​Wir haben uns getrennt

Natürlich nur vorübergehend, da Rebecca entschieden hat, für fünf Tage ins Kloster zu gehen. Dort will sie den Geheimnissen der Meditation auf die Spur kommen. Als Niko den Tagesplan des Klosters gesehen hat (Aufstehen um 4 Uhr, stundenlange Meditation, nur zwei Mahlzeiten am Tag!) hat er Rebeccas Angebot sie zu begleiten dankend abgelehnt. Er hat sich stattdessen in ein sehr nettes Hotel nur fünf Kilometer vom Kloster entfernt eingemietet und dort die Tage entspannt bei köstlichem Essen am Pool und auf seiner Terrasse verbracht.

Von außen machte das Hotel schon etwas her. Hier der Eingang zum Festsaal.
Auch der Pool war sehr schön und meistens menschenleer

Das Hotel lebt praktisch komplett von sri lankischen Hochzeitsgesellschaften, da sich Touristen in der Regel nicht in diese Gegend verirren. Entsprechend leer war es die ganze Woche über. Nur Mittags kamen immer mal wieder ein paar Einheimische zum Essen (der Koch war wirklich klasse!) und abends dann nochmal zum Trinken. Insbesondere Hochprozentiges von Whisky über Rum zu Wodka hat es den Leuten hier scheinbar angetan. Auch Niko trinkt natürlich gerne mal ein Glas, aber als ein Familienvater eine komplette(!) Flasche Bacardi alleine ausgetrunken hat und anschließend seine Familie nach Hause fuhr, fand er das dann doch ziemlich leichtsinnig.

Am ersten Tag war Rebecca auch noch da

Die Hotelmitarbeiter kommen aus dem ganzen Land und bleiben jeweils eine gute Woche zum Arbeiten dort, bevor die Schicht wechselt. Während der Woche wohnen sie im Mehrbettzimmer und arbeiten von morgens bis abends. Die meisten sprachen kein Englisch, aber mit dem Koch und einem der Kellner, die beide Auslandserfahrung haben, hat Niko sich sehr gut verstanden. Die beiden waren erkennbar begeistert, endlich mal einen ausländischen Gast zu haben und ihn mit allerlei exotischen Curries zu füttern. Nikos Lieblingskellner Virash hat ganze vier Jahre in Italien gelebt, wo er sich als Erntehelfer und als Betreuer eines alten Mannes durchgeschlagen hat. In der Anfangszeit hat er drei Monate draußen geschlafen und sich bei seiner Flucht durch Tschechien und Österreich unter Bussen verstecken müssen. Dies lässt bereits vermuten, dass er nicht auf natürlichem Wege nach Italien kam, sondern von Schleppern nach dem sri lankischen Bürgerkrieg angelockt wurde, die er ¨the agency¨ nannte. Lukrativ war seine Auslandszeit natürlich nicht, mal abgesehen davon, dass er jahrelang von seiner Familie getrennt war. Der stets freundliche Virash macht heute einen zufriedenen Eindruck, auch wenn er mit seinem Monatsgehalt von 16.000 Rupien, was in etwa 100 Euro entspricht, im teuren Colombo kaum über die Runden kommt. 

Mit solchen Riesenportionen an Reis und Curry haben der Koch und Virash Niko jeden Tag abgespeist
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2 Gedanken zu „​Wir haben uns getrennt“

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