Yes, we Kandy!

Den nächsten Tag haben wir, nun zu dritt, bis zum frühen Nachmittag in unserem kolonialen Guesthouse in Colombo verbummelt. Walter war die gute Seele des alterwührdigen Hauses und mit seinen ca. 80 Lenzen bestimmt ebenso alt wie das Haus selbst. Früher hatte er in Hotels an der Südküste gearbeitet und anscheindend reicht die Rente nicht, um mit seiner Frau, die außerhalb Colombos wohnt, einen entspannten Lebensabend zu verbringen. Immerhin ist er in den 1970er Jahren weit gereist. Sogar bis nach Deutschland haben ihn seine Reisen geführt. Er schwärmt heute noch von der Ordnung und Sauberkeit des Landes und von seiner ehemaligen Gastgeberin, die er liebevoll „Mutti“ nennen durfte.

Nicht gerade absturzsicher, aber wir sind ja schon groß und hatten beim Frühstück einen tollen Ausblick in den tropischen Garten

Auf der Zugfahrt nach Kandy wurden wir ordentlich hin- und hergeschaukelt und die Fahrt dauerte trotz der nur knapp 100 km langen Strecke über drei Stunden. Das letzte Drittel der Strecke haben Katja und Rebecca stehend in der geöffneten Tür verbracht, dabei viele Fotos geschossen und die nahende Berglandschaft bewundert.
In Kandy wurden wir am Bahnhof von einem Tuk Tuk abgeholt, das Priya, unsere neue Vermieterin, uns geschickt hatte. Mittlerweile war es dunkel und so war die Fahrt zu Priyas Haus noch abenteuerlicher. Priya und ihr Mann wohnen in einer steilen Straße, die nicht geteert ist und wir alle haben uns gewundert, dass wir nicht mitsamt Tuk Tuk holterdipolter umgekippt sind. 

Eine Zugfahrt, die ist lustig…
… und macht auch etwas müde
Da steht man lieber auf und guckt sich Landschaft…
… und Gegenverkehr an

Am nächsten Morgen sind wir per Bus nach Kandy gefahren (Kosten ca. 8 Cent pro Person), um uns den Tempel des heiligen Zahns ¨Sri Dalada Maligawa¨ anzusehen. Hier liegt in einer Schatulle der für das gemeine Publikum nicht sichtbare Eckzahn des Buddhas, der der Legende nach um 310 nach Christus im Haarknoten der Königstochter von Indien nach Sri Lanka gelangte. Seit 1592 darf man die Reliquie in Kandy bewundern.

Verständlicherweise waren Nikos Unterschenkel zu aufreizend als dass die Wächterin ihn ohne Sarong in den Zahntempel gelassen hätte

Das Tempelgelände ist recht groß und wird von einem Wassergraben umgeben. Im Hintergrund sieht man die umliegenden Berge und der Kandysee befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Leider wurde die Front des Tempels komplett zerstört, als 1998 Mitglieder der Terrororganisatiom LTTE mit einem LKW voller Sprengstoff in das Gebäude rasten. 

Der Kandysee mit Gebetsinsel

Am Nachmittag waren wir mit Priya zum Kochen verabredet. Als Rebecca sich Reis und Curry gewünscht hatte, lachte Priya sie aus. Reis und Curry? Das muss man doch nicht lernen, das kann doch jeder! Dafür hat sich Rebecca aber am Abend noch verdammt viele Notizen gemacht…

Priya, Sunil, ein Mitesser und die Werke der eifrigen Kochschülerinnen

Am darauf folgenden Morgen machten wir uns zum königlichen botanischen Garten Kandys auf, der etwa zwanzig Minuten Busfahrt entfernt in Peradeniya liegt. Der Orchideengarten hat uns besonders gut gefallen, die Pflanzenvielfalt ist ansonsten nicht so groß, dafür ist die parkähnliche Anlage sehr schön in die hügelige Landschaft eingebettet und wird vom längsten Fluss Sri Lankas, dem Mahaweli Ganga umrandet.

