Sydney insgesamt zu steril und trotz der Menschenmassen nicht lebendig vorgekommen ist, haben wir den Einheitsbrei aus den Dolces und Guccis, die sich die horrenden Mietpreise überhaupt noch leisten können, verlassen und sind in die angesagteren Stadtteile Surry Hills und Newtown gefahren. Dort war es nicht besonders schön, aber es gab schon viel mehr Auswahl an günstigeren Restaurants und ausgefallenen Geschäften und so manch hippem Bewohner. 

Straßenszene in Surry Hills
Die Hauptstraße von Newtown
Dahin bröckelnde Fassaden mit modernen Konzepten dahinter prägen das Straßenbild
In einem so hippen Viertel darf natürlich der Bioladen nicht fehlen

Vielleicht muss man ja in Sydney wohnen, um es zu verstehen. Ein Vorteil dieser Stadt ist bestimmt, dass man mal eben nach der Arbeit zur Entspannung eine Runde surfen oder sonnenbaden kann. Strände in Stadtnähe hat Sydney ja genug. Da wir in den letzten Monaten Strände zu Genüge gesehen haben, sind wir nur zu Manly Beach mit der Fähre gefahren. In zwanzig Minuten ist man in einer kleinen Fußgängerzone mit vielen anderen Sonnenhungrigen und Surfern, die alle Richtung Strand strömen. Glücklicherweise schien an dem Tag keine Sonne und so haben wir es auch eine Weile am Strand ausgehalten.

Auf dem Weg zum Manly Beach
Auch am Strand selbst war es sehr voll

Wir konnten nicht anders und haben ohne es richtig zu wollen, Sydney die ganze Zeit über mit dem fast ebenso großen Melbourne verglichen, das uns soviel kreativer und architektonisch abwechslungsreicher vorkam. Vermutlich sind es die horrenden Immobilienpreise in Sydney, die die Innenstadt zu irgendeiner überteuerten, seelenlosen Großstadt in der Welt werden ließen. Tatsächlich haben wir einige Tage später gelesen, dass es in Sydney wegen der hohen Immobilienpreise einen wahren Brain Drain in den letzten Jahren gegeben hat. So sind also all die klugen Menschen und Künstler, die das Ortsbild einer modernen und hippen Metropole prägen, in günstigere Gebiete abgewandert, Melbourne wird ein Nutznießer gewesen sein. 

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8 Gedanken zu „Sydney süßsauer“

  1. Schnüff, da blutet mir ja doch ein wenig das Herz bei diesem kritischen Artikel über „mein“ Sydney!! Aber wie ihr bereits sagtet, hat es sich in den letzten 13 Jahren wohl sehr verändert… In meinem Herzen bleibt es trotzdem die schönste Stadt 😉

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    1. Ja, du Arme, die Wahrheit schmerzt… Aber sei froh, dass du Sydney in einer tollen Phase erlebt hast! Und nächstes Mal fliegst du einfach nach Melbourne 😉 Übrigens sind die Immobilien- und Mietpreise in Sydney in den letzten vier Jahren um 70 % gestiegen. Sowas steckt keine Stadt weg ohne sich zu verändern….

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    1. Alle, die uns Sydney so wärmstens empfohlen haben, waren schon über zehn Jahre nicht mehr dort. Vielleicht würdest du die Stadt auch nicht wiedererkennen. Und wie wir gesehen haben, warst du ja nicht in Melbourne :mrgreen: LA ist zwar ein Moloch, aber irgendwie war da auch so ein Spirit von alles ist möglich, das hat uns ganz gut gefallen. Liebe Grüße in den Selva Negra aus den Tropen Queenslands

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      1. Klaro LA ist ein Moloch und den Spirit kann ich verstehen – da ist ja überall der Flair Hollywoods, von früher, von heute und dieser überall gelobte Glamour vertreten. Nein Melbourne konnte ich nicht sehen, es soll aber sehr europäisch angehaucht sein, gell?

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      2. Nö, Hollywood fanden wir eher öde und die ganzen reichen Viertel sehr monoton. Es war vielleicht eher was vom Klischee des amerikanischen Traums. Irgendwie hatte man das Gefühl, dass er dort tatsächlich verwirklicht werden kann, wenn man es denn versucht… Dass Melbourne so europäisch sein soll, haben wir auch oft gehört und nicht nachvollziehen können. Abgesehen von ein paar architektonischen Überbleibseln der Briten… Weltoffen würden wir es eher nennen. Und die asiatische Community ist riesig und fällt als erstes auf.

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