​Cassowary, ick hör dir trapsen

Tag 180: Weiter ging es Richtung Norden. Nördlich von Townsville enden die sogenannten trockenen Tropen und die feuchten Tropen fangen an. Wegen der Regenzeit ist der Kontrast nicht ganz so deutlich, wie in der Trockenzeit, aber die Hügel wurden wieder deutlich bewaldeter und vor allem waren beidseits der Straße wieder Zuckerrohrfelder so weit das Auge reichte. Die Australier sind nie darum verlegen ihren Highways klingende Namen zu geben und so fuhren wir auf „The Great Green Way“ gen Cairns.

Die Landschaft entlang des Great Green Ways war tatsächlich großartig

Unseren ersten Stopp haben wir in Ingham gemacht. Dort gibt es die Tyto Wetlands zu sehen, ein geschütztes Feuchtgebiet, das von einem Wanderweg durchzogen wird. Trotz der wirklich drückenden Schwüle wollten wir ihn gehen, aber nach ein paar Hundert Metern wurden wir von Moskitoschwärmen im wahrsten Sinne des Wortes überfallen. Blieb nur die Flucht zurück zum Auto – im Laufschritt. Unser Moskitospray war solchen Horden offenbar nicht gewachsen. Na ja, so besonders sah der Weg allerdings auch nicht aus: im Wesentlichen überflutete Felder. Nur Vogelliebhaber kommen dort sicherlich auf ihre Kosten.

So sehen also Wetlands aus

Der Highway führte die meiste Zeit durchs Inland. Erst in Cardwell haben wir endlich wieder das Meer erreicht. Direkt am Ortseingang gab es einen wunderschönen Picknickplatz, den wir fürs Mittagessen gut gebrauchen konnten. Ein älteres australisches Ehepaar, Ross und Lillian, hat sich zu uns an den Tisch gesellt und wir haben uns sehr nett mit ihnen über Gott und die Welt unterhalten. Insbesondere über Gott, da sie sich als Zeugen Jehovas erwiesen, was sie uns aber erst nach einer guten halben Stunde verraten haben. Jetzt sind wir um ein paar Bibelprospekte reicher, aber trotzdem fanden wir die beiden sehr liebenswert. Am Picknickplatz standen Warnschilder in Englisch, Deutsch (¨Nicht Füttern Krokodil!¨) und Chinesisch, dass man auf keinen Fall die Krokodile füttern sollte. Tatsächlich gibt es an diesem Küstenabschnitt jede Menge Salzwasserkrokodile wie Ross uns bestätigte. Wir sollten nicht zu nah ans Wasser gehen, da sie oft in der Nähe des Ufers liegen, ohne dass man sie sieht. Meistens würden sie aber erst mal einen Tag Angler beobachten, bevor sie zubeißen. Das fanden wir sehr tröstlich.

Unser Picknickplatz in Cardwell mit den Krokodilwarnschildern

Nachmittags sind wir an unserem Ziel Mission Beach angekommen. Der Ort besteht aus mehreren kleinen Siedlungen am Strand. In einer davon haben wir uns in einer schönen Strandhütte für die Nacht eingemietet. 2011 wurde die gesamte Gegend von einem schweren Zyklon verwüstet, aber mittlerweile ist alles wieder aufgebaut. Nur umgeknickte Bäume und Palmen sieht man noch ab und zu. Krokodile gibt es hier zum Glück keine, aber die allgegenwärtigen Quallen machen Schwimmen trotzdem zu gefährlich. Sehr schade, da der Strand wirklich einladend aussah. Zum Spazierengehen war er aber auch ganz gut.

In Mission Beach kam sofort Südseestimmung auf
Wir hatten den Strand fast komplett für uns alleine

Tag 181: Mission Beach liegt an der Cassowary Coast, benannt nach dem Cassowary (auf deutsch: Kasuar), einem großen Urzeitvogel. In der Tat sehr groß: ein ausgewachsenes Weibchen kann bis zu 1,80 m hoch und 75 Kilo schwer werden. Der Cassowary ist somit nach dem Strauß der größte lebende Vogel. An dem Küstenabschnitt lebt die größte Cassowary Population Australiens. Natürlich wollten wir uns den Anblick nicht entgehen lassen. In Mission Beachs Touristeninformation haben wir uns ausführlich erklären lassen, an welchen Stellen man die Tiere am besten beobachten kann. Anschließend sind wir alle Spots in der Nähe abgefahren, wo der Mitarbeiter der Touristeninformation den Tieren zuletzt auf seinem Heimweg begegnet ist – wir hatten aber leider kein Glück.

