Großstadtsafari

Ende der Woche sind wir zurück nach Colombo gefahren. Wir waren dort in einem kleinen Guesthouse mit zwei Zimmern untergebracht. Hector und Manel, die das Guesthouse führten, sind weit gereist. Als angestellter Ingenieur der Regierung in Hongkong hatte Hector einen guten Vertrag, der ihm jedes Jahr drei Monate am Stück bezahlten Urlaub bescherte. Da Hector mittlerweile gesundheitlich angeschlagen ist, kümmert sich Manel sehr liebevoll und hilfsbereit um ihre Gäste. Sie hat sogar einmal bei der Botschaft für uns angerufen, weil wir unser Visum noch einmal verlängern müssen. Abgesehen davon redet sie für ihr Leben gerne und freute sich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn sie wieder einmal eine Geschichte ihrer Liebsten zum Besten geben konnte. Lustigerweise haben wir in der Parallelstraße zu Sarangas Büro gewohnt. So konnten wir uns noch zweimal mit ihm zum Essen treffen.

Im Café um die Ecke mit Saranga und Prabath, den Rebecca auch letztes Jahr kennengelernt hat

Als Rebecca zunächst die Straße und dann das Café betrat, in dem wir uns mit Saranga trafen, hatte sie ein Déjà-vu. Tatsächlich war sie bereits letztes Jahr schon einmal dort, um an einem Bollywood-Tanzkurs teilzunehmen. Colombo ist anscheindend doch nicht so groß. So ging es ihr in den Tagen noch öfter, als sie immer wieder Orte sah, an denen sie schon einmal war. Einige Stellen hatte sie allerdings noch nicht gesehen. Das bemerkte sie als sie mit Niko in einer 6,5 stündigen Tuk-Tuk Safari durch Colombo chauffiert wurde. Diese hatte Niko ihr im Dezember zum Geburtstag geschenkt.

In diesem lustigen Gefährt wurden wir kreuz und quer durch Colombo kutschiert

Sie wurde ihm als ¨Food-Safari¨ verkauft, wir fuhren allerdings erst recht spät Essensstände an und so wurde die Safari eher zu einer sehr ausgedehnten Stadttour, in der wir einen Hindu- und einen Buddhistentempel anschauten, die Rebecca auch noch nicht kannte.

Neben dem alten Hindutempel wurde gerade erst ein neuer, noch farbenprächtigerer gebaut
Die Priester bei der Vorbereitung des Abendgebets
Opfergaben für die Hindugötter
Sampath, unser Fahrer, erklärt die Bedeutung der verschiedenen Altare. Intressanterweise kommen auch viele Buddhisten in den Tempel, da sie auch einige der Götter anbeten.

Der Buddhistentempel entpuppte sich dabei als wahres Kuriositätenkabinett, denn er beherbergte Gastgeschenke aus aller Welt. Neben unzähligen Buddhastatuen gab es auch einige hundert Uhren und Brillengestelle und ein paar Autos zu begutachten, mit denen der Hauptmönch durch die Gegend fahren darf.

Neben dem ganzen Krimskrams gab es auch riesige Buddhastatuen und kunstvolle Wandmalereien zu bewundern

Nach einer Begrüßungskokosnuss, einem sättigendem Bananensaft und einem Tee (nach etwas langatmiger Erklärung und Verkaufsversuch), fuhren wir endlich unsere erste Essensstation an und es gab: Hopper! Ein bisschen knuspriger und fluffiger als bei Sarangas Mama. Dafür ließen sie sich aber mit einer Füllung aus Kokosnusssambol und Knoblauch-Zwiebelbratensoße auch nicht so leicht zusammenrollen und brachen an den knusprigen Kanten auseinander. Trotzdem lecker. Dabei war auch ein Nachtischhopper, der eine Füllung aus gesüßter Kokosmilch besaß.

Auch ein großer Obst- und Gemüsemarkt war Teil der Safari. Hierhin scheinen sich nur Touristen der Tuk Tuk Safari zu verirren, denn unser Fahrer und wir wurden an jeder Ecke freudig begrüßt.
So sieht man Bananen bei uns nicht im Supermarkt.  Die gesamte Halle war mit Stauden gefüllt.
Aus der Bananenblüte kann man köstliche Curries zaubern
Reinemachen nach einem langen Markttag
An Bord des Tuk Tuks gab es nur kleine Snacks. Umso glücklicher waren wir, als wir endlich diese Hopper vorgesetzt bekamen.