Der botanische Garten ist toll gelegen
Er wird durch den Mahaweli Ganga begrenzt
Die erste Schlange unserer Reise! Und wer hat sie entdeckt? Katja, als sie gerade vor einem Riesenbambus posieren wollte und sie ein Rascheln hörte. Der Schreck saß ihr noch einige Minuten in den Knochen.

Zurück in Kandy haben wir uns mit Priyas Mann Sunil getroffen, der uns zu einer Vorführung der berühmten Kandytänze gebracht hat. Mit uns fanden sich noch einige hundert weitere Touristen in der eher schmucklosen Halle ein und lauschten den Trommel- und Horanevaklängen, einer blechernd klingenden Flöte. Die Tänzer überzeugten mit ihrem akrobatischen Können und ihren sehr schmuckvollen Kostümen. Mindestens genauso hat uns allerdings Sunil überzeugt, der kurz vor Beginn der Veranstaltung noch einmal zu uns kam und uns zur Erfrischung zwei Eis brachte. 

Abschlussaufstellung aller beteiligten Tänzer

Am letzten Tag unseres Kandyaufenthaltes hat uns Priya ein Tuk Tuk für den ganzen Tag organisiert, mit dem wir zunächst drei verschiedene Tempel aus dem 14. Jahrhundert angefahren haben: Embekke Devale -, Lankatilake – und Gadaladeniya-Tempel. Die drei kann man auch erwandern, wir waren bei der Hitze und der steilen Straßen aber froh, unseren Fahrer dabei zu haben. Toll war der Weg dorthin, vorbei ging es an Reisfeldern, Teeplantagen und durch kleine Bergdörfer. 

Wie eine Bergziege erklomm dieser kleine rote Flitzer alle vor ihm liegenden Steilhänge

Besonders beeindruckend war der Lankatilake Tempel, der hoch über einem Tal von Reisfeldern auf einem Felsen thront. In ihm vereinen sich Hinduismus und Buddhismus, dabei ist der Ostteil buddhistisch, der Westteil hinduistisch und so zieht der Tempel Pilger beider Religionen an. 

Der kleine Embekke Devale-Tempel bekam Besuch von einer Schulklasse
Der Aufstieg zum Lankatilake-Tempel war beschwerlich
Dafür wurde man oben angekommen mit einem herrlichen Ausblick belohnt
Der innere Teil war sehr gut erhalten, vor einigen Jahrzehnten wurde er allerdings restauriert
Aber die eigentliche Attraktion waren diese zwei komischen weißen Frauen aus Deutschland
Auch die Mädels waren nicht minder schüchtern und unterhielten sich prächtig mit Katja über Buddha und die Welt
Der Gadaladeniya-Tempel ist schon etwas in die Jahre gekommen
Dafür sind einige der Wandmalereien in den vier engen und niedrigen Gebetsräumen noch gut erkennbar

Priya hatte uns bereits davor gewarnt, dass unser Tuk Tuk Fahrer uns zur Teefabrik bringen und auf Provision hoffen könnte. Im normalen Supermarkt würde man den Tee für einen Bruchteil des Preises der Fabrik bekommen. Da hatte sie mal wieder eine gute Nase. Wir haben trotzdem die kostenlose Führung mitgemacht und gestaunt, wieviele Prozesse in den kleinen getrockneten Blättchen stecken, die immer noch alle per Hand gepflückt werden. Nach der Teeverköstigung haben wir uns dann schnell aus dem Staub gemacht und den Tee im Supermarkt erworben. 

Unterricht über die verschiedenen Blatt- und damit Teesorten vor der Trocknungsmaschine

Unsere letzte Station sollte ein weiterer Tempel sein, der durch einen riesiegen Buddha besticht, der hoch über Kandy thront. Rückseitig des Buddhas führt eine Treppe hoch, die uns einen herrlichen Ausblick über das abendliche Kandy verschafft hat. Mit einem weiteren leckeren Essen aus Priyas Küche haben wir den Abend und damit unsere ereignisreichen Tage in Kandy ausklingen lassen.

Hoch oben schwebt der Buddha scheinbar über allem
Von seiner rückseitigen Aussichtsplattform war der Blick über Kandy fantastisch
Die beiden Reisenden freuen sich über den gelungen Abschluss ihres Tagesausfluges
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