​Ritt auf dem sri lankischen Amtsschimmel

Gerne wären wir noch etwas an der Küste geblieben, doch leider lief unser Visum in den folgenden Tagen ab. Unser Freund Prabath hatte uns versprochen, das Visum dank seines guten Freundes, der im Office of Immigration arbeitet, für einen Bruchteil der Zeit zu ergattern, die ein Normalsterblicher braucht, um den Stempel in seinen Reisepass zu bekommen. Wir hatten vorher schon allerlei Horrorgeschichten von Leuten gehört, die einen ganzen Tag im Amt zugebracht hatten.

Neben dem Office of Immigration haben wir uns natürlich auch die schöneren Ecken Colombos angeschaut. Hier der Rooftop Pool des Cinnamon Reds…
…mit angeschlossener Bar

Guter Dinge machten wir uns also auf in das neue Office of Immigration, das am Stadtrand von Colombo liegt. Sehr ungewöhnlich für Sri Lanka war das moderne Design des Gebäudes, voll klimatisiert und fast geordnete Verhältnisse herrschten in der Abteilung, die sich um Visaverlängerungen kümmert. Leider waren wir nicht die einzigen, die einen neuen Visumsantrag stellten, bestimmt um die hundert andere Antragsteller hatten sich mit uns dort eingefunden. Einige warteten schon seit Stunden, wie die nette ältere Dame aus Kanada uns erzählte. Sie kommt jedes Jahr nach Sri Lanka, um der Familie einen Besuch abzustatten und ihr macht es nicht soviel aus, so lange zu warten, da sie ja als Rentnerin sowieso viel Zeit habe. Glück für sie, dass sie zwei Familienangehörige begleitet hatten, mit denen sie sich über Stunden angeregt unterhielt.

Wir haben wie beim letzten Aufenthalt wieder bei Hector und Manel gewohnt. Dieses Mal war auch das zweite Gästezimmer belegt. Und zwar mit einer deutschen Touristin, die Rebecca sofort erkannte, war sie doch eine Schauspielerin aus der Lindenstraße, die frisch aus einer zweiwöchigen Ayurveda-Kur ins Guesthouse kam.

Aber wir hatten ja zum Glück unseren Joker Prabath, der uns vor stundenlangem Warten bewahren sollte. Er traf ca. eine halbe Stunde nach uns ein und hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Freund noch nicht erreicht. Also reihten wir uns in die Schlange ein, um uns eine Nummer für unseren Antrag abzuholen. Danach ging es zu diversen Stellen, an denen wir den Antrag und unsere Pässe abgaben, die wiederum nach stundenlanger Bearbeitungszeit an anderer Stelle abzuholen waren. Und das stellt man sich so vor: Der Mann vom Amt kommt mit einem Stapel Anträgen und Pässen unter dem Arm in den Warteraum und die wartende Masse stürzt sich Richtung Schalter, hinter dem er die Wartenummern aufruft. Jubel oder Enttäuschung machen sich nach etwa drei Minuten breit, sollte die eigene Nummer aufgerufen worden sein, oder eben auch nicht. Gut, dass wir dieses Spielchen nicht komplett mitspielen mussten, dachten wir, denn wir hatten ja die Hoffnung, dass Prabaths Freund auftauchen und irgendwo in den Prozess eingreifen würde, so wie er es schon bei anderen Freunden angeblich mehrere Male getan hatte. Immerhin hatte Prabath ihn in der Zwischenzeit erreichen können. Leider war er aber an diesem Tag ziemlich ¨busy¨, wie Prabath uns mitteilte. Also hieß es weiter warten auf den Retter in der Wartenot. Wir machten also doch das Spielchen mit dem Hinrennen zum Mann mit den Wartenummern mit und hatten tatsächlich irgendwann Erfolg. Zumindest Rebecca; ihr Antrag und Pass waren als erste wieder da und das obwohl wir beide die gleiche Wartenummer hatten. Als der nette Herr nach seiner Durchsage wieder verschwinden wollte, passte Rebecca ihn gekonnt ab und machte ihn darauf aufmerksam, dass die Wartenummer doch zu zwei Anträgen gehörte. Er ignorierte ihren Einwand und ging einfach weiter. Wenigstens konnte Rebecca mit ihren neu abgestempelten Dokumenten nun die Visumsverlängerungsgebühr zahlen, doch die Dame am Bezahlschalter behielt erneut ihren Antrag und ihren Reisepass. Das hieß also wieder warten, bis ein anderer Mensch den Endstempel in den Reisepass setzte. Wir konnten also wieder zusammen zum Schalter stürzen, wenn der Herr mit den Unterlagen unter dem Arm erschien. Und so ging es weiter, so langsam leerte sich der Saal.

Man erkennt an Nikos Gesichtsausdruck, dass das Foto zu fortgeschrittener Stunde entstand. Prabath war hingegen immer noch unermüdlich guter Laune.

Geschlagene fünf Stunden dauerte die Prozedur, bis auch Niko endlich wieder im Besitz seines Reisepasses war. Und das alles für eine gerade einmal einmonatige Verlängerung… Prabaths Beziehungen haben uns zwar nicht geholfen, aber dafür verbrachte er seinen freien Tag mit uns auf einer Behörde, behielt die ganze Zeit über seine gute Laune und unterhielt uns prächtig. Ohne ihn hätten wir nach deutscher Effizienz strebend, die Geduld mal wieder viel früher verloren.

Unsere Unterkunft in Mount Lavinia. Das linke Zimmer war unseres. Tagsüber glich es gelinde gesagt einem Glutofen.
Reis und Curry hat es in diesem Land selbst in die Fastfood Kette geschafft

Da war das Essen vom ersten Foodtruck, den wir in Sri Lanka gesehen haben, eine gelungene kulinarische Abwechslung

Um uns von dieser bürokratischen Tortur zu erholen, haben wir uns für einige Tage ans Meer nach Mount Lavinia, einem südlichen Vorort von Colombo, zurückgezogen. Unsere Unterkunft lag etwa 200 Meter vom Meer entfernt. Direkt am Strand will man an großen Teilen Sri Lankas Ostküste nämlich nicht wohnen, da dort die Eisenbahnstrecke verläuft und die Züge ständig hupen, um die vielen Fußgänger von den Gleisen zu vertreiben. Auch wir mussten die Bahnstrecke überqueren, um zum Strand zu kommen, glücklicherweise ohne Zwischenfälle.

Mount Lavinias Strand mit der Skyline von Colombo im Hintergrund
Die Sonnenuntergänge waren jeden Abend wunderschön

Mount Lavinia ist insbesondere für das gleichnamige Hotel bekannt. Ursprünglich als Liebesnest für einen englischen Gouverneur gebaut, verstrahlt es auch heute noch den Glanz der britischen Kolonialzeit und gehört zu den bekanntesten Hotels Sri Lankas. Als wir uns auf der Hotelterrasse einen Drink genehmigt haben, hat Rebecca eine Bekannte getroffen, die sie letztes Jahr in Colombo während der Fluthilfe kennengelernt hat.

Das altehrwürdige Mount Lavinia Hotel
Auch im Luxushotel müssen die Gäste mit dem Hupen der Züge leben

Und auch sonst ist die Welt klein. Unser Vermieter Lal, Anfang 70, lebte in den 60er und 70er Jahren für 14 Jahre in Deutschland, wo er eine Ausbildung in einem Hamburger Betrieb absolviert hatte und danach in ganz Deutschland und sogar in Tansania tätig war. Natürlich sprach er immer noch recht gut Deutsch und gab uns die Aufgabe, eine alte Bekannte von ihm in Düsseldorf ausfindig zu machen. Rebecca kam der Name dieser Dame sehr bekannt vor und sie wird sich Lal zuliebe nach unserer Rückkehr auf die Suche nach ihr begeben.

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