​Kochen in Kandy und Panadura

Gerne hätte Rebecca ihren Klosteraufenthalt um ein paar Tage verlängert, aber sie hatte sich bereits in Kandy mit Priya, unserer Vermieterin vom letzten Mal, zum Intensivkochenlernen verabredet. Intensiv war die Zeit alle Mal, denn nicht nur zum Kochen trafen sich Rebecca und Priya. Meistens ging es zwischen sieben und acht Uhr morgens mit dem Frühstückmachen los. Wie wir in den vergangenen Blogs geschrieben haben, ist ein sri lankisches Frühstück oft sehr aufwändig und so hat Priya als ihre Tochter noch zur Uni ging, schon um halb vier Uhr morgens den Kochlöffel geschwungen. Bei sri lankischen Hausfrauen ist Restaurantessen als ungesund verschrien. Es soll neben einer Menge Konservierungsstoffe auch Natriumglutamat enthalten. Und es ist wahr, in den Take Aways sieht man selten Leute über 40, die sich dort ihre schnellen Mahlzeiten besorgen. Natürlich ist sri lankisch Kochen aber vor allem sehr zeitintensiv. Selten haben wir für die Zubereitung des Abendessens unter zwei Stunden gebraucht. Viele jungverheiratete Frauen arbeiten heutzutage und sind verständlicherweise zu müde, sich nach der Arbeit noch stundenlangen Kochorgien hinzugeben.

Priya und Rebecca beim Süßigkeitenmachen
Priya öffnet Jackfruitsamen
Seit der Tuk Tuk Safari nie vergessen und jetzt gibt’s endlich das Curry aus Bananenblüte

Priyas Töchter wohnen mittlerweile beide in Colombo. Die ältere ist verheiratet und wohnt bei der Familie ihres Mannes. Es scheint, als hätte sie in Rebecca einen Tochterersatz gesehen, denn Niko kam Rebecca meist nur bei den Mahlzeiten zu Gesicht. Dazwischen hatte sie Priya vollends in Beschlag genommen. Priya verbringt ihre Freizeit am liebsten mit nähen und so hat sie Rebecca am zweiten Tag zum Stoffekaufen mit nach Kandy genommen. Dabei sprang für Rebecca Stoff für eine Hose und einen Rock heraus. Als sei dies nicht schon genug Arbeit, hat sie aus dem Reststoff noch eine Bluse für sie nähen wollen. Während Priya also nähte, hat Rebecca ihr Gesellschaft geleistet.

An einem der vielen Nähnachmittage
Wer schön sein will, muss leiden… Wahrscheinlich war es notwendig, denn Priya hat Rebecca kurzerhand eine Kosmetikerin vermittelt.

Am letzten Tag sind die beiden zum Tempel aufgebrochen. Dort wollte Priya ihren Reiskocher und Behälter abholen, in denen sie den Mönchen einmal im Monat Mittagessen vorbeibringt. Außerdem hatte sie ein Paket Waschpulver als Opfergabe dabei, vor einigen Wochen haben sie und ihr Mann dem Tempel nämlich eine Waschmaschine spendiert. Auf dem Weg zum Tempel und zurück nach Hause hat sie Rebecca allerlei Erklärungen zu verschiedensten wild wachsenden Obst- und Gemüsepflanzen gegeben, die bei dem guten Klima in kürzester Zeit zu meterhohen Obst- und Gemüsebäumen reifen. Auch traf Priya in dem kleinen Dorf Ampitiya ständig auf Bekannte, mit denen sie ein kurzes Schwätzchen hielt, die, wie sie Rebecca mit einem Zwinkern verriet, alle so nett und freundlich seien, da sie die Vorsitzende des Frauenvereins sei.

Auf dem Rückweg kamen wir an einer Weberei vorbei

Gerne wäre Rebecca auch bei Priya noch ein Weilchen geblieben, aber an unserem letzten richtigen Wochenende hatte uns Saranga wieder zu sich nach Hause in Panadura eingeladen. Dieses Mal gab es kein großes Programm. Rebecca hat mal wieder seiner Mama in aller Herrgottsfrühe beim Kochen über die Schulter geschaut und Saranga zu einer Sitzung der ¨Panadura Toastmaster¨ begleitet. Hier kann von jung bis alt jeder mitmachen, der seine Redekünste verbessern möchte. Neben vorbereiteten Reden, die zum Schluss kritisch bewertet werden, wurden Sprichwörter verteilt, über dessen Inhalt ein Freiwilliger eine spontane Kurzrede hielt. Rebecca war sehr froh, dass ihr lieber Freund Saranga sie nie aufrief, wenn kein Freiwilliger bereit war, vors Rednerpodium zu treten. Beeindruckt war sie aber vom Mut und Selbstbewusstsein aller Teilnehmer, die sich ein solch ausgefallenes Hobby ausgesucht haben.