In Mission Beach mussten wir mit einem Cassowary-Schild vorlieb nehmen, da uns kein echter über den Weg gelaufen ist

Ganz aufgeben wollten wir aber auch noch nicht. Falls alle Stricke reißen, hatte uns der nette Mann von der Information nämlich empfohlen, ins 45 Minuten entfernte Etty Bay zu fahren. Das haben wir getan, aber nachdem wir zweimal am Strand hoch und runter gelaufen sind, war immer noch kein Cassowary in Sicht. Dafür hat uns die Bucht aber so gut gefallen, dass wir beschlossen haben, die Nacht hier zu verbringen. Irgendwann müssen sich die Biester ja mal blicken lassen…

Etty Bay ist nicht sehr groß und besteht im Wesentlichen aus einem Campingplatz

Außerdem gab es direkt gegenüber von unserer Strandhütte eine Stingerumzäunung, so dass man gefahrlos im Meer schwimmen konnte, was wir dann seit längerem auch wieder mal getan haben. Die Bucht ist komplett von steilen, mit Regenwald bewachsenen Felsen umringt. Der Regenwald reicht bis ans Meer und man hatte einen wunderbaren Blick beim Schwimmen. Das hatten wir seit Costa Rica nicht mehr.

Innerhalb der Stingerumzäunung konnte man mit schönem Ausblick auf den Regenwald schwimmen

Wir hatten die Hütte noch keine halbe Stunde bezogen und saßen gerade auf unserer neuen Veranda, da war es endlich soweit: ein Cassowary kam auf Futtersuche um die Ecke geschlendert. Die Tiere sehen in Lebensgröße wirklich sehr beeindruckend aus. Vor allem die Füße sind riesig und mit rasiermesserscharfen Krallen besetzt. Wenn sie böse werden, können sie springen und wie ein Kung-Fu Kämpfer mit beiden Füßen gleichzeitig treten. Da will man nicht am anderen Ende stehen, daher sollte man lieber einen gebührenden Abstand einhalten. Unser Cassowary war aber scheinbar schon an Menschen gewöhnt und daher harmlos.

Ein junges Cassowary Männchen auf Futtersuche
Das einzige Mal an dem Tag, dass die Rettungsschwimmerin aktiv werden musste war, als sich der Cassowary an ihrem Coffee-to-go vergehen wollte
Man beachte seine Füße. Damit will man wirklich nicht in Kontakt kommen.

Im Laufe des Tages sind immer mal wieder welche über den Campingplatz oder auch am Strand vorbei spaziert. Es war also auf jeden Fall eine gute Entscheidung hier zu bleiben.

Tag 182: Während unseres Frühstücks auf der Terrasse, lief immer wieder einmal ein Cassowary auf dem Platz vorbei und suchte nach Früchten und wahrscheinlich auch nach Überresten menschlichen Futters. Wir haben Etty Bay glücklich und mit vielen Aufnahmen der Urzeitvögel verlassen, sind vorbei an Queenslands höchsten Bergen (immerhin über 1600 m hoch) und haben Cairns gegen 12 Uhr Mittag bei Kaiserwetter erreicht.

Die Straße nach Cairns

Trotz der 36 Grad, die uns fast zum Schmelzen brachten, haben wir uns auf eine kleine Stadterkundung begeben. An der Strandpromenade, genannt ¨Esplanade¨, gab es mal wieder ein kostenloses Schwimmbad, was bei den tropischen Temperaturen von den Cairnsern liebend gerne angenommen wurde.

Das kostenlose Freibad direkt in der Innenstadt am Meer
Niko beim Abkühlen im Schatten an der Strandpromenade

Da wir unsere Schwimmklamotten mal wieder nicht dabei hatten, haben wir uns nach einem kurzen Mittagessen wieder in die angenehme Kühle unseres Hotelzimmers begeben. Später sind wir noch einmal raus gegangen, denn es wurde Zeit für eine neue Speicherkarte für unserer Kamera. Mit mittlerweile weit über 8000 Fotos ist sie beim Übertragen auf das Tablet etwas schwach auf der Brust geworden. Unser nahende Hunger hat uns auf den Nachtmarkt getrieben, der natürlich gar nicht mit asiatischen Nachtmärkten mithalten konnte und so sind wir weiter an der Strandstraße geschlendert. Dort hatte uns der Massentourismus wieder eingeholt. Wo es mittags noch angenehm ruhig war, barsten jetzt die Restaurants vor Menschen. Jedes zweite Ladenlokal war zudem von Tourenanbietern zum Great Barrier Reef belegt, die in allen wichtigen Sprachen dieser Welt ihre Tauch- und Schnorcheltrips an den Mann bringen wollten. Einer dieser Anbieter suchte gerade deutschsprachiges Personal. Wir haben kurz überlegt, ob wir uns diese Stelle nicht teilen sollten. Der Hunger nach etwas Essbarem war aber zu groß, um weitere Gedanken daran zu verschwenden und so werden wir wohl niemals Ausflüge an die erlebnishungrigen Touris in Cairns verhökern.

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