Unsere nächste Station führte uns zur Strandpromenade Galle Face, an der so ziemlich alle der rund 40 Verkäufer die gleichen Leckereien anboten. Wir haben uns für „Wade“ mit Krabben und einem Linsen-Zwiebelteig entschieden, der zusammen mit einer scharfen Soße, etwas geriebenem Kohl und Möhren in ein Fladenbrot gewickelt wurde. Als unser Fahrer uns danach noch in ein anderes Lokal im ehemaligen Dutch Hospital mit Livemusik und Abschiedsdrinks entführen wollte, haben wir beschlossen, dass der heutige Tag lang genug war, immerhin war es schon fast 10 Uhr abends.

Der Himmel der Streetfood Märkte. An Galle Face gab es sehr viele Essensstände wie diesen hier. Alle bieten aber genau die gleichen Speisen an und überleben trotzdem irgendwie.
So sah der Linsenplätzchensnack „Wade“ zubereitet aus

Nun haben wir uns also auf den Heimweg gemacht, aber natürlich nicht auf direktem Wege. Am Independence Square haben wir noch einen kleinen Halt eingelegt und unseren mitgebrachten Nachtisch, ein Schälchen Curd (eine Mischung zwischen Joghurt und Quark) mit Kokosnusshonig verspeist. Um auch wirklich alles mitzunehmen sind wir noch zu einem sehr schönen Einkaufszentrum gegenüber des Platzes gelaufen, das einmal eine wirklich hübsche Psychiatrie war. Im Innenhof können heutzutage nicht nur diejenigen über einen Fischteich spazieren, die die Fähigkeit besitzen, übers Wasser laufen zu können, denn über den Teich wurden transparente Platten für auch minder Begabte gelegt. Eine wirklich nette kleine Oase für gut Situierte inmitten des Molochs Colombo.

Dieses Foto sollte Katja davor bewahren, nachts alleine in Pettahs Busbahnhof herumirren zu müssen

Den Samstagabend haben wir entspannt mit Prabath und Thiru, zwei srilankischen Freunden, in einer Kneipe im ehemaligen Dutch Hospital verbracht. Lustigerweise war das genau der Ort, an den uns der Safarifahrer am Tag zuvor zur Livemusik einladen wollte. Das Dutch Hospital liegt in der Nähe des Busbahnhofs, an dem Nikos Schwester Katja ankommen sollte. Sie wird sich uns für die nächsten beiden Wochen anschließen. Wir fanden es strategisch sinnvoll, den Abend mit zwei Einheimischen zu verbringen, da sie Katja bestimmt helfen konnten, falls sie Probleme dabei haben sollte, am Flughafen den richtigen Bus zu finden. Katja fand den Bus aber auch alleine (dachte sie zumindest) und so harrten wir ihrer Ankunft. Prabath wollte uns übrigens auch deswegen begleiten, weil der Busbahnhof Pettah in der Nacht etwas gruselig sein sollte… Abgesehen davon, dass überall vor der Eingangshalle Männer schlafend auf dem Boden lagen und wir den Straßenstrich überquerten, liefen uns tatsächlich auch sonst einige merkwürdige Gestalten über den Weg. Nach ca. zwei Stunden erreichte Katja endlich den Bahnhof, damit fuhr sie ungefähr dreimal so lange wie ein normaler Passagier, denn sie hatte sich aus Versehen in den falschen Bus gesetzt. Es hatte aber weder sie noch uns jemand darauf aufmerksam gemacht, dass dies hätte passieren können und der Bus hielt natürlich auch nicht dort, wo er sollte. So kam es, dass Katja mutterseelenallein auf dem nächtlichen Parkplatz stand und als ersten Thiru entdeckte, der alleine auf die Suche nach dem Flughafenbus ging. Gut, dass Rebecca ihr vorher noch ein Foto des Abends geschickt hatte, denn sonst hätte sie den Fremden natürlich nicht als ihren Retter erkannt. 

Nach einer kurzen Nacht glücklich vereint am nächsten Morgen mit Katja und einem der fulminantesten Frühstücke unserer bisherigen Reise

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