​Auf der Busfahrt des Grauens nach Pelmadulla

Über das lange Wochenende waren wir bei Prabaths Familie eingeladen. Sie lebt in Pelmadulla, knapp 140 Kilometer von Kandy entfernt und in der Nähe der größeren Stadt Ratnapura. Die Busfahrt dorthin kann man ohne große Übertreibung als die grauenvollste unserer Reise bezeichnen. Der Bus war vollkommen überfüllt (Niko saß am Gang und hatte fast die ganze Zeit einen Bauch oder andere Körperteile auf der Schulter oder im Gesicht), die Musik war viel zu laut, es war drückend heiß, der Fahrstil war haarsträubend, durch die Vorhänge an den Fenstern hat man kaum was von der Gegend gesehen und die Tortur hat über vier Stunden gedauert ohne eine einzige Toilettenpause. Selten waren wir so froh, endlich aus einem Bus raus zu dürfen.

Auch Rebecca hatte nicht mehr als nur noch ein müdes Lächeln für die Fotografin übrig. Niko war scheinbar trotz sämtlicher Körperteile in seinem Gesicht völlig entspannt. Wenigstens hatten wir im Gegensatz zu vielen anderen einen Sitzplatz ergattert und hätten uns eigentlich nicht beschweren dürfen… 

Immerhin hat Prabath uns direkt an der Haltestelle abgeholt und von dort war es nur ein kurzer Fußmarsch bis zu seinem Zuhause. In den nächsten Tagen wurden wir erneut von hinten bis vorne rundumversorgt, so dass keine Wünsche offen blieben.

Prabaths Zuhause ist sehr idyllisch und direkt neben dem Tempel gelegen. Dafür krähen ab 4 Uhr morgens ein Dutzend Tempelhähne um die Wette, und es gibt einige Straßenhunde und sogar -kühe auf seinem Grundstück
Gruppenbild vor Prabaths Haus. Sein Opa ist rechts im Bild zu sehen, während links Lotusblumen für die nahende Tempeleinweihung geöffnet werden.

Nur zwei Kilometer von Prabaths Haus entfernt liegt ein kleiner Wasserfall mitten im Dschungel. Am ersten Morgen sind wir dorthin gewandert. Katja und Prabath haben den Fluss zum Baden genutzt, während Rebecca und Niko sich die neugierigen Äffchen, die in den Bäumen hingen, angesehen haben.

Auf dem Weg zum Wasserfall. Die Pflanzen, die der Mann hinten rechts auf seinem Buckel trägt, dienen zur Abdichtung der Edelsteinminen.
Katja und Prabath beim Baden im Dschungelfluss während neugierige Äffchen in den Bäumen über ihnen turnen

Später sollte es eine Überraschung für Katja geben. Prabath hatte ihr einen Termin bei einem seiner Onkel organisiert, der Ayurveda Arzt mit Schwerpunkt auf Sri Lankischer Heilkunst ist. Leider sprach er kein Englisch und so ging ein Großteil, von dem, was er sagte, „lost in translation“. Interessant war es trotzdem bei einem Arzt der etwas anderen Art zu sein, der sich barfußsitzend auf seinem Drehstuhl köstlich mit den Anwesenden auf Singhalesisch amüsierte. Prabaths Vater stand nach einigen Minuten auch im Raum und grinste während der kompletten Untersuchung von einem Ohr zum anderen. Was hätten wir in diesem Moment darum gegeben, ein bisschen besser Singhalesisch zu verstehen. Nach der Anamnese wurde Katja in einen dunklen Raum mit zwei verschmierten Massageliegen geführt und die Behandlung begann. 

Die Praxiseinrichtung war vielleicht nicht ganz auf dem neuesten Stand
Katja hat sich trotzdem vertrauensvoll in die Hände des Schöpfmeisters begeben

In einem Töpfchen, das der Arzthelfer aus einer kneteartigen Wurst formte, wurde mehrmals heißes Öl geschüttet und wieder abgeschöpft. Katja hat nicht nur die Behandlung sichtlich entspannt, sondern auch der Umstand, dass Rebecca sie in das dunkle Kämmerchen begleitet hat. Der Onkel Doktor streckte immer mal wieder seinen Kopf hinein und verschrieb Katja noch eine ganze Tüte voll mit Tees, Kügelchen, Tabletten, Säften und Ölen alle aus eigenem Anbau, die ihr am nächsten Tag in äußerst aufwändiger Weise von Prabaths Familie kredenzt wurden. Für all die Umstände bedankte sich Katjas Körper mit einem fiesen Ausschlag, so dass sie die Behandlung am übernächsten Tag absetzen musste.

Auch Prabaths Mama durfte fleißig beim Anrühren des frühmorgendlichen Knoblauchteegebräus mitmischen. Hier bereitet sie natürlich gerade Dhal zu.
Prabath hatte trotz Körpereinsatz sichtlich Spaß beim Mitwirken am Heilungsprozesses

Sehr früh am nächsten Morgen, als die drei Besucher aus Deutschland noch schliefen, kam Saranga zu Besuch, der sich um halb sechs Uhr morgens auf den Weg nach Pelmadullah gemacht hatte. Mit ihm wollten wir später zu einer Safari aufbrechen. Bis wir los konnten und endlich unser Nudelfrühstück intus hatten, hat es aber noch einige Stunden gedauert. Die Busfahrt nach Udawalewa war mal wieder sehr abentuerlich, da der Busfahrer auf der knapp 1,5 stündigen Fahrt das Gaspedal so tief nach unten drückte, wie es eben ging und die kurvige Berglandschaft zuließ. Auf der Fahrt haben wir uns mal wieder über die Sri Lankische Gesellschaft gewundert, in der es trotz Internet und Datingportalen immer noch zum guten Ton gehört, seine Kinder mit passenden Kandidaten im heiratsfähigen Alter zu verkuppeln. Das geht soweit, dass nicht nur die gesamte Familie auf die Suche angesetzt wird, sondern auch professionelle Heiratsvermittler Vorschläge unterbreiten. Passt ein Kandidat/in, wird dieser komplett mit Familie zur Familie des anderen eingeladen und die Vorstellungsrunde kann beginnen. Nicht immer zur Freude der ledigen Kandidaten…

Die Wasserbüffel genießen das kühle Nass
Und das Krokodil tut es ihnen gleich
Während der (männliche) Pfau sich stolz dem Publikum präsentiert
Wir hätten nicht gedacht, dass wir so nah an die Dickhäuter ran kommen würden
Diese sehen etwas ausgedörrt aus

Die Safari hat zwar mit über 60 Euro ein Loch in unsere Urlaubskasse gerissen, aber die vielen Elefanten, Pfauen, Büffel und Krokodile, die wir auf der knapp 2,5 stündigen Fahrt gesehen haben, waren die Investition auf jeden Fall wert. Zum Teil kamen wir sehr nah an die Elefanten heran, die sich gar nicht an uns zu stören schienen und munter weiter ihr Gras mampften. Wahrscheinlich aber waren sie die Fahrzeugkolonnen, die sich jeden Tag durch das Naturschutzgebiet schieben schon gewöhnt.

Diesem Elefant schlackerten vor lauter Freude über das gefundene Fressen sogar die Ohren

Direkt hinter Prabaths Haus befinden sich auf dem Nachbargrundstück mehrere Edelsteinminen, die wir am letzten Morgen besichtigt haben. Es war Sonntag, daher wurde nicht gearbeitet und wir konnten nicht in die Minen hinabsteigen Aber auch ganz gut so, da wir uns sonst wahrscheinlich eine Ausrede hätten überlegen müssen, um nicht in die dunklen nassen Löcher klettern zu müssen. Der Abstieg zu den Minen sah schon ziemlich abenteuerlich aus. Beim Thema Arbeitssicherheit besteht in Sri Lanka definitiv noch etwas Nachholbedarf.

Ein Blick von oben in die Mine reichte Niko völlig
Mal ganz abgesehen davon, dass unten alles voller Wasser war
Der Pausenraum der Minenarbeiter
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