So werden Stringhopper gemacht
Hier wird der Reismehlteig kurz gedämpft
Gruppenfoto mit den netten Panadura Toastmasters

Da wir seit längerer Zeit schon nicht mehr geschwommen sind, wollten wir uns für die nächsten Tage eine Unterkunft mit Pool suchen. Tatsächlich wurden wir keine zwei Kilometer von Sarangas Zuhause entfernt fündig: ein riesiges Appartment mit wunderschöner Dachterrasse und eigenem Pool. Dort angekommen stellte sich allerdings Ernüchterung ein: der auf den Fotos so riesig wirkende Pool war in Wahrheit kaum mehr als ein kleines Planschbecken. An Schwimmen war also nicht zu denken. Die Enttäuschung hielt aber nur kurz an, da die Unterkunft ansonsten wirklich fabelhaft war. Und auch an den Minipool haben wir uns gewöhnt, da er zum Abkühlen allemal ausgereicht hat.

Yoga am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Besonders wenn man es auf einer solch tollen Dachterrasse ausführen kann.
Die wahre Größe des Pools offenbarte sich aus der Quietscheentchenperspektive

Das Haus, in dem unser neues Appartment liegt, wurde von unserem Vermieter Irantha selbst konstruiert. Er ist ausgebildeter Ingenieur und bekennender Deutschland-Fan (¨Deutsche sind die freundlichsten Menschen der Welt!¨). Er hat mehrere Monate in Deutschland verbracht und kannte sogar Winterberg, Rebeccas Heimatort, bei dem die meisten Deutschen normalerweise nur ahnungslos mit den Achseln zucken. Nach mehreren Arbeitsjahren in Italien, wo er die Kinder einer reichen Adelsfamilie betreut hatte, ist er in der Hotelbranche in Dubai gelandet. Dort hat er die Erfahrungen gesammelt, die es ihm nun erlauben, ein wirklich vorzüglicher Gastgeber zu sein. Insbesondere kennt er die Ansprüche westlicher Touristen, was man dem Appartment deutlich ansieht. Ohne Übertreibung war es die wohl beste Privatunterkunft unserer gesamten Reise. Was würden wir nur darum geben, zuhause auch eine solche Dachterrasse zu besitzen…
Damit wir uns nicht zu sehr langweilen, hat Irantha uns an einem Tag zu einem Feuchtgebiet in der Nähe gefahren. Dort kann man Büffel und jede Menge Vögel in freier Wildbahn beobachten. Die Büffel haben sich leider nur von sehr weitem sehen lassen, aber es war doch erstaunlich, wieviel Natur so nahe an der Stadt noch existiert. An einem anderen Abend hat er uns zum Essen eingeladen. Da er gehört hat, dass Rebecca sich sehr für sri lankische Küche interessiert, hat er extra seinen Schwager, einen ehemaligen Koch, anreisen lassen. Dem durfte Rebecca bei der Zubereitung über die Schulter schauen und hat jede Menge Tipps bekommen, wie sie selber solche Gerichte zaubern kann.

Unser Gastgeber Irantha mit Niko im Feuchtgebiet
Topfgucken hat Rebecca im Laufe der Reise perfektioniert

Unsere letzten drei Tage in Sri Lanka haben wir in Mount Lavinia bei Christine und Lal verbracht, bei denen wir vor einigen Wochen schon einmal gewohnt haben. Neben Entspannen haben wir die Zeit hauptsächlich dafür genutzt, um einige letzte Besorgungen in Colombo zu machen. Zum ersten Mal konnten wir ja nun endlich Souvenirs kaufen, ohne sie danach noch monatelang durch andere Länder schleppen zu müssen. Im Nachhinein viel zu schnell gingen so unsere 55 Tage in Sri Lanka zu Ende. Wir haben hier gerade mal für etwas über 37 Euro am Tag gelebt und somit viel billiger als die eigentlich veranschlagten 56 Euro. Mitten in der Nacht werden wir heute (2. April) den Heimflug mit Umstieg in Dubai antreten. 

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