​Brizzy Brisbane

Als wir an unserem ersten Abend durch Brisbanes Chinatown schlenderten, das laut Reiseführer mit denen von Sydney und Melbourne in jeder Hinsicht mithalten könne, hätten wir Brisbane, liebevoll Brizzy genannt, beinahe als langweilige Stadt abgestempelt. Auf den Straßen herrschte gähnende Leere und so sind wir ein bisschen weiter gegangen in das ¨angesagte¨ Fortitude Valley, auf der Suche nach etwas Essbarem. Auch dort war nicht viel los und so haben wir uns im einzigen Pub niedergelassen, der einige vorbeilaufende Leute anzog. Wo waren bloß die zwei Millionen Einwohner dieser Großstadt, in der bis jetzt nur Kleinstadtatmosphäre herrschte?

Das Eingangstor zu Chinatown kann mit denen in Melbourne und Sydney noch mithalten. Da endet die Ähnlichkeit aber schon.

Am nächsten Morgen haben wir uns voller Tatendrang und mit der Mission viele andere Menschen zu treffen, auf die eigentliche Stadterkundung begeben. Unser Weg führte uns zunächst am alten Bahnhof vorbei, der sich genau wie die alte Post und die St. Stephen´s Cathedral trotz ihrer vergleichsweise geringen Höhe einen prominenten Platz inmitten der Wolkenkratzerkulisse sicherte. Zwischen Bahnhof, Post und Kirche lädt der Anzac Square zum Erinnern an die vielen australischen und neuseeländischen Kriegsgefallenen und zum Verweilen ein. 

Kleine Kapelle inmitten großer Hochhäuser
In fast jeder australischen Stadt gibt es Denkmäler für die gefallenen Soldaten, so auch in Brisbane
Es war Sonntag und entsprechend leer waren die Straßen

Durch das komplette Innenstadtgebiet schlängelt sich der Brisbane River und er ist es, der Brisbane seinen Reiz verleiht. 2011 trat er über die Ufer und zerstörte einen wunderbaren Wanderweg entlang des Flusses. Wir hatten Glück und der Weg war nach jahrelanger Arbeit wieder eröffnet. Uns führte er bis zum botanischen Garten, in dem sich einige Brisbanians an diesem schönen Sommersonntag eingefunden hatten und Geburtstage ihrer Kleinsten feierten. Es gab auch einen entspannten, kleinen Markt am Rande des Gartens mit Livemusik einer ziemlich stimmstarken Teenieband.

Die vielen Kräne deuten darauf hin: Brisbane wächst und gedeiht prächtig
Ein Teil des Spazierweges am Fluss entlang
Leider hatten wir noch keinen Hunger, sonst hätte Niko sich in Andy’s Currywurstladen an einem Känguruburger vergangen

Als wir den Brisbane River zum ersten Mal überquerten, haben wir sie endlich gesehen: Menschen über Menschen bevölkerten das Flussufer auf der anderen Seite. Hier muss ein toller neuer Weg entstanden sein, der überaus gerne von Spaziergängern, Joggern und Fahrradfahren angenommen wird. Wir können es nur erahnen, aber wahrscheinlich hatten die Brisbanians mit der Überflutung ihrer geliebten Flusspromenade Glück im Unglück. Nach ein paar Metern Spaziergang unter einem mit Pflanzen bewachsenen Laubengang trauten wir unseren Augen nicht. Mitten in der Innenstadt, umzäunt von riesigen Hochhäusern, breitete sich ein künstlich angelegter Stadtstrand mit riesigem Wasserspielgebiet und mehreren Schwimmbecken aus. Und das alles mit Überwachung durch Lebensretter bis 22 Uhr und kostenlos! 

Die riesige Badelandschaft direkt am Fluss konnte sich wirklich sehen lassen!

Am Ufer kann man noch eine ganze Weile weiterspazieren, es gibt viele kostenlose Grills oder wer es bequemer mag, sucht sich in den zahlreichen Restaurants und Fast Food Läden etwas Passendes aus. Auch ganz in der Nähe des Ufers gab es einen Handwerksmarkt, man kam sich fast schon wie in einem kleinen Urlaubsort am Mittelmeer vor. 

Inmitten des Regenwaldes schmecken die Grillwürstchen umso besser
Auch ein Riesenrad durfte nicht fehlen

Nachdem wir uns auch mit ¨Asian Food Fast¨ gestärkt hatten, sind wir über die nächste Brücke wieder zurück zur anderen Uferseite gelaufen. Diese Brücke hatte es übrigens wirklich schwer, mindestens 3 Mal fraß entweder der Holzwurm sie oder sie stürzte aus anderen Gründen zusammen und musste wieder aufgebaut werden. Ein kleines Reststück der vorletzten Brücke steht noch, dort befindet sich ein Denkmal für einen kleinen griechischstämmigen Jungen, dem ein ganz besonderes Schicksal ereilt ist. Er freute sich so sehr auf die Heimkehrer aus dem ersten Weltkrieg, dass er seine gesamten Ersparnisse in Willkommenspräsente investierte. Als die jubelnde Menschenmenge die Kriegsheimkehrer auf der Brücke begrüßte, wurde der arme Junge überrollt.

Der letzte Rest der alten Brücke. Am linken Pfeiler sieht man die Gedenktafel für den kleinen Jungen, dahinter die neue Brücke.

Am anderen Flussufer wird man gleich vom Treasury Building begrüßt, das bei Einsetzen der Dämmerung blau beleuchtet wird. Ein paar Hundert Meter weiter erreicht man die Fußgängerzone, die mit vielen Open Air Restaurants auf hungrige Mäuler wartet und das alte Rathaus. Durch den Albert Park gab es eine Abkürzung zu unserem Hotel, die wir auf dem Rückweg am Nachmittag gefunden haben. 

Das Treasury Building bei Nacht
Open Air Restaurant in der Fußgängerzone

Später wollten wir uns noch das viel gerühmte West End mit seinen Restaurants und Bars ansehen, leider waren viele am Sonntag geschlossen, die Atmosphäre war aber sehr nett und fast überall konnte man draußen sitzen. Die vietnamesischen Röllchen, die wir dort erstanden haben, haben wir mit zum Flussufer genommen und dort gegessen.

Im West End ging es ziemlich entspannt zu

Glücklicherweise sind wir an diesem Abend noch einmal raus gegangen, denn je später der Abend, desto atmosphärischer wurde es am Fluss. Die Brücke und zahlreiche Gebäude wurden nun bunt angestrahlt. Welch ein Glück doch Brisbane hatte, als die Expo 1988 dorthin kam, denn erst zu diesem Zeitpunkt wurde die Stadt aufgehübscht und der Fluss als Mittelpunkt in Szene gesetzt. Die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn so hat Brisbane nach Melbourne den zweiten Platz auf unserer Auswanderungswunschliste erreicht!

Nachts wird Brisbane sogar noch schöner
Hier würden wir uns auf jeden Fall auch sehr wohl fühlen